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Dutzende Verletzte bei Auseinandersetzungen vor bestreikter Textilfabrik in Myanmar

10.12.2018 13:46 Uhr

Vor einer Textilfabrik, in der auch der Discounter Lidl produzieren lässt, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen rund 30 streikenden Frauen und 40 "Auftrags-Gangstern". Dabei sind nach Angaben von Betroffenen dutzende Frauen verletzt worden.

Vor der Textilfabrik am Rande der Wirtschaftsmetropole Rangun, in der auch der deutsche Discounter Lidl fertigen lässt, wurden demnach am Montag 30 Frauen angegriffen, die dort nach einem Streik für ihre Wiedereinstellung demonstrierten. Eine von ihnen, Than Than Soe, sagte AFP, etwa 40 "Auftrags-Gangster" hätten sie angegriffen.

Die Arbeiterinnen in der Textilfabrik, die dem chinesischen Unternehmen Fu Yuen gehört, waren vor knapp zwei Monaten in den Streik getreten und hatten bessere Arbeitsbedingungen gefordert. Die meisten ihrer Forderungen wurden erfüllt, die Firmenleitung weigerte sich aber, die 30 Frauen wieder einzustellen, die zum Streik aufgerufen hatten. Diese campierten deshalb vor der Fabrik und verlangten, wieder eingestellt zu werden.

27 Frauen verletzt, sechs davon ernsthaft

Die Auftragsschläger hätten 27 Frauen verletzt, sechs davon ernsthaft, sagte Than Than Soe. Als Bewohner der Umgebung Steine und Stöcke auf die Fabrik warfen, schritt die Polizei ein. Sie teilte mit, die Demonstranten hätten Arbeiterinnen der Fabrik angegriffen.

Lidl erklärte gegenüber AFP, gemeinsam mit einem Geschäftspartner die Fabrikleitung zu einer Stellungnahme aufgefordert zu haben. Auf deren Basis würden eine interne Bewertung vorgenommen - und gegebenenfalls "Maßnahmen abgeleitet".

Künast fordert Lidl auf, die Ferigung "umgehend zu stoppen"

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast forderte Lidl auf, seine Fertigung in der Fabrik "umgehend zu stoppen", bis die Vorfälle geklärt seien. Das Unternehmen müsse sich vor Ort selbst sachkundig machen und dabei auch die betroffenen Frauen anhören.

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sei in der Verantwortung - Lidl sei Mitglied in dem von ihm gegründeten Textilbündnis. "Deutsche Unternehmen müssen sicherstellen, dass Menschenrechtsverletzungen in ihrer Produktionskette ausgeschlossen sind", sagte Künast. Sie werde bei der Bundesregierung und bei Lidl nachhaken. "Es darf nicht sein, dass schöne Mode hergestellt wird von rechtlosen Arbeitnehmerinnen."

Misshandlung, Hitze und zu kurze Pausen

In der Fabrik arbeiten nach Polizeiangaben rund 1200 Frauen und 100 Männer. Seit zwei Jahren haben sich die Beschäftigten organisiert, sie protestierten gegen die hohen Temperaturen am Arbeitsplatz, zu kurze Toilettenpausen und Misshandlung durch Vorgesetzte.

In Myanmar, lange abgeschottet von der Außenwelt, ist die Textilindustrie in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Der Umsatz im vergangenen Jahr betrug mehr als zwei Milliarden Dollar. Die meisten der rund 400.000 Beschäftigten in der Branche sind Frauen.

(be/dpa)