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Energieeffizienz im Neubau: Richtlinien und Möglichkeiten

18.10.2019 10:59 Uhr

Das Thema Umweltschutz gewinnt an Brisanz und in diesem Zuge auch die Energieeffizienz von Gebäuden. Ab dem Jahr 2021 müssen laut EU-Gebäuderichtlinie daher alle Neubauten als sogenannte Niedrigstenergiegebäude errichtet werden.

Dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht nur an einer Front gewonnen werden kann, scheint mittlerweile längst klar. Daher müssen viele verschiedene Verantwortliche in die Pflicht genommen werden, allen voran die Industrie, der Verkehr und die Metropolen. Doch auch jeder einzelne Bürger kann und muss seinen Beitrag leisten. Energie einzusparen, ist dabei ein wichtiger Faktor. Eine bessere Energieeffizienz von gewerblichen, aber auch Wohngebäuden ist daher ein Anliegen, welches auf EU-Ebene in den vergangenen Jahren viel diskutiert wurde. Ein Ergebnis dieser Debatten stellt die sogenannte EU-Gebäuderichtlinie dar, welche ab dem Jahr 2021 für alle Mitgliedstaaten der EU verpflichtende Änderungen definiert.

Inhalte der EU-Gebäuderichtlinie ab 2021

Beschlossen wurde die EU-Gebäuderichtlinie bereits im Jahr 2010 mit dem Ziel, den Energieverbrauch von Gebäuden erheblich zu senken. Schließlich wird hier rund 40 Prozent der Gesamtenergie verbraucht und somit ist das Einsparungspotenzial enorm. Hauptursache für den hohen Energieverbrauch ist die Heizung oder Kühlung der betreffenden Gebäude. Gerade hier gibt es aber mittlerweile zahlreiche technologische Möglichkeiten, um die benötigte Energie deutlich zu reduzieren und somit ist es naheliegend, eine solche Verbesserung der Energieeffizienz flächendeckend vorzuschreiben. Am 19. Mai 2019 wurde daher vom EU-Parlament die "Richtlinie 2010/31/EU" beschlossen, welche als neue EU-Gebäuderichtlinie dazu verpflichtet, dass ab dem Jahr 2021 alle Neubauten ausnahmslos gemäß des Niedrigstenergiestandards errichtet werden müssen.

Anwendung auf Bestandsbauten im Detail

Aber auch Bestandsbauten sind von der Regelung nicht in jedem Fall ausgenommen. Sie müssen ebenfalls das Niedrigstenergieziel erfüllen, wenn sie ohnehin größeren Renovierungs- oder Umbauarbeiten unterzogen werden. Wie genau diese Anforderungen aussehen, ist zum jetzigen Stand aber nicht klar, denn die deutsche Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie stand lange Zeit in der Kritik und wird daher regelmäßig überarbeitet. Festzuhalten ist dennoch, dass Bauherren, die entweder einen Neu- oder Umbau planen, in jedem Fall den Niedrigstenergiestandard umsetzen sollten. Damit sind sie nämlich einerseits auf der sicheren Seite, was eventuelle gesetzliche Richtlinien in der Zukunft angeht. Andererseits tun sie damit der Umwelt einen Gefallen und sparen auf lange Sicht eine Menge Geld.

Der "Niedrigstenergiestandard" im Fokus

Die EU-Gebäuderichtlinie definiert natürlich auch, was unter dem Niedrigstenergiestandard zu verstehen ist. Auf Englisch werden diese Gebäude auch als "Nearly Zero Energy Building" bezeichnet – sie haben also eine beinahe ausgeglichene Energieeffizienz. Hergestellt wird diese durch eine Mischung aus dem Sparen von Energie auf der einen Seite und der Generierung eigener Energie auf der anderen. Die Definition im Gesetzestext lautet: Angestrebt wird ein "fast bei Null liegende[r] oder sehr geringe[r] Energiebedarf". Die benötigte Energie soll außerdem aus erneuerbaren Quellen bezogen werden, bestenfalls vom Gebäude selbst oder von einem Standort in unmittelbarer Nähe. In Österreich ist die Definition noch deutlich exakter. Demnach verbraucht ein Niedrigstenergiegebäude maximal 25 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Als Orientierung dient das KfW-Effizienzhaus 55

In Deutschland werden hingegen jene Gebäude als Niedrigstenergiegebäude bezeichnet, welche mindestens dem Standard eines KfW Effizienzhauses der Klasse 55 entsprechen. Somit ist die Grenze weniger streng als in Österreich und liegt bei bis zu 40 Kilowattstunden, welche das Gebäude pro Jahr und Quadratmeter verbrauchen darf. Zu erwarten ist also, dass sich spätestens ab dem Jahr 2021 alle Neubauten sowie Umbauten an Bestandsgebäuden mit dem KfW-Standard der Klasse 55 orientieren. Langfristig gehen die Ziele des EU-Parlaments darüber aber sogar noch hinaus.

Plusenergiehaus gilt als Konzept der Zukunft

Wer sich tatsächlich auf der sicheren Seite wähnen und zugleich von den Vorteilen eines energieeffizienten Gebäudes profitieren will, sollte also stattdessen ein sogenanntes Plusenergiehaus anstreben. Diese generiert – wie der Name vermuten lässt – mehr Energie als es selbst verbraucht, beispielsweise durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Die überschüssige Energie wird dann gespeichert und gegebenenfalls in das Versorgungsnetz eingespeist. Irgendwann könnte es also möglich sein, dass sich Gebäude nicht nur selbst, sondern auch gegenseitig mit Energie versorgen, sodass sämtliche Lücken zuverlässig geschlossen werden können. Aber welche Möglichkeiten gibt es, um ein solches Niedrigstenergie- oder Plusenergiehaus umzusetzen?

Möglichkeiten für mehr Energieeffizienz in Gebäuden

Noch vor wenigen Jahren waren Konzepte wie das Plusenergiehaus kaum vorstellbar. Doch moderne Technologien machen sie mittlerweile möglich und könnten daher eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen. Die Möglichkeiten, um die Energieeffizienz in Gebäuden zu erhöhen, sind dementsprechend vielfältig. Zum Einsatz kommt in der Regel nicht nur eine Maßnahme, sondern eine Kombination aus verschiedenen Besonderheiten, welche für das Einsparen oder Generieren von Energie sorgen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Thermofundamentplatten: Spezielle Fundamentplatten verhindern, dass die Wärme des Gebäudes nach unten entweicht. Somit muss weniger Energie dafür verwendet werden, die Räume (nach) zu heizen. Hierfür stehen mittlerweile spezielle Thermofundamentplatten zur Verfügung, welche Wärmeverluste verhindern und über eine starke Zusatzdämmung unter der eigentlichen Fundamentplatte sowie eine umlaufende Sockeldämmung verfügen.
  • Luft-Wasser-Wärmepumpe: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe gilt als klimafreundliche Technologie, welche die Umgebungsluft über einen Ventilator ansaugt und diese in den Verdampfer der Wärmepumpe leitet. Durch die Kombination aus einem speziellen Kältemittel und Druck entsteht ein Temperaturanstieg, der direkt in den Wasserkreislauf der Heizung übertragen werden kann. Mittlerweile wird dieses Heizsystem in etwa 43 Prozent der Neubauten eingesetzt – Tendenz steigend. Möglich ist außerdem die Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Stromspeicher, um damit die Energieeffizienz weiter zu erhöhen und die Heizkosten zu senken.

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  • Solaranlage/Solarthermie: Die Solarenergie könnte in absehbarer Zukunft zur weltweit wichtigsten erneuerbaren Energiequelle heranwachsen. Schon jetzt findet sie zunehmend in Gebäuden Anwendung, um die Energieeffizienz zu erhöhen. Sie ist zudem der Schlüssel zum Erreichen des Plusenergiestandards. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die Solarenergie im Gebäude zu nutzen. Eine besteht aus Photovoltaikmodulen, die an einem geeigneten Ort angebracht werden können und Wechselstrom erzeugen, der für Haushaltsgeräte, aber auch die Einspeisung ins Stromnetz verwendet werden kann. Demgegenüber kann mittels Solarthermie Wärme aus solarthermischen Anlagen gewonnen werden, die entweder der Heizungsunterstützung oder Warmwasserbereitung dienen.
  • Wärmerückgewinnung: Auch die sogenannte Wärmerückgewinnung spielt eine wichtige Rolle, denn sie ermöglicht, dass die thermische Energie eines Stoffes auf einen anderen übertragen werden kann. Auf gut Deutsch: Bei dem Prozess der Wärmerückgewinnung kann die Wärme von Raumluft, welche nicht mehr benötigt wird und die über 20 Grad Celsius liegt, wieder in die Heizung eingespeist werden.
  • Wärmebrückenfreie Konstruktion: Wärmebrücken stellten lange Zeit ein großes Problem für die Energieeffizienz von Gebäuden dar. Wichtig ist daher auch, bei Neubauten oder Umbauten von Bestandsgebäuden auf eine wärmebrückenfreie Konstruktion zu achten. Hierbei kommt unterstützend eine industrielle Vorfertigung zum Einsatz.

Damit ist die Liste der Möglichkeiten für eine bessere Energieeffizienz von Gebäuden gemäß der EU-Gebäuderichtlinie aber noch lange nicht zu Ende. Auch Wandsysteme mit höchster Dämmqualität, Thermodächer, Passivhausfenster, eine zentrale Lüftung, eine Wand- und Fußbodenheizung oder Dreifachverglasung von Fenstern sowie Türen werden mit zunehmender Häufigkeit eingesetzt. Zudem spielt die Ausrichtung des Gebäudes zur Sonne eine wichtige Rolle und kann erheblich zur Erhöhung der Energieeffizienz und der Effizienz einer Photovoltaik-Anlage beitragen.

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Was (zukünftige) Bauherren also beachten sollten...

...ist die Frage der Energieeffizienz bei der Planung von Neubauten oder Umbauten an bestehenden Gebäuden – und zwar bestenfalls schon vor dem Jahr 2021. Denn die EU-Gebäuderichtlinie könnte in absehbarer Zeit auch flächendeckend für alle Bestandsbauten gelten oder weiter verschärft werden. Zudem kommt es der Umwelt und den eigenen Energiekosten zugute, ein Niedrigstenergiehaus oder sogar Plusenergiehaus zu errichten. Sinnvoll ist demnach, sich von einem Experten eingehend beraten zu lassen und zu prüfen, welche Maßnahmen aus finanzieller sowie energetischer Sicht sinnvoll sind. Der Standard eines KfW-Effizienzhauses der Klasse 55 sollte dabei als Orientierung dienen, gilt aber nur als Minimum der umzusetzenden Richtlinien. Prinzipiell gilt somit das Motto: Je mehr Energieeffizienz, desto besser!

(Hürriyet.de)

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