afp

Entkleidungs-App nach Netz-Empörung abgeschaltet

29.6.2019 13:34 Uhr

Dass die App "DeepNude" einen Sturm der Entrüstung hervorrufen würde, hätte den Entwicklern schon bei der Programmierung klar sein müssen. Die App diente dazu, dass Bilder von bekleideten Frauen in Fake-Nacktbilder umgewandelt werden konnten. Natürlich war die Entkleidung der aufgenommenen Frauen nicht real, sondern virtuell, aber auch mit dem virtuell erzeugten Bild hätte viel an Schindluder getrieben werden können. Nach einem massiven weltweiten Shitstorm haben die Entwickler aus Estland die App vom Markt genommen - und programmieren nun hoffentlich sinnvollen App-Content.

Die Entwickler aus Estland erklärten im Kurzbotschaftendienst Twitter, sie hätten die Nachfrage nach der App "DeepNude" massiv unterschätzt. "Wir hätten niemals gedacht, dass sich das so verbreiten würde und wir nicht mehr in der Lage sind, den Datenfluss zu kontrollieren", hieß es von den Machern der App weiter. Trotz Sicherheitsmaßnahmen sei das Risiko eines Missbrauchs bei insgesamt rund 500.000 Nutzern zu groß. "Wir wollen auf diese Weise kein Geld machen", erklärten die Entwickler.

Unsinnige und gefährliche App für Fake-Nacktbilder

Sie hatten "DeepNude" vor einigen Monaten gestartet und dabei auf die sogenannte Deepfake-Technologie zurückgegriffen, bei der täuschend echte Bilder erzeugt werden. In Artikeln in der "Washington Post", "Vice" und anderen Medien wurde gezeigt, wie die App dazu verwendet werden kann, ein Foto von einer bekleideten Frau aufzunehmen und dieses in ein Nacktbild umzuwandeln. Eine männliche App-Version existierte nicht.

"Dies ist eine entsetzlich zerstörerische Erfindung, und wir hoffen, dass Ihr bald die Konsequenzen für Euer Handeln zu spüren bekommt", twitterte die Gruppe Cyber Civil Rights Initiative (CCRI), die sich für den Schutz vor sogenannter Rache-Pornografie einsetzt. Die Jura-Professorin und CCRI-Vorsitzende Mary Anne Franks twitterte, es sei gut, dass die App abgeschaltet worden sei, aber die Begründung ergebe keinen Sinn. Die App sei darauf ausgerichtet gewesen, den "grotesken sexuellen Fantasien armseliger Männer" zu dienen. Kritiker befürchten überdies, dass einige Versionen der Software weiter verfügbar sein könnten.

(ce/afp)