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Einzelhandel in der Türkei stellt auf Onlinehandel um

14.4.2020 18:37 Uhr

Nach dem Ausbruch des Coronavirus haben die Verbraucher in der Türkei ihr Einkaufsverhalten zunehmend auf Online-Plattformen umgestellt. Das zwingt nun auch die türkischen Einzelhändler dazu, sich diesem neuen Trend anzupassen und ihre Waren vermehrt online anzubieten. Die Türkei hat in den letzten Wochen eine Reihe von Maßnahmen und Beschränkungen eingeführt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Dazu gehören auch die Schließungen von Einkaufszentren und Geschäften, in denen nicht lebenswichtige Dinge offeriert werden.

Angesichts dieser herausfordernden Zeiten haben viele Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit auf ihre Online-Shops und andere Einzelhandelsplattformen verlagert. Auch Modehändler in Istanbul, der Handelshauptstadt des Landes, sind diesem Beispiel gefolgt. Sie haben ihre Waren aus ihren Geschäften in den geschlossenen Einkaufszentren in Lagerhäuser gebracht, um ihre Produkte über Online-Verkaufsstellen zu verkaufen. Zum Beispiel haben rund 30 Marken im Istanbuler Einkaufszentrum Marmara Park eine solche Umstellung vom Einzel- und den Onlinehandel vollzogen.

48 Prozent Zuwachs bei Onlinehandel im Jahresvergleich

Sinan Öncel, der Leiter der United Brands Association of Turkey (BMD), stellte fest, dass ab dieser Woche eine Reihe von Einzelhändlern damit begonnen haben, ihre Geschäfte zu leeren. "Tatsächlich verlagern Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit seit einiger Zeit auf Online-Plattformen. Die gestiegene Nachfrage nach diesen Verkaufsstellen führte jedoch zu Versorgungsproblemen", sagte Öncel. "Einzelhändler haben damit begonnen, Waren aus ihren gemieteten Geschäften zu entfernen und in Lagerhäuser zu überführen, um die steigende Nachfrage auf Online-Plattformen zu befriedigen" sagte er. Die Aufbewahrung der Kleidungsstücke in einem geschlossenen Geschäft oder in unverpackten Verpackungen sei dabei nicht sonderlich gut für die Qualität der Produkte.

Öncel geht davon aus, dass die Einzelhändler diese Praxis noch einige Zeit fortsetzen werden. Er bemerkte auch, dass Einzelhändler die Geschäfte zuerst in den Einkaufszentren leeren, in denen sie Probleme mit den Mieten haben. "Viele Unternehmen haben den Betrieb eingestellt, da die öffentliche Mobilität nach dem Ausbruch des Coronavirus zurückgegangen ist oder gesundheitliche Bedenken bestehen. Wir sind immer noch mittendrin, es ist noch nicht vorbei", sagte Öncel.

Preise steigen auch online deutlich an

Er betonte, dass Unternehmen ihre Kreditschulden noch zurückzahlen müssen und die aktuelle Situation Druck auf sie ausübt. "Eine große Anzahl von Einkaufszentren hat angekündigt, keine Miete von Einzelhändlern zu verlangen, aber die Unsicherheiten über die Mieten bleiben bestehen", sagte Öncel. Die neuesten Daten des türkischen Statistikamtes (TÜIK) zum Umsatz im Einzelhandel zeigten, dass das Umsatzvolumen im Segment Textil, Bekleidung und Schuhe im Februar im Monatsvergleich nur um 1 Prozent gestiegen ist. Dabei wird von den neusten Zahlen allerdings noch nicht das tatsächliche Ausmaß der Rückgänge durch die Anti-Coronavirus-Maßnahmen abgebildet. Der Umsatz via Postversand und Internet stieg jedoch im Februar im Jahresvergleich um 48 Prozent und gegenüber dem Vormonat Januar um 6 Prozent.

Da die Nachfrage auf Online-Einzelhandelsplattformen gestiegen ist, sind auch die Preise gestiegen. Ein solches Beispiel ist der Preis für Brotbackautomaten, der innerhalb von zwei Wochen von 1.700 Lira 227 Euro) auf 3.500 türkische Lira (rund 468 Euro) gestiegen ist. In ähnlicher Weise werden Spielekonsolen, die sehr gefragt sind, da die Menschen die meiste Zeit zu Hause verbringen, jetzt zwischen 2.800 Lira (rund 375 Euro) und 5.400 Lira (rund 722 Euro) verkauft, gegenüber Preisen zwischen 2300 Lira (rund 307 Euro) und 3800 Lira (rund 508 Euro), die noch vor zwei Wochen Gültigkeit hatten. Auch der Preis für Laufbänder ist von 1.800 Lira (240 Euro) bis 3.300 Lira (441 Euro) auf 2.700 Lira (360 Euro) und 5.000 Lira (669 Euro) gestiegen.

(ce)

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