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Ehemaliger sowjetischer Verteidigungsminister schuldig befunden

27.3.2019 17:07 Uhr

Der frühere Verteidigungsminister Dmitri Jasow und mehr als 60 weitere Offiziere der ehemaligen Sowjetunion sind wegen Beteiligung beim "Blutsonntag von Vilnius" von 1991 schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Vilnius verurteilte den 94-jährigen Jasow am Mittwoch in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Auch fast alle der anderen Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt. Sie erhielten für ihre Beteiligung an dem blutigen Zwischenfall vor 28 Jahren Gefängnisstrafen zwischen vier und 14 Jahren, wie litauische Medien berichteten. Nur zwei der früheren Offiziere der Sowjetunion standen persönlich vor Gericht. Ihre Strafverteidiger kündigten Rechtsmittel gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil an.

In der Nacht zum 13. Januar 1991 waren im Freiheitskampf der damaligen Sowjetrepublik Litauen 14 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt worden, als sie den Fernsehturm in Vilnius vor sowjetischen Spezialeinheiten schützen wollten. Wegen des Blutbads mussten sich 67 Bürger Russlands, Weißrusslands und der Ukraine vor Gericht verantworten. In dem Großprozess wurden knapp 700 Menschen als Opfer aufgeführt und fast 1000 Zeugen gehört.

"Historischer Tag der Gerechtigkeit"

"Es ist ein historischer Tag für mich. Ich glaube, es ist auch ein historischer Tag für Litauen und ein historischer Tag für die internationale Gemeinschaft", sagte Robertas Povilaitis, dessen Vater damals durch sowjetische Einheiten getötet wurde, nach der Urteilsverkündung vor Journalisten. Auch Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite sprach von einem "historischen Tag der Gerechtigkeit".

Die Staatsanwaltschaft wollte auch den früheren Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow, dem viele Litauer die Schuld für das Blutbad am Fernsehturm geben, befragen. Doch Russland lehnte Medienberichten zufolge ein Rechtshilfeersuchen ab

(an/dpa)