Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Einbruch in Dresdens Schatzkammer

25.11.2019 15:29 Uhr

Zuvor war in Dresdens berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der Sammlung mit Juwelengarnituren und anderen wertvollen Kunstobjekten. "Im Laufe des Tages folgen weitere Informationen", erklärte die Polizei im Kurznachrichtendienst Twitter.

Sachsens Regierungschef zeigte sich entsetzt: "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!", sagte Michael Kretschmer (CDU). "Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden", betonte Kretschmer. "Man kann die ‎Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und ‎die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens."

Laut Zeitungsberichten brannte am Montagmorgen ein Stromkasten unter der Augustusbrücke, mit dem möglicherweise die Stromzufuhr zu den Staatlichen Kunstsammlungen unterbrochen wurde. Eine Sprecherin des Energieversorgers Drewag bestätigte den Vorfall: "Die Drewag musste den Schaltkasten außer Betrieb setzen." Ob es einen Zusammenhang mit dem Einbruch gibt, ist noch unklar. Die Polizei war für Nachfragen zunächst nicht zu erreichen.

Am Vormittag war die Spurensicherung am Tatort, die Polizei hatte sowohl einen Teil der Schatzkammer als auch die gegenüberliegende Schinkelwache - die Kasse der Semperoper - abgesperrt. Äußerlich wirkte die Schatzkammer unversehrt, die Fenster sind durch historische gusseiserne Gitter geschützt.

Wissenschaftsministerin und Museumsdirektor vor Ort

Nach dem Einbruch besichtigten Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) und Museumsdirektor Dirk Syndram von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) den Tatort von außen. Für Besucher blieb das Residenzschloss am Montag geschlossen. Ein Schild am Eingang in deutscher und englischer Sprache wies darauf hin, dass das Museum aus "organisatorischen Gründen" geschlossen bleibe. Für 13.00 Uhr war eine Pressekonferenz der Polizei und des Museums geplant.

Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) ließ die Schatzkammer zwischen 1723 und 1730 anlegen. Heute wird sie in zwei Abteilungen präsentiert. Der historische Teil befindet sich im Erdgeschoss des Residenzschlosses in den authentisch wiederhergestellten Räume der Sammlung. Eine Etage weiter oben zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

Eines der wertvollsten Stücke des Grünen Gewölbes wird derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York ausstellt - der Grüne Diamant. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat und natürlicher Färbung gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung "Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe".

Täter über Fenster eingestiegen - zwei Tatverdächtige?

Beim Einbruch in die berühmte Schatzkammer Grünes Gewölbe in Dresdens sind die Täter über ein Fenster eingestiegen. Auf der Kamera im Juwelenzimmer seien zwei Einbrecher zu sehen gewesen, sagte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange. Es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Tatverdächtige beteiligt gewesen sein. Die Täter seien durch ein Fenster eingedrungen, hätten ein Gitter durchtrennt und das Fenster eingeschlagen. Sie seien zielsicher auf eine Vitrine zugegangen und hätten diese zertrümmert.

Der Einbruch sei am frühen Montagmorgen gemeldet worden. Um 04.59 Uhr hätten sie vom Sicherheitsdienst die Information bekommen, dass es zu einer Einbruchshandlung komme, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa bei einer Pressekonferenz. Kurz darauf sei der erste Streifenwagen beauftragt worden. Einen Fahndungserfolg gebe es noch nicht.

Diebe zerschlugen Vitrine mit Axt - Dresdner Täter weiter flüchtig

Beim Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden haben die Täter die Vitrine im Juwelenzimmer mit einer Axt zerschlagen. Auf diesem Weg seien sie an die wertvollen, mit Edelsteinen besetzten Schmuckstücke gekommen, teilte die Polizei am Montagabend mit. Zuvor zerschlugen die Diebe demnach ein Fenstergitter sowie eine Glasscheibe und drangen so in das Gebäude ein. Die Tat habe insgesamt nur wenige Minuten gedauert.

Den Angaben zufolge flüchteten die Täter mit einem Audi A6 vom Tatort. Wenig später wurde ein baugleiches Fahrzeug in einer Tiefgarage im Dresdner Stadtgebiet in Brand gesetzt. Die Ermittler untersuchen derzeit das Fahrzeug und sichern Spuren.

Unterdessen sind die Diebe weiter auf der Flucht, die Fahndung dauert an, wie es hieß. Eine mittlerweile 20-köpfige Sonderkommission namens "Epaulette" - benannt nach einem der gestohlenen Schmuckstücke - sucht nach den Kunstdieben.

Zuletzt aktualisiert : 25.11.2019, 18:01:11

(gi/dpa)

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