EPA/Facundo Arrizabalga

Ecuador will gegen Assange ermitteln

9.4.2019 13:34 Uhr

Eigene Ermittlungen will nun Ecuador gegen den Gründer von Wikileaks, Julian Assange, anstrengen. Dieser lebt immer noch in der ecuadorianischen Botschaft in London. Quito treffe in dem Fall eine "souveräne, unabhängige und autonome" Entscheidung in Übereinstimmung mit internationalem Gesetz, sagte der Außenminister des Landes, José Valencia, am Montag.

Assange, der 2012 vor der Justiz in die Botschaft flüchtete, könnte sein Asyl dort bald verlieren. Dies hatte die Enthüllungsplattform Wikileaks unter Berufung auf eine ecuadorianische Staatsquelle berichtet. Im Fall einer Ausweisung droht dem gebürtigen Australier die sofortige Festnahme durch die britische Polizei. Möglich ist dann eine Auslieferung an US-Behörden, die Assange wegen der Enthüllung brisanter Informationen den Prozess machen und womöglich lebenslang hinter Gittern bringen wollen. Valencia hatte Wikileaks' Behauptungen als Spekulation bezeichnet, die Möglichkeit einer Ausweisung aber offen gelassen.

Assange hat noch eine Rechnung mit den Briten offen

Valencia verwies auf die Rechnung, die Assange mit den Briten offen habe, nachdem er vor der Festnahme wegen mittlerweile eingestellten Vergewaltigungsvorwürfe in die Botschaft geflüchtet war. "Herr Assange weiß ganz genau, dass er noch eine ausstehende Schuld bei den britischen Behörden hat - der Verletzung seiner Kautionsauflagen von 2012 - und dass er sich dafür verantworten muss", zitierte ihn die ecuadorianische Zeitung "El Telégrafo".

Unterdessen warnt sein Anwalt Ecuador davor den Wikileaks-Gründer aus der Botschaft in London auszuweisen. Sollte dies auf Grundlage bloßer Anschuldigungen und ohne ordentliches Prozessrecht geschehen, wäre dies "zweifellos ein willkürlicher und monströser Akt", erklärte Robert Tibbo dem Nachrichtenportal "t-online.de". Die Aufhebung seines Asylstatus wäre eine "Abweichung von den grundlegenden Normen der Rechtsstaatlichkeit", sagte Tibbo. Eine Auslieferung an die Vereinigten Staaten würde Assange "einer echten Bedrohung durch Misshandlung und Folter aussetzen", befürchtet der Anwalt.

(an/dpa)