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Ein türkisches Event mit langer Tradition

25.12.2019 13:05 Uhr

Das türkische Kamelringen hat eine Jahrhunderte alte Geschichte. Am 17. November hat die Saison in diesem Jahr begonnen; sie dauert bis März, wenn auch die Brunftzeit der Kamele endet.

Gewaltfreies Spektakel in Westanatolien

Kamelringen ist vergleichbar mit dem Hahnenkampf in Italien und gewissermaßen auch mit dem spanischen Stierkampf. Die Wettkämpfe zwischen den immer männlichen Kamelen sind gewaltfrei und basieren auf natürlichen Instinkten. Solche Kämpfe würden sich auch in freier Wildbahn zutragen, gäbe es noch freilebende Kamele. Wie Kühe sind sie größtenteils domestiziert.

Darauf, dass kein Tier verletzt wird, achten die Besitzer und Veranstalter genau. Die Tiere werden sehr geschätzt, gepflegt und geliebt. Ein Kamel zu besitzen, ist ein besonderes Privileg, denn so ein Tier ist teuer und beansprucht viel Zeit für die Pflege. Hinzu kommt, dass diese Tiere ausschließlich fürs Kamelringen gezüchtet werden. "Tülü" genannt, sind sie eine Kreuzung aus einem zweihöckrigen Kamel väterlicherseits und einem einhöckrigen Kamel mütterlicherseits. Sie sind sehr groß und kräftig.

Parade und Wettkampf

Einen Tag vor dem Wettringen gibt es eine Parade durch die Stadt. Stolz zeigen die Besitzer ihre Kamele, deren farbenprächtigen, detailreichen Kostüme sie in Handarbeit selbst hergestellt haben. Am Tag des Kampfes, sammeln sich Zuschauer aller Altersklassen um den Ring. Viele bringen Essen mit und veranstalten ein Barbecue. Wandermusiker sorgen mit Trommeln und Flöten für den musikalischen Rahmen.

Die Kamele werden vom Moderator namentlich aufgerufen – ihre Namen sind meist besondere und auch in die Kostüme eingearbeitet. Stolz schreiten sie vor den Zuschauern auf und ab. Dann wird ihnen eine Kameldame vorgeführt, und damit setzt der natürliche Instinkt ein: Die beiden Kamele werden zu Rivalen und beginnen zu streiten.

Sie testen ihre Stärke aus und machen die Erfahrung ihrer tierischen Natur, verschlingen die Hälse und tricksen mit den Hufen, um den Konkurrenten zu Fall zu bringen oder in die Flucht zu schlagen. Die Kamelzüchter oder Trainer sind während der ganzen Zeit mit im Ring, um die Tiere notfalls auseinanderzubringen. Ein Schiedsrichter entscheidet über Sieg und Niederlage – eine meist einfache Sache, denn ein Kamel hat gewonnen, wenn das andere in die Knie geht oder das Weite sucht. Der Sieger, der sich seines Erfolges durchaus bewusst ist, wird von der Menge gefeiert und darf eine neue Paraderunde drehen. Der Verlierer wird getröstet.

Am 19. Januar 2020 in Selcuk

Das Spektakel wird in verschiedenen Orten der Ägäis- und Marmara-Region ausgetragen. Am populärsten ist das Festival in Selcuk (Provinz Izmir), das 2020 am 19. Januar in stattfindet. Wenn Sie also in der Gegend sind und etwas Besonderes, traditionell Türkisches erleben möchten, dann mischen Sie sich unter die Zuschauer.

(jk)

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