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Eintracht sucht neue Europa-Identität

20.9.2019 12:13 Uhr

Ein bisschen Sehnsucht nach seiner furiosen "Büffelherde" und den glorreichen Europa-League-Abenden konnte Adi Hütter nicht verbergen.

Am spektakulären 0:3 gegen den Vorjahresfinalisten FC Arsenal gefiel dem Trainer von Eintracht Frankfurt vieles - nur nicht das ernüchternde Ergebnis. "Man darf eins nicht vergessen: Wir haben Spieler zu ersetzen, die letztes Jahr viele Tore gemacht haben", sagte Hütter in wohliger Erinnerung an das Sturmtrio Luka Jovic, Sébastien Haller und Ante Rebic, das den Verein in diesem Sommer kollektiv und für insgesamt mehr als 100 Millionen Euro verlassen hat.

"Lebbe geht weider"

Die fast schon gewohnte Frankfurter Europapokal-Party erhielt auch wegen des Fehlens der drei Super-Stürmer einen erheblichen Dämpfer. "Wir stehen leider mit 0:3 da, ich habe trotzdem eine sehr ansprechende Leistung gesehen", sagte Hütter, der den Chancenwucher bemängelte und dem das zu deutlich ausgefallene Ergebnis sichtlich zu schaffen machte. Dass der Österreicher doch noch mit einem kleinen Grinsen in die Nacht gehen konnte, dafür sorgte Kult-Coach Dragoslav "Stepi" Stepanovic, der aus der letzten Reihe des Presseraums lautstark rief: "Lebbe geht weider."

Das neue Stürmer-Trio der Eintracht

Anstelle von Haller, Jovic und Rebic stehen nun Sturmkante Bas Dost sowie die beiden Portugiesen André Silva und Goncalo Paciencia. Was aussieht wie ein sehr ordentliches Sturmdreieck, hat in diesem Jahr aber auch mit dem Maßstab von 57 Pflichtspiel-Toren der Vorgänger zu kämpfen.

"Die Jungs brauchen noch ein bisschen Zeit. Speziell die beiden Stürmer, die spät zu uns gestoßen sind. Wichtig ist, dass wir uns Chancen herausarbeiten", sagte Hütter. Die nächste Möglichkeit auf Wiedergutmachung gibt es schon am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) gegen Borussia Dortmund. Sport-Vorstand Fredi Bobic meinte: "So kann es im Fußball laufen. Die Jungs haben ein gutes Spiel gezeigt, Arsenal war brutal effizient und hat diese Qualität." Das Ergebnis falle "zu hoch aus. Es ist nicht so, dass wir vom Platz geschossen wurden".

"Wir haben gegen den klaren Favoriten der Gruppe gespielt.."

Für ihre ordentliche Leistung belohnten die 47.000 Fans ihre Helden mit lautstarken Gesängen und reichlich Applaus. Die Party fiel für den Halbfinalisten des Vorjahres diesmal zwar aus, eine besondere Europa-Nacht wurde es aber auch ohne Jubel und drei Punkte. "Die Fans in der Kurve haben ein sehr gutes Gespür. Diese Szenen machen den Klub, das macht Eintracht Frankfurt aus", sagte Bobic. Der frühere Torjäger weiß dennoch, dass das 0:3 durch Tore von Joe Willock, Bukayo Saka und Pierre-Emerick Aubameyang den Druck auf die Hessen deutlich erhöht. Schon im zweiten Gruppenspiel bei Vitoria Guimaraes sollten dringend Punkte her.

Die Portugiesen und Standard Lüttich sind mit dem englischen Topclub nicht zu vergleichen. "Wir haben gegen den klaren Favoriten der Gruppe gespielt, dessen Qualität wir gesehen haben", befand Hütter. Angreifer Dost fügte an, man müsse die Siege gegen Lüttich und Guimaraes einfahren, wenn man international überwintern wolle.

Dafür muss die Eintracht schnell wieder effizienter werden. "Wir werden weiter arbeiten mit den Jungs. Sie haben bewiesen, dass sie Tore schießen können", beschrieb Hütter. Der frühere Wolfsburger Dost war an einem Abend der verpassten Chancen das Eintracht-Sinnbild: engagiert, motiviert, im Abschluss aber nicht cool genug. "Für mich persönlich sehe ich noch Luft nach oben, ich kann es besser", sagte der Niederländer.

(gi/dpa)

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