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Erdogan und Tsipras: "Teufelskreis" der Krisen durchbrechen

6.2.2019 9:42 Uhr

Immer wieder kracht es zwischen den Nachbarn Türkei und Griechenland. Bei einem Treffen von Präsident Erdogan und Ministerpräsident Tsipras schlägt man nun versöhnliche Töne an und spricht von einer Kooperation.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras haben nach einem Treffen in Ankara den Ausbau ihrer bislang oft krisenhaften Beziehungen in Aussicht gestellt. "Auch wenn in unseren bilateralen Beziehungen zeitweise unerwünschte Situationen ... auftreten, so haben wir Möglichkeiten gefunden, sie schnell wiedergutzumachen", sagte Erdogan bei einer abendlichen Pressekonferenz. Tsipras sprach von einem "effektiven und ehrlichen Treffen". Es sei wichtig, in der Ägäis ein Klima der Kooperation zu schaffen. Beide Parteien hätten am Dienstag klargemacht, dass sie den "Teufelskreis" der Krisen durchbrechen wollten. Griechische Medien sahen noch am Abend "kleine und vorsichtige Schritte zur Annäherung".

Gemeinsame Terrorbekämpfung

Bei den Gesprächen ging es laut Erdogan auch um die Terrorbekämpfung. Griechenland dürfe kein sicherer Hafen für Terrororganisation wie PKK und Fetö werden, mahnte er. Mit dieser Bemerkung spielte er auf acht angebliche Mitschuldige an dem Putschversuch von 2016 an, die nach Griechenland geflohen waren. Die Regierung macht für den Putsch die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen verantwortlich, die sie zu Fetö abkürzt. Erdogan verlangt die Auslieferung der acht Militärs.

Offenbar war er damit aber am Dienstag nicht weit gekommen. Tsipras wies darauf hin, dass die griechische Justiz Entscheidungen getroffen habe, die jeder Rechtsstaat respektieren müsse. Drei Soldaten wurde bisher Asyl zugestanden, für die anderen wird es erwartet.

"Aktionsplan" für Migrationsproblem

Vorrangig für Griechenland sei die Intensivierung der Kooperation zur Bekämpfung der Schleuserbanden, sagte Tsipras. Immer wieder gelangen trotz des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei Migranten aus der Türkei nach Griechenland. Im vergangenen Jahr waren es gut 40.500 Menschen. Zum Thema des geteilten Inselstaates Zypern soll es vor weiteren Gesprächen einen "Aktionsplan" geben.

Tsipras war am Nachmittag zu einem zweitägigen Besuch in Ankara angekommen. Der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hatte er am Montag gesagt, er wolle den "schwierigen, aber offenen Dialog" von 2017 fortsetzen. Immer wieder hat es seit dem letzten Treffen aber gekriselt. Neben Migration, Zypern und Putschistenfrage sind auch die Hoheitsrechte in der Ägäis ein Streitthema - hier geht es auch um Forschungsbohrungen beider Seiten im Mittelmeer. In der Region werden reiche Erdgas-Vorkommen vermutet.

Kurz vor der Ankunft von Tsipras in Ankara hatte die Türkei noch ein Kopfgeld auf die nach Griechenland geflohene angeblichen Putschsoldaten ausgesetzt. Dazu nahm das türkische Innenministerium die acht Militärs in die sogenannte Rote Liste der meistgesuchten "Terroristen" auf, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Pro Person soll es für Hinweise zur Ergreifung der Männer nun vier Millionen Türkische Lira (rund 670 000 Euro) geben.

Tsipras besucht die Hagia Sophia

Am Mittwoch will der griechische Regierungschef weiter nach Istanbul reisen und unter anderem die ehemalige Kirche Hagia Sophia besuchen, die heute als Museum fungiert. Anschließend ist ein Treffen mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. geplant, bevor er mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel an einem Gottesdienst im orthodoxen Priesterseminar von Halki auf den Prinzeninseln teilnimmt.

Der Patriarch von Konstantinopel ist das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. Das Priesterseminar von Halki war die wichtigste theologische Schule der Kirche, bevor es 1971 vom türkischen Staat geschlossen wurde. Seitdem bemüht sich das Patriarchat um seine Wiederöffnung. Auch viele ausländische Politiker haben sich gegenüber Präsident Recep Tayyip Erdogan dafür eingesetzt, darunter US-Präsident Barack Obama.

(be/dpa/afp)