epa/Furqan al-Aaraji

Ein Toter und viele Verletzte

29.10.2019 17:13 Uhr

Im Irak sind bei Protesten gegen Korruption und Misswirtschaft ein Mensch getötet und mehr als 190 verletzt worden, darunter etwa 140 Sicherheitskräfte. Bei den Zusammenstößen während einer nächtlichen Ausgangssperre in der Provinz Kerbela südlich von Bagdad hätten Sicherheitskräfte Dutzende Demonstranten festgenommen, teilte die Menschenrechtskommission am Dienstag mit.

Sicherheitskräfte setzten Augenzeugen zufolge auch Tränengas und gaben Schüsse ab, um die Protestler auseinanderzutreiben.

Das irakische Militär wies die Berichte zurück. Ziel sei der Schutz der Demonstranten, sagte General Ali al-Haschimi. Es habe keine Toten, aber einige Verletzte gegeben, die meisten davon Sicherheitskräfte. Dutzende Menschen seien festgenommen worden, meist weil sie Schusswaffen und Messer bei sich gehabt hätten.

Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein

In anderen Provinzen schlugen Demonstranten an zentralen Plätzen Zelte auf, auch hier setzten Sicherheitskräfte nach Berichten von Augenzeugen Tränengas ein.

Die Behörden hatten die Ausgangssperre für Bagdad und weitere Provinzen verhängt, nachdem die Proteste teils eskaliert waren. Sie gilt jeweils von Mitternacht bis 6.00 Uhr morgens.

Die Iraker protestieren seit Freitag gegen Korruption. Sie beklagen sich über einen Mangel an Jobs und die schlechten Zustände im Land. Der Irak gehört zu den ölreichsten Ländern der Welt, leidet aber unter anderem unter einem akuten Strommangel. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Regierung, die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen. Das Parlament stimmte am Montag für die Gründung eines Ausschusses, der die Verfassung des Landes ändern soll. Das Gremium soll seine Vorschläge in vier Monaten vorstellen.

Allein von Freitag bis Montag wurden nach Angaben der irakischen Menschenrechtskommission mindestens 80 Menschen getötet und mehr als 2500 verletzt. Bereits Anfang Oktober hatte es im Irak tagelange Massenproteste gegeben, bei denen mindestens 149 Zivilisten getötet wurden. Die meisten von ihnen kamen nach offiziellen Angaben durch Schüsse in Kopf oder Brust ums Leben.

(an/dpa)

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