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Die Volkshochschule wird 100

13.2.2019 21:09 Uhr, von Simge Selvi

Nähen, Zeichnen, Yoga - und das zu erschwinglichen Preisen für jedermann. Längst bietet die Volkshochschule mehr als die klassische Grundbildung. In diesem Jahr feiert die Bildungseinrichtung ihr hundertjähriges Bestehen mit bundesweiten Aktionen und Projekten. Der Weg der VHS von der pädagogischen Reformbewegung bis zur digitalen Moderne war jedoch manchmal schwierig - doch niemals unüberwindbar.

Zum 100. Jubiläum planen die Volkshochschulen deutschlandweit eine besondere Aktion: Am 20. September 2019 soll die erste Lange Nacht der Volkshochschulen unter dem Motto "zusammenleben.zusammenhalten" stattfinden. Mit zahlreichen Schnupperangeboten und Prominenten aus den Bereichen Kultur, Politik, Wirtschaft und Sport wollen sie gemeinsam "ein deutliches Zeichen für Offenheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt" setzen. Dieser Wunsch hat weitreichende Wurzeln, die sogar über das 100-jährige Bestehen der VHS hinausgehen.

Wie alles begann

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war der gesellschaftliche Wandel zu spüren. Man wollte auch denjenigen Bildung zuteil werden lassen, die keinen akademischen Hintergrund mitbrachten. Insbesondere Universitäten lag es daran, ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse allen zugänglich zu machen. Unterstützt wurde die Einrichtung der Bildungsstätten zunächst von kirchlichen und sozialen Vereinigungen, vereinzelt sogar von Unternehmen.

Der Erfolg der volksnahen Bildung in Deutschland führte letztlich zu einem Meilenstein in der Geschichte der Volkshochschulen: Am 11. August 1919 griff die Weimarer Verfassung die Förderung der Volksbildung auf: "Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden." Daraus folgte die Neugründung von über hundert Volkshochschulen innerhalb eines Jahres - undbereits ein Jahr später die ersten Dachorganisationen.

Nichts kann den Willen zur Bildung zerstören

Ab 1933 entfernte sich die VHS maßgeblich von ihrer Gründungsidee. Durch die "Gleichschaltung" durch die Nationalsozialisten entsprach die inhaltliche Ausrichtung einer klar vorgegebenen Linie. Nachdem zahlreiche Mitarbeiter gekündigt und in ihrem Widerstand unterdrückt wurden, sah es zunächst dunkel aus für die Initiative "Bildung für alle".

Doch bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, verstärkt durch neu entstandene zivilgesellschaftliche Gruppierungen, wurden zahlreiche neue Volkshochschulen gegründet - wenn auch zunächst mit west- und ostdeutschen Unterschieden. Mit den Jahren stieg nicht nur die Zahl der Volkshochschulen, auch das Programm gestaltete sich auch immer vielfältiger.

Digitalisierung und Fortschritt Hand in Hand

Das vielfältige, allgemeinbildende Programm der VHS bietet heute Angebote aus allen Bereichen und wird ihrem Namen einer umfassenden Bildungseinrichtung mehr als gerecht. Durch ihre integrationspolitische Funktion konnte die VHS in den letzten Jahren, insbesondere durch ihre Integrationskurse, einen enormen Beitrag im Zuge der Zuwanderung leisten.

Heute, bei ihrem hundertjährigen Jubiläum, spielt vor allem die Digitalisierung eine große Rolle. Mit ihrem Programm der "Erweiterten Lernwelten" kommt die VHS auch den aktuellsten Anforderungen des gesellschaftlichen Lebens entgegen.

Dabei kommen aber auch die bisherigen Angebote der kulturellen, gesellschaftlichen oder beruflichen Weiterbildung mitnichten zu kurz. Selbst die Möglichkeit von Schulabschlüssen wird geboten, für Schüler jeden Alters. Mit ihren zielgruppengerichteten Angeboten - sei es für Senioren, Kinder, Familien oder Alleinstehende - deckt die Bildungseinrichtung ein enormes Feld an Interessensgebieten ab. Und das, nach wie vor, für jeden Geldbeutel.

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