epa/Vicky Flores

Dritter Verdächtiger im Fall Skripal gesucht

11.2.2019 20:20 Uhr

Großbritannien und Bulgarien wollen im Fall des vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zusammenarbeiten. Es soll einen dritten Verdächtigen geben, heißt es. Die britische Botschafterin in Sofia, Emma Hopkins, sagte am Montag, es gebe eine "enge Partnerschaft" mit einem "gemeinsamen Team".

Sie äußerte sich auf einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz nach Unterredungen mit dem bulgarischen Regierungschef Boiko Borissow und dem Chefankläger Sotir Tsatsarow.

Unbekannter dritter Verdächtige

Die britische Rechercheplattform Bellingcat hatte vergangene Woche über einen bislang unbekannten dritten Verdächtigen berichtet. Der Angehörige des russischen Militärgeheimdiensts soll demnach zwei Tage vor dem Giftanschlag auf Skripal unter dem Decknamen Sergej Fedotow nach Großbritannien gereist und an dem Anschlag beteiligt gewesen sein. 2015 soll er laut Bellingcat bereits an einem Anschlag auf den bulgarischen Geschäftsmann Emilian Gebrew beteiligt gewesen sein.

Chefankläger Tsatsarow sagte nun in Sofia, der vermutlich mit einem Insektizid ausgeführte Anschlag auf Gebrew sei im vergangenen Oktober neu aufgerollt worden. Die britischen Behörden hätten "Zugang zu sämtlichen Dokumenten und Materialien erhalten".

Auch das bulgarische Parlament befasst sich mit dem Fall. Nach Angaben der Regierungspartei Gerb will ein Parlamentsausschuss am kommenden Donnerstag Geheimdienstinformationen dazu anfordern.

Anschlag mit Nervengift Nowitschok

Der ehemalige Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren im März 2018 im südenglischen Salisbury dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Die britische Regierung macht zwei Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU für den Anschlag verantwortlich. Als Reaktion auf den Anschlag von Salisbury wiesen zahlreiche EU-Staaten russische Diplomaten aus - Bulgarien gehörte allerdings nicht dazu.

Der bulgarische Rüstungsfabrikant Gebrew war am 28. April 2015 bei einem Empfang mit schweren Vergiftungserscheinungen zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Sein Sohn und ein Mitarbeiter wurden wegen ähnlicher Symptome behandelt, alle drei wurden aber wieder gesund. Laut Bellingcat soll Fedotow zwei Tage vor dem Giftanschlag auf Gebrew von Moskau nach Sofia geflogen sein. In bulgarischen Medien hieß es, Gebrew könne wegen seiner Waffenexporte in die Ukraine Ziel des Anschlags gewesen sein.

(an/dpa)