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Macrons Ausssagen zu einheitlicher EU-Position sorgen für Empörung in der Türkei

10.9.2020 13:45 Uhr

Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte am Donnerstag, dass die Länder der Europäischen Union eine einheitlichere Position in Bezug auf die Türkei einnehmen sollten, melden die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters. Er fügte hinzu, dass die EU eine Eskalation der Spannungen mit Ankara vermeiden wolle.

"Es liegt an der Türkei, ihre Absichten zu klären", sagte Macron auf einer Pressekonferenz in Ajaccio auf der Mittelmeerinsel Korsika, wo er Mitglieder der EU im Mittelmeerraum zu Gesprächen empfangen wird. Thema soll auch die angespannten Beziehungen der Union zur Türkei sein. Die Türkei sei laut Macron kein Partner mehr in der Mittelmeerregion. "Unsere roten Linien sind einfach der Respekt vor der Souveränität eines jeden europäischen Mitgliedstaates, die Achtung des Völkerrechts", so Macron.

Der französische Staatschef kritisierte das Verhalten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Libyen-Konflikt und die Erdgaserkundungen der Türkei im östlichen Mittelmeer als "inakzeptabel". Griechenland und Zypern sind der Ansicht, dass die Bohrungen in ihren Seegebieten erfolgen und damit illegal sind. "Europa muss eine geeintere und klarere Stimme haben. Frankreichs Position in den letzten Monaten war konsequent, nicht eskalierend", sagte Macron. Er wünsche sich, wieder in einen "fruchtbaren Dialog mit der Türkei" zu treten. Am Nachmittag sollten bei einem informellen Gipfeltreffen von Staats- und Regierungschefs aus sieben südlichen EU-Staaten - darunter auch Griechenland - gemeinsame Positionen entwickelt werden. Ziel sei der Dialog mit Erdogan, "aber unter Bedingungen, bei denen wir kompromisslos sind".

Außenministerium der Türkei weist Macrons Aussagen scharf zurück

Das Außenministerium der Türkei hat unverzüglich auf die Aussagen des französischen Präsidenten Macron reagiert und seine Sätze scharf zurückgewiesen. "Frankreichs Präsident folgte den alten kolonialistischen Reflexen und gab arrogante Aussagen ab. Damit wurde versucht, uns zu belehren. In der Tat sind Macrons Aussagen Ausdruck seiner eigenen Unfähigkeit und Verzweiflung. Die Zeiten, in denen sie auf der ganzen Welt schalten und walten konnten sind vorbei. Präsident Erdogan ist einer der Präsidenten mit der höchsten Stimmenzahl in Europa. Unser Präsident hat dem türkischen Volk immer seine Macht gegeben. Das türkische Volk und die Regierung sind immer ein Herz und werden dies auch weiterhin sein", wird das Außenministerium von der Zeitung Milliyet zitiert.

"Es ist nicht Sache von Macron, die maritime Gerichtsbarkeit eines Landes im Mittelmeerraum oder einer anderen geografischen Region zu bestimmen. Frankreich sollte sich für Versöhnung und Dialog einsetzen und nicht blind als Befürworter Griechenlands und der griechisch-zyprischen Regierung auftreten. Das sind die Länder, die einseitige und provokative Schritte unternehmen und die EU als Geisel für ihre eigenen engstirnigen Interessen nehmen. Der französische Präsident fördert mit seiner individuellen und nationalistischen Haltung Spannungen und gefährdet die großen Interessen Europas und der EU", fuhr das Außenministerium fort.

(ce/Reuters/dpa/DHA)

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