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Die Seele macht Winterschlaf - So beugt man Lichtmangel vor

24.12.2018 8:03 Uhr, von Juliane Kobjolke

Fast jeder kennt das Stimmungstief, das sich im Herbst leise einschleicht. Morgens wird es spät hell, abends früh dunkel, Nebel und tristes Grau bestimmen das Bild der Stunden dazwischen. Der Herbstblues kann sich zu einer saisonal abhängigen Depression entwickeln (treffenderweise mit SAD abgekürzt), die sich auch auf körperliche Vorgänge auswirkt: Konzentration und Leistungsfähigkeit lassen nach, man ist morgens lange müde und generell leichter reizbar. Für viele fühlt es sich an, als ginge der Körper in einen Energiesparmodus, als würde die Seele Winterschlaf machen.

Spaziergänge gegen den Winterblues

Schuld ist ein Mangel an Licht. Es regt die Produktion von stimmungsaufhellenden Endorphinen und dem als Glückshormon bekannten Serotonin an. Während der Organismus davon in der dunklen, kühlen Jahreszeit nur wenig produziert, erzeugt er größere Mengen müde machendes Melatonin. Die Wärme und das Licht der Sonne sind zwar eine Wohltat für Körper, Geist und Seele, doch schon normales Tageslicht bewirkt in Verbindung mit Sauerstoff und Bewegung einiges. Insofern die Zeit für einen täglichen halbstündigen Spaziergang fehlt, könnten bestimmte Wege zum Tageslicht-Tanken bewusst zu Fuß erledigt werden, beispielsweise der Gang ins Büro, zur Post oder zum Supermarkt.

Eine sinnvolle Ergänzung zum Spaziergang ist eine durchdachte Heimbeleuchtung aus verschiedenen Lichtquellen. Neben einer der Orientierung dienenden Grundbeleuchtung durch z. B. Deckenlampen werden Zonen- und Stimmungslicht benötigt. Zonenlicht erhellt einzelne Bereiche wie den Esstisch und die Leseecke. Vor allem der Optik dient das Stimmungslicht, das sich mit Lichtschläuchen an Vitrinen oder hinter Spiegeln sowie Kerzen auf Fensterbänken und Wandbildbeleuchtung schaffen lässt. Auch die Art des Lichts spielt eine Rolle: Während kühles, helles Licht wach macht und deshalb morgens in der Küche und im Bad eingeschaltet werden sollte, empfiehlt sich für eine gemütliche Atmosphäre am Abend eher reduziertes, warmes Licht.

Tageslichtlampe und Licht-Therapie

Für den Schreibtisch zu Hause und/oder im Büro ist die Anschaffung einer Tageslichtlampe sinnvoll. Ihr spezielles Licht aktiviert die Körperfunktionen. Nach nur einer halben Stunde in diesem Licht, optimalerweise zwischen sieben und elf Uhr vormittags, fühlt man sich wacher und aktiver. Länger sollte diese Lampe pro Tag nicht eingeschaltet sein. Wichtig ist außerdem, dass sie zwar im Blickfeld steht, dass man aber nicht direkt in die Lichtquelle schaut, sondern lediglich in ihren Leuchtkegel.

Für besonders harte Fälle des Herbstblues kann der Arzt eine Licht-Therapie verordnen. Hierbei sitzt der Patient täglich bis zu zwei Stunden vor einer sogenannten Lichtdusche. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse in der Regel jedoch nicht.