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Dr. Özlem Türeci: Das letzte Jahr war ein Marathon

17.12.2020 20:45 Uhr

Dr. Özlem Türeci gehört zum Gründungsteam von BioNTech, das an der Entwicklung des Impfstoffs gegen das Coronavirus beteiligt ist. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Prof. Dr. Ugur Sahin ist sie der Kopf hinter dem vielversprechenden Impfstoff gegen Covid-19. Aber auch ihr Hauptziel hat sie nicht aus den Augen verloren: den Kampf gegen Krebs zu gewinnen. Im Gespräch mit USA Today verriet Türeci, wie der Moment war, als die Daten zur Wirksamkeit zu ihrem Corona-Impfstoff eintrudelten.

Das letzte Jahr sei wie ein Marathon-Lauf gewesen, und man sei noch nicht an der Ziellinie angelangt - auch wenn Millionen Dosen ihres Impfstoffs auf dem Weg in die USA und Großbritannien seien. Auch in Deutschland steht die Zulassung kurz bevor. An dem Sonntag, an dem Türeci mit ihrer Familie auf die Ergebnisse der Datenanalyse wartete, sei sie zuhause gewesen. "Wir waren daheim, aber nicht wirklich entspannt, weil wir wussten, dass die Ergebnisse bald kommen würden." Als Albert Bourla, der CEO von Pfizer, schließlich mit den guten Nachrichten anrief, war die Freude groß: "Es war ein großartiger Moment für uns. Das war unser Traum, eine wirklich hohe Wirksamkeit zu erreichen. Es gab viel Jubel und Rumgehüpfe. Kein Champagner, aber dafür Oolong Tee."

"Wir haben das als Pflicht gesehen"

"MRNA ist für uns eine Möglichkeit das Immunsystem zu modulieren", sagte Türeci: "Das Immunsystem hat sich ursprünglich über Millionen von Jahren entwickelt, um uns vor Viren zu schützen." Bei ihrem Kampf gegen Krebs lernte ihr Team auch viel über Viren. Als dann im Januar die ersten Nachrichten über das Coronavirus aufkamen wusste sie, dass das Unternehmen an einem Impfstoff arbeiten müsse.

"Wir haben das als Pflicht gesehen", sagte sie. "Wir haben die Technologie und die Fähigkeiten im Unternehmen und wir glauben, dass wir einen Beitrag leisten können." Man arbeite seit Jahren mit Pfizer zusammen, erklärte sie. Das US-Unternehmen verfüge über genügend Kapital und Fachwissen, um die erforderliche Menge an Impfstoffen herzustellen.

Die mRNA-Technologie hinter dem Impfstoff

Der Corona-Impfstoff basiert auf der mRNA-Technologie. Dabei werden natürliche Prozesszellen genutzt, die zugrunde liegende DNA-Blaupausen in Proteine übersetzt, die alle Funktionen des Lebens erfüllen. Dabei war ihr ursprüngliches Ziel den Krebs zu bekämpfen - und das ist auch immer noch das "Endziel" der Wissenschaftlerin. Dabei wurden zwei Arten von Krebsimpfstoffen unter Verwendung der mRNA-Technologie entwickelt.

Im ersten einen Standardsatz, der von Melanompatienten werden kann. Dabei zielt die mRNA auf Antigene ab, die 95 Prozent aller Melanome gemeinsam haben und wenden das Immunsystem gegen sie. Im zweiten Schritt nimmt BioNTech die Genetik des Tumors einer Person und entwirft einen persönlichen mRNA-Impfstoff, um das Immunsystem zu trainieren ihn zu bekämpfen.

(an)

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