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Erdogan kündigt weitere Vergeltungsschläge an

12.2.2020 8:36 Uhr

Nach einer weiteren bewaffneten Auseinandersetzung zwischen türkischem und syrischem Militär im Norden von Syrien hat Präsident Recep Tayyip Erdogan neue Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Die Türkei habe es «dem Regime» in Idlib «ernsthaft gezeigt», sagte Erdogan am Dienstag in einer Rede in Ankara. «Aber das reicht nicht. Das wird so weitergehen. Denn je mehr sie unsere Soldaten angreifen, umso höher wird der Preis, den sie bezahlen.» Für eine Fraktionssitzung am Mittwoch kündigte er an, die geplanten Schritte «mit der Öffentlichkeit» zu teilen.

Syriens Militärführung wies die Drohung zurück und erklärte, ihre Truppen seien bereit, auf die türkischen Angriffe zu reagieren. Diese würden die syrische Armee nicht davon abhalten, ihre Militäroperationen fortzusetzen. Das türkische Regime lasse die Lage in Idlib eskalieren, um einen Zusammenbruch «bewaffneter Terrororganisationen» zu verhindern, hieß es in einer Erklärung, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete.

Am Montag waren durch syrischen Beschuss Angaben aus Ankara zufolge fünf türkische Soldaten getötet worden. Das türkische Militär setzte daraufhin nach eigenen Angaben mehr als hundert syrische Militärs «außer Gefecht». Das kann getötet oder verwundet bedeuten.

Ultimatum an Damaskus

Es war bereits das zweite Mal, dass innerhalb einer Woche türkische Soldaten durch syrischen Beschuss getötet wurden. Am vorvergangenen Montag waren nach Angaben aus Ankara sieben Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter des Militärs getötet worden. Erdogan hatte Damaskus danach ein Ultimatum gestellt: Die syrische Armee müsse sich bis Ende Februar von den türkischen Beobachtungsposten in Idlib zurückziehen, sonst werde die Türkei die Sache selber in die Hand nehmen.

Idlib ist das letzte große Rebellengebiet in Syrien, wo seit fast neun Jahren ein Bürgerkrieg herrscht. Die Region wird von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Milizen.

Mit Russland als Schutzmacht Syriens hatte sie sich auf eine Deeskalationszone in Idlib geeinigt und dort ursprünglich zwölf Beobachtungsposten eingerichtet. Mittlerweile sollen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge weitere türkische Posten hinzugekommen sein. Vor den syrischen und russischen Angriffen sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht.

Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte am Dienstag ein weiteres Telefonat zwischen Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin an.

(be/dpa)

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