imago/Depo Photos

Erdogan: Anschlag in Neuseeland zeigt wachsende Islamfeindlichkeit

16.3.2019 11:56 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan warnte vor der wachsenden Islamfeindlichkeit und der Untätigkeit des Westens, gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit vorzugehen.

"Mit diesem Anschlag hat die Islamfeindlichkeit, die die Welt untätig zugelassen und sogar gefördert hat, die Grenzen der individuellen Schikane überschritten, um die Ebene des Massenmords zu erreichen", sagte Erdogan am Freitag.

Die Weltsicht des Mörders breite sich im Westen "wie ein Krebsgeschwür" aus, kritisierte der türkische Präsident bei einer Trauerfeier für eine frühere Ministerin. Wenn der Westen nicht rasch Maßnahmen ergreife, würden "weitere Katastrophen" folgen, warnte er. Er hatte zuvor auf Twitter geschrieben, der Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sei "ein neues Beispiel für die Zunahme des Rassismus und der Islamfeindlichkeit".

Bei den Anschlägen während des Freitagsgebets waren mindestens 49 Menschen getötet worden. Bei einem der Attentäter handelt es sich nach ersten Ermittlungen um einen rechtsextremen Australier.

Auch Außenminister Cavusoglu übt heftige Kritik

Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat die türkische Regierung vor der Verbreitung von Hassbotschaften gegen Muslime in Europa gewarnt. "Dieser terroristische Vorfall wurde nicht nur von seinen direkten Tätern verursacht, sondern auch von unverantwortlichen Politikern, die den Hass gegen Muslime schüren", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Freitag in Brüssel. Hieraus gelte es auch für die EU und ihre Mitgliedstaaten "Lehren" zu ziehen.

"Die Hasstiraden gegen Muslime sollten nicht als Teil der Meinungsfreiheit betrachtet werden", sagte Cavusoglu. Er forderte die EU auf, "Maßnahmen gegen solche Hassreden zu ergreifen". Aus Sicht der Türkei werde in der EU die Meinungsfreiheit als "Deckmantel" benutzt, um "Hassreden gegen Muslime (...), unseren Propheten und unsere Religion zu decken". Wenn dies anhalte, "werden wir solche Angriffe nie verhindern."

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte bei einer Pressekonferenz mit dem Minister, es gebe leider in vielen Teilen der Welt Hassreden gegen bestimmte Gesellschaftsgruppen. Dies betreffe Muslime, aber auch Juden, Christen, Schwule und Lesben, sagte die Italienerin. Die EU schütze alle diese Gruppen, toleriere keine Hassbotschaften und stehe für Vielfalt in der Gesellschaft.

Zwei türkische Staatsbürger unter den Verletzten in Christchurch

Cavusoglu zufolge befinden sich auch zwei türkische Staatsbürger unter den Verletzten. Sie würden derzeit im Krankenhaus behandelt. Der türkische Außenminister sagte, er habe mit der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern telefoniert und ihr sein Beileid ausgesprochen.

(be/afp)