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Easyjet macht wegen Corona-Krise erstmals in Firmengeschichte Verlust

18.11.2020 18:34 Uhr

Die Corona-Pandemie hat dem britischen Billigflieger Easyjet den ersten Jahresverlust seiner 25-jährigen Firmengeschichte eingebrockt. Die Aussichten für den Winter bleiben düster. Easyjet-Chef Johan Lundgren hat den Flugplan für die Zeit bis Silvester nochmals gekürzt und hofft, dass ein Impfstoff sowie klare Test- und Quarantäneregeln die Nachfrage nach Flugreisen irgendwann im nächsten Jahr wieder anspringen lassen. Die Airline spricht mit mehreren Regierungen über mögliche finanzielle Hilfen und rüstet sich für einen No-Deal-Brexit.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September riss der Einbruch des Flugverkehrs infolge der Pandemie den Billigflieger tief in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand ein Minus von fast 1,1 Milliarden britischen Pfund (1,2 Mrd. Euro) nach einem Gewinn von 349 Millionen Pfund (rund 390 Mrd. Euro) im Vorjahr. Erste Eckdaten hatte Easyjet schon im Oktober veröffentlicht. Im laufenden Quartal will die Airline höchstens ein Fünftel des ursprünglich vorgesehenen Flugprogramms anbieten, Anfang Oktober hatte das Management noch rund ein Viertel anvisiert. Eine Einschätzung für die folgenden Monate will Lundgren nicht abgeben.

"Die Menschen wollen reisen"

Die Corona-Krise trifft die Fluggesellschaften in Großbritannien, dem Land mit den meisten Corona-Toten in Europa, besonders hart. So gibt es im Landesteil England derzeit einen Teil-Lockdown, der am 2. Dezember enden soll. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock will aber nicht ausschließen, dass es aufgrund der verheerenden Lage nicht doch noch zu einer Verlängerung kommen könnte. Jeder britische Landesteil entscheidet über seine eigenen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie. Premier Boris Johnson wird vorgeworfen, ein schlechter Krisenmanager zu sein und durch zu spätes und falsches Handeln die Corona-Krise noch verschlimmert zu haben - auch für die Airlines.

So mangelt es etwa an Corona-Tests im Land, darunter an den Flughäfen. Genau das schrecke viele Kunden vom Fliegen ab, kritisierte Lundgren. "Auch das Quarantänesystem muss verbessert werden", sagte er dem Sender BBC. "Die Menschen wollen reisen." Als die ersten Impfstofferfolge vor einer Woche bekannt wurden, stiegen dem Easyjet-Chef zufolge die Buchungen um 50 Prozent.

Auf "No-Deal"-Brexit vorbereitet

Hinzu kommen noch die Unsicherheiten nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase in etwa sechs Wochen. Easyjet fühlt sich darauf aber nach eigenen Angaben gut vorbereitet, sogar auf einen No Deal - also den harten wirtschaftlichen Bruch - mit der Europäischen Union. Notfalls will das Unternehmen die Stimmrechte von Aktionären aus Großbritannien sowie anderen Ländern außerhalb der EU, der Schweiz, Norwegens, Islands und Liechtensteins beschneiden. Dies soll sicherstellen, dass Easyjet mehrheitlich von EU-Aktionären kontrolliert wird und damit keine wichtigen Verkehrsrechte verliert.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr brach die Zahl der Fluggäste infolge der Reisebeschränkungen und des Einbruchs der Nachfrage um die Hälfte auf gut 48 Millionen ein. Betroffen war vor allem das zweite Geschäftshalbjahr, das bei Easyjet von April bis September dauert. In den Monaten April bis Juni stand die Flotte praktisch still. Auch danach erholte sich die Nachfrage nur leicht, bevor sie im Zuge der zweiten Corona-Welle wieder zurückging.

Easyjet darf Schulden stunden

Um die wohl schwerste Krise der Luftfahrtbranche zu überstehen, hat sich Easyjet seit Ausbruch der Pandemie bereits 3,1 Milliarden britische Pfund (3,5 Mrd. Euro) an frischem Geld besorgt. Für die Rückzahlung der Mittel aus dem britischen Corona-Hilfsprogramm hat sich Easyjet jetzt mehr Zeit ausgehandelt. Die Airline darf die Summe von 600 Millionen Pfund jetzt in zwei Hälften im März und im November 2021 zurückzahlen.

(bl/dpa)

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