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Ermittler rätseln über Hintergründe in den Niederlanden

21.10.2019 12:21 Uhr

Rund eine Woche nachdem ein 25-Jähriger in einer niederländischen Kneipe um Hilfe bittet, gibt der Fall der völlig isoliert lebenden Familie in Ruinerwold Ermittlern weiterhin Rätsel auf.

Der 67 Jahre alte Vater der Familie soll am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. Er wird verdächtigt, seine sechs heute erwachsenen Kinder gegen ihren Willen neun Jahre lang auf dem abgelegenen Hof im Dorf Ruinerwold in der östlichen Provinz Drenthe festgehalten zu haben.

Vor knapp einer Woche war die Familie von der Polizei entdeckt worden, nachdem der 25-jährige Sohn Jan in der Dorfkneipe um Hilfe gebeten hatte. Der Vater hatte vor etwa zehn Jahren bei den Behörden seine Auswanderung gemeldet, war aber kurz darauf mit den Kindern auf dem Hof untergetaucht. Die Kinder waren nie bei den Behörden gemeldet worden. Die Familie lebte in einem abschließbaren Raum auf dem Hof. Bewohner des 4000-Einwohner-Dorfes hatten nie etwas von der Anwesenheit einer Familie bemerkt.

Sektenähnliche Gemeinschaft?

Die Hintergründe des Falles sind weiterhin unklar. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass der Vater eine sektenähnliche Gemeinschaft gründen wollte. Weiterhin in Haft ist ein 58-jähriger Österreicher, der mit dem Vater vor Jahren einen gemeinsamen Betrieb hatte. Josef B. war Mieter des Hofes und wird ebenfalls der Freiheitsberaubung verdächtigt.

Große Summen Bargeld

Der Vater war bis 1987 Mitglied einer Sekte gewesen. Die Mutter der Familie soll nach Aussagen von früheren Nachbarn und auch nach Angaben des Sohnes Jan 2004 gestorben sein. Die heute 18 bis 25 Jahre alten Kinder, vier Mädchen und zwei Jungen, werden nach Angaben der Polizei gut versorgt und auch psychologisch betreut. Sie könnten lesen und schreiben und seien auch gut ansprechbar. Der Vater soll vor Jahren einen Schlaganfall erlitten haben.

Bei der Durchsuchung des Hofes war eine große Summe Bargeld gefunden worden. Auch waren in Geschäftsräumen des Vaters und des Österreichers Computer und Unterlagen beschlagnahmt worden. Weitere Ergebnisse der Ermittlungen wurden noch nicht mitgeteilt.

(be/dpa)

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