epa/Jamal Tarqai

Ein Toter bei Demonstrationen im Iran

16.11.2019 21:59 Uhr

Im Süden des Irans sind bei Protesten gegen die Benzinrationierung mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Das gab der Sprecher der Stadtverwaltung Sirdschan, Mahmud Mahmudabadi, am Samstag bekannt. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

Dutzende von Demonstranten hätten am Freitag versucht, Tankstellen und Öldepots in Brand zu stecken, sagte Mahmudabadi nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Daraufhin hätten die Polizei und sogar Revolutionsgarden eingreifen müssen, so der Sprecher.

Die Umstände des Todesfalls seien noch unklar und würden derzeit untersucht, sagte Mahmudabadi. Nach seinen Worten soll die Polizei nur Schüsse in die Luft und Warnschüsse abgegeben haben. Es habe auf beiden Seiten Verletzte gegeben. Ob es auch zu Verhaftungen kam, sagte er nicht.

Proteste auch in anderen Teilen des Landes

Auch in anderen Teilen des Irans gab es sporadische Proteste gegen die Benzinrationierung. Die Polizei soll auch in einigen Städten Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt haben. Auf den sozialen Medien wurden Videos von brennenden Tankstellen gepostet. Nach Angaben der Behörden handelte es sich dabei aber um Fake News.

Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise hatte die iranische Regierung in der Nacht zum Freitag das Benzin rationiert und zugleich die Preise für Kraftstoff erhöht. Mit einer staatlichen Benzinkarte können die Iraner nur noch bis zu 60 Liter Benzin im Monat zu einem Literpreis von umgerechnet 12 Cent tanken. Wer mehr tanken will, muss pro Liter dann 24 (Normalbenzin) bis 30 Cent (Super) zahlen - fast das Dreifache des bisherigen Preises.

Der Benzinpreis gilt im Iran als die «Mutter aller Inflationen», weil nach jeder Preiserhöhung alles im Land teurer wurde. Schon seit längerer Zeit wollte die Regierung von Präsident Hassan Ruhani die Benzinpreise erneut erhöhen, hat es aber aus Angst vor einer Verschärfung der Inflation - und landesweiten Protesten - immer wieder verschoben. Die Iraner können und wollen nicht hinnehmen, dass in einem ölreichen Land, das auch viertgrößte Ölproduzent der Welt ist, Benzin rationiert und immer teurer wird.

(an/dpa)

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