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Empörung über Trumps Äußerungen zu mutmaßlich gefoltertem US-Studenten Warmbier

1.3.2019 12:26 Uhr

Der US-Präsident schafft es immer wieder zu schockieren. Diesmal hat sich Trump hinter Machthaber Kim Jong Un in der Sache des mutmaßlich gefolterten und nach einer Inhaftierung in Nordkorea gestorbenen US-Studenten Warmbier gestellt.

Trump sagte am Donnerstag nach Ende des Gipfeltreffens in Hanoi, er habe mit Kim über den mutmaßlich schwer gefolterten Studenten gesprochen. Kim "sagt mir, dass er nichts darüber wusste, und ich nehme ihn beim Wort". Führende Abgeordnete im US-Kongress widersprachen Trump mit deutlichen Worten. Kim habe den Fall jedoch "sehr gut gekannt, aber erst später davon erfahren", sagte Trump. In nordkoreanischer Haft seien "einige sehr schlimme Dinge" mit Warmbier passiert.

Aus ungeklärten Gründen ins Koma gefallen

Der Student war während einer Nordkorea-Reise Anfang 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er fiel unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich von Nordkorea freigelassen. Im Juni 2017 starb er wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA. Ein US-Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert wurde. Pjöngjang hat jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten und erklärt, der Student habe sich eine schwere Nahrungsmittelvergiftung zugezogen.

Kritik - bis zum Gipfel

Bis zum Beginn der Gespräche über eine Denuklearisierung Nordkoreas hatte Trump die Führung in Pjöngjang in dem Fall scharf angegriffen. Noch in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2018 wertete der US-Präsident den Tod des Studenten als Beleg für die "Bedrohung unserer ganzen Welt", die von Pjöngjang ausgehe. Dass er nun Kims Angaben Glauben zu schenken scheint, sorgte in den USA parteiübergreifend für empörte Reaktionen. Mit Trump "stimmt etwas nicht", wenn er eher "Gangstern" wie Kim oder Russlands Staatschef Wladimir Putin glaubt, als den US-Geheimdiensten, sagte die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. "Natürlich wusste Kim davon", schrieb der einflussreiche demokratische Senator Mark Warner im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Anscheinend ist der Präsident der Vereinigten Staaten der Einzige, der diese offensichtliche Lüge glaubt."

"Abscheulich", "an der Seite von Diktatoren"

Der demokratische Abgeordnete Adam Schiff bezeichnete Trumps Äußerungen als "abscheulich". Der demokratische Senator Chris Van Hollen warnte, die USA dürften "Kim Jong Un nicht einen Blankoscheck dafür ausstellen, einen der unseren zu foltern und zu ermorden". Der demokratische Senator Tim Kaine warf Trump vor, sich an die Seite von "Diktatoren" anstelle von US-Bürgern zu stellen. Auch der Minderheitsführer von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, kritisierte den US-Präsidenten. "Ich sehe Nordkoreas Führer nicht als jemanden an, der ein Freund ist. Wir alle wissen, was mit Otto passiert ist, wir wissen, was dieses Land getan hat." Die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, sprach von "Grausamkeit" der nordkoreanischen Regierung gegen Warmbier.

Ergebnisloses Gipfeltreffen

Das Gipfeltreffen von Trump und Kim in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi war am Donnerstag ohne Ergebnis abgebrochen worden. Es gab keine Einigung bei der Frage der Sanktionen gegen Nordkorea und der atomaren Abrüstung, auch wenn beide Seiten sich widersprechende Angaben machten.Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA schrieb am Freitag, Trump und Kim hätten vereinbart, "weiter produktive Gespräche zu führen, um über die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel und die Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Nordkorea zu diskutieren".

(be/afp)