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DRV: “Schlingerkurs” bei Corona-Regeln schadet Reisebranche und Geschäftsreisen

4.9.2020 14:02 Uhr

Ab dem 1. Oktober soll jeder Reiserückkehrer aus Risikoländern mit Reisewarnung in eine mindestens fünftägige Quarantäne. Der Deutsche Reiseverband kritisiert die Entscheidung der Bundesregierung und nennt sie gegenüber Hürriyet.de einen "Schlingerkurs". Der Hauptgeschäftsführer des DRV, Dirk Inger, findet, dass die Entscheidung Reisende verunsichert, der Reisebranche schadet und Geschäftsreisen nahezu unmöglich macht.

Die Forderung des Deutschen Reiseverbandes (DRV) ist einfach formuliert: Intelligente, zielgenaue Teststrategien, die sich auf echte Hochrisikogebiete wie Kosovo, Serbien, Bosnien und Herzegowina konzentrieren, die bei Reiserückkehrern den Großteil an Infizierten stellen. Zudem fordert der DRV von der Bundesregierung, dass es wissenschaftsbasierte politische Entscheidungen geben muss und keinen pauschalen Aufruf zum Reiseverzicht.

"Wir brauchen klare Regeln"

Dirk Inger, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes, kommentiert die Quarantäne-Entscheidung der Bundesregierung deutlich: "Der Schlingerkurs der Bundesregierung bei Reisen ist schädlich. Er verunsichert Reisende und schadet der Reisewirtschaft. Es wird politisch mit Begriffen hantiert, die verunsichern und kaum zu unterscheiden sind: Reiseverbot, Reisewarnung, Risikogebiet, jetzt sogar noch ein Verzichtsappell nicht zu reisen. Wir brauchen stattdessen klare Regeln und eine klar erkennbare Strategie."

Reisebranche braucht Operationssicherheit

Erst hieß es, man könne reisen, wenn man die Hygieneregeln beachtet. Nur soll man auf Reisen verzichten. Dieser Kurswechsel der Regierung fand binnen kürzester Zeit statt. Die Reisebranche und die deutsche Wirtschaft brauche aber Operationssicherheit, so der DRV. Geschäftsführer Inger sagt dazu: "Was wir nicht brauchen: Gefühlsgeleitete Entscheidungen, die sich in kurzen Abständen wieder ändern."

Eine fünftägige Quarantäne bedeutet für Urlauber, dass sie mindestens fünf Extra-Urlaubstage einplanen müssen. Diese Regelung betrifft allerdings nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsreisende. Und für die ist eine Quarantäne, jedes Mal nach einer Geschäftsreise, unmöglich mit dem täglichen Geschäft vereinbar.

DRV fordert "kluge, konsequent risikobasierte Teststrategie"

Für den DRV sind Reiserückkehrer aus den klassischen Urlaubsdestinationen nicht das Kernproblem. Sie bringen nur in geringem Umfang das Virus aus dem Urlaub mit. Das würde aus den Datensätzen hervorgehen, die an den Flughäfen erhoben wurden und die vom Zahlenwerk des RKI untermauert würden. Der Kosovo, das Land, aus dem die höchsten Infektionszahlen bei Wiedereinreise stammen, ist kein klassisches Urlaubsland wie die Türkei, Italien oder Spanien. Statt politisch sauber zu differenzieren, so der DRV, würden Urlauber, Geschäftsreisende und die ganze Reisewirtschaft pauschal zur Verantwortung gezogen. Zudem würden Reisebüros und Reiseveranstaltern die Geschäftsgrundlage genommen.

Branche drohen existenzbedrohende Verluste

Ein Reiseverzicht würde die gesamte Branche bedrohen und das durch den Wegfall der Geschäftsreisen in noch stärkerem Maße als bisher schon. 11.000 Reisebüros und über 2300 Reiseveranstalter mit fast 100.000 Mitarbeitern stehen durch den Zickzackkurs der Bundesregierung auf der Kippe. Im Reisebereich sind in Deutschland rund drei Millionen Menschen direkt oder indirekt tätig – weltweit 120 Millionen.

"Wir fordern die Bundesregierung daher auf, eine kluge, konsequent risikobasierte Teststrategie zu entwickeln", sagte DRV-Geschäftsführer Inger unmissverständlich.

(ce)

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