imago images / Panthermedia

Die Türkei gilt als Brotkorb der Welt

16.12.2019 15:33 Uhr

"Ekmek" – das Brot spielt in der türkischen Esskultur eine zentrale Rolle. So gut wie jede türkische Mahlzeit wird mit frisch gebackenem Brot serviert – und wenn es "nur" dazu dient, es in übrig gebliebene Öle oder Saucen zu dippen.

Wie das Brot gebacken wird und welche Zutaten verwendet werden, variiert vom Region zu Region. Jede Region und beinahe auch jede Bäckerei scheint ein Geheimrezept zu haben, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ein besonderer Wert wird auf die Frische gelegt und vielerorts deshalb dreimal täglich gebacken, zum Frühstück, Mittag und Abend. Zu diesen Zeiten trifft man auf Warteschlangen, die bis vor das Geschäft führen.

Brotbäcker werden verehrt

In der Türkei wird Brot als mehr als ein Lebensmittel betrachtet. Vielmehr gilt es als kulturelles Produkt, und jeder Bäcker, professionell oder privat, wird für die ins Brotbacken investierte Arbeit verehrt. Im Land gibt es sowohl Bäckereien, die staatlich lizensiert sind und ihr Brot zu festgeschriebenen Preisen verkaufen, als auch private Bäcker, die für ihre Waren verlangen können, was sie für angemessen halten. Ob staatlich oder privat, kaum ein Brot wird einfach so in den Ofen geschoben. Die meisten Bäcker tun es mit dem Wort "Bismillah", was "Im Namen Gottes" bedeutet. "Ekmek parasi", Brotgeld, ist eine Phrase, mit der das Geld für den Lebensunterhalt beschrieben wird, vergleichbar mit dem deutschen "seine Brötchen verdienen".

Verschiedene Sorten aus dem Brotkorb der Welt

In der Türkei gibt es unzählige Brotsorten, die sich hinsichtlich Dicke und Gewicht unterscheiden.

Yufka ist ein ungesäuertes Fladenbrot, das in einem traditionellem Kochgeschirr, dem "Sac" zubereitet wird, indem es wie ein Pfannkuchen von beiden Seiten gebacken wird. Es wird aus Weizenmehl, Wasser und Salz hergestellt.

Pide wird für die "türkische Pizza" verwendet. Weizen-, Roggen- oder Maismehl werden für die Zubereitung gebraucht. Der schließlich sehr flach ausgerollte Teig wird mit Fleisch und Käse belegt.

Bazlama wird ebenfalls im Sac oder im Tandur, einem mit Holzkohle oder Gas beheizten speziellen Backofen, zubereitet. Nach dem Backen hat das runde, flache Brot aus Sauerteig eine cremig-gelbe Farbe und kann gefüllt werden.

Börek ist eher ein Gebäck als ein Brot, das sehr dünn ausgerollt und mit Füllung wieder zusammengerollt wird. Eine besonders beliebte Füllung besteht aus Spinat und Käse. Auf den Speisekarten ist es "Sigara Böregi".

Simit wird in Istanbul schon seit 1525 hergestellt. Die Größe dieses gekringelten Brotes hängt von der Region ab, genau wie sein Topping. Manche Bäcker verwenden Sesamsamen, andere Sonnenblumen- oder Mohnsamen.

Aberglauben rund ums Brot

Brot verdient Respekt, finden die Türken. Aus diesem Grund wirft es niemand weg, auch nicht die Wohlhabenden. Das könnte Unglück bringen, möglicherweise in Form von Armut. Weil schon das Herunterfallen als Wegwerfen und somit Misshandlung des Brotes erachtet wird, bekommt es in einem Haushalt meist einen speziellen, sicheren Platz. Tatsächlich alt gewordenes Brot wird an die Vögel verfüttert.

(jk)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.