Symbolbild: imago/Nordphoto

Eishockey-Frauen kämpfen bei WM um Aufmerksamkeit

3.4.2019 12:24 Uhr

Die Eishockey-Frauen starten in die WM in Finnland mit einer originellen Kampagne in den sozialen Medien und kämpfen um mehr Aufmerksamkeit.

"Tut es eigentlich weh, wenn du einen Check bekommst?", fragt Jennifer Harß. "Ja, ein bisschen", antwortet Daria Gleißner: "Aber schlimmer ist es, wenn man sich einen Fingernagel abbricht." Die beiden Eishockey-Nationalspielerinnen brechen in Lachen aus. Mit dem originellen Video-Clip vor der WM in Finnland machen sie Werbung in eigener Sache und spielen mit den gängigen Klischees.

Die "Fun Facts" beim Frauen-Eishockey

Und die "Fun Facts" liefert der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) gleich dazu. "In einem Spiel brechen sieben bis neun Fingernägel ab", twittert der Verband in seiner Themenwoche "Eishockey ist auch Frauensache". Ach ja, und außerdem: "Pro Saison werden in einer Mannschaft acht bis zwölf Liter wasserfestes Makeup verbraucht." Gibt's überhaupt Zuschauer? "Meine Mama", sagt Stürmerin Kerstin Spielberger, "kommt manchmal."

Zu wenig Resonanz

Die witzige DEB-Aktion in den sozialen Netzwerken hat einen ernsten Hintergrund. Frauen-Eishockey führt in Deutschland mit 2100 aktiven Spielerinnen ein Schattendasein. Wenn sich schon die Männer trotz ihrer sensationellen Silbermedaille bei Olympia 2018 über zu wenig Resonanz in der breiten Öffentlichkeit beklagen - was sollen erst Harß, Gleißner und Co. sagen?

WM in Finnland

Am Donnerstag (11.30 Uhr) starten sie in Espoo gegen Schweden in die Weltmeisterschaft. Als Vierte der letzten WM, aber dennoch fast unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit. Damit zumindest jeder die Möglichkeit hat zuzuschauen, hat der DEB mithilfe von Sponsoren einen Livestream der deutschen Spiele im Internet eingerichtet (thefan.fm).

"Alle sind mit sehr viel Herzblut dabei und nehmen einiges auf sich", sagt der neue Bundestrainer Christian Künast: "Sie betreiben guten Sport und haben mehr Aufmerksamkeit von allen Seiten verdient." Ein Erfolg wie vor zwei Jahren in den USA würde natürlich helfen. Doch Künast, der im Dezember noch die U20-Junioren zurück in die Erstklassigkeit führte, bremst: "Das Halbfinale als Ziel wäre zu hoch angesetzt, andere Nationen haben aufgeholt."

Die weiteren Vorrundengegner

Die weiteren Vorrundengegner sind Japan, Frankreich und Tschechien. Die ersten Drei der Gruppe B qualifizieren sich für das Viertelfinale, die letzten beiden steigen ab. Damit die Ergebnisse nicht zu deutlich ausfallen, spielen die besten fünf Teams um Titelverteidiger und Olympiasieger USA und den Rekordweltmeister Kanada in der Gruppe A zunächst unter sich.

Das Fernziel der DEB-Frauen sind die Olympischen Spiele 2022 in Peking und damit die größtmögliche Bühne für ihren Sport. Als die Männer im vergangenen Jahr sensationell ins Endspiel stürmten, mussten sie zuschauen, weil sie die Qualifikation verpasst hatten. Die Silberhelden von Pyeongchang schickten per Video-Clip die besten Wünschen nach Finnland. "Glaubt immer an euren Traum", sagt David Wolf. Und Marcus Kink betont: "Eishockey, das ist auch Frauensache." Nach abgebrochenen Fingernägeln fragt niemand.

(gi/afp)

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