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Die vielleicht älteste Stadt der Welt

21.12.2019 17:17 Uhr

Catalhöyük wurde vor ca. 9.000 Jahren gegründet. Es lag 40 Kilometer südöstlich der Stadt Konya auf der Hochebene Anatoliens. In seiner Blütezeit um 7.000 v. Chr. sollen dort mehr als 10.000 Menschen gelebt haben. Experten streiten darüber, ob Catalhöyük als Stadt bezeichnet werden und deshalb Jericho den Rang als älteste Stadt der Welt streitig machen darf.

Ohne Zweifel ist es älter, doch es hatte keine Stadtmauern oder Befestigungsanlagen, es gab kein Zentrum, keine Straßen. Die Häuser besaßen keine Türen. Man betrat sie über Löcher in den Flachdächern, welche man über Leitern erreichte. So einigte man sich darauf, Catalhöyük als "Siedlung" zu bezeichnen.

Warum Catalhöyük zu einer so großen und über 2.000 Jahre beständigen Siedlung wurde, ist nicht gänzlich geklärt. Ausschlaggebend war vermutlich der Fluss Carsamba, der einst zwischen den beiden Hügeln, auf denen sich Catalhöyük befand, hindurchfloss. Die vielen rechteckigen Lehmziegelhäuser standen sehr nahe beieinander, angeordnet wie Bienenwaben. Man nimmt an, dass sehr enge nachbarschaftliche Verhältnisse bestanden, dass man einander half, Handel betrieb, gemeinsam aß – so wie in unserer modernen Zivilisation.

Eindrucksvolle Wandmalereien

All das ist schon imposant genug. Noch viel beeindruckter waren die mit der Ausgrabung beschäftigten Forscher und Archäologen jedoch in Anbetracht der im Inneren der Häuser entdeckten Kunst. Die in den Wandgemälden festgehaltenen Szenarien zeigen Jagden, Tänze, den Sternenhimmel, Ackerbau und Tiere. So besonders ist das, weil Catalhöyüks Siedlungszeit in die Ära der Altsteinzeit fällt. Spuren barbarischer Menschenopfer, keulenschwingender Fred Feuersteins oder simpler Höhlen fand man allerdings keine. Man lebte friedlich miteinander von den Erzeugnissen des Ackerbaus und der Jagd, domestizierte Rinder und hielt Kleintiere. All das sind Merkmale der Jungsteinzeit.

Neben den Wandgemälden wurden in den Häusern kunstvoll gearbeitete Plastiken entdeckt. Die Wände waren mit Tierköpfen geschmückt. Darüber hinaus fand man ein Wandgemälde, über das sich lange gestritten wurde. Die einen meinten, es zeige ein Leopardenfell, die anderen waren sicher, dass es die Siedlung selbst vor einem Vulkan darstellte. Heute gilt es als die wahrscheinlich älteste Landkarte der Welt.

Offen für die Besichtigung

Bei einem Besuch können 14 Hektar der einstigen Siedlung besichtigt werden. Über einen Teil der bislang freigelegten Häuser (ca. 200) wurde ein Schutzbau errichtet. Eine Idee davon, wie Catalhöyük in seiner Blütezeit ausgesehen hat, bekommt man mit der Miniatur am Eingang. Vom damaligen Leben erfährt man im eingerichteten Museum. Da die Ausgrabungen weiter vorangehen, ist es möglich, dass bestimmte Bereiche vorübergehend abgesperrt sind.

(jk)

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