Die Mutanten kommen: Was bedeutet das für die Impfungen?

12.2.2021 18:40 Uhr

Der Fall sorgt für Aufsehen: Über ein Dutzend bereits geimpfte Senioren in einem niedersächsischen Pflegeheim werden positiv auf die britische Virusvariante B.1.1.7 getestet. Haben Mutationen die zugelassenen Corona-Impfstoffe also schon überholt?

Experten geben etwas Entwarnung - und machen trotz neuer Virusvarianten Hoffnung.

Schützen die aktuellen Impfstoffe gegen neue Varianten?

Noch sieht es recht gut aus. "Die vorhandenen Vakzinen schützen bislang alle vor schwerer Krankheit und Tod", sagt der Gießener Virologe Friedemann Weber. Zwar könne man nun annehmen, dass bei Mutationen der Impfschutz in Bezug auf die Symptomatik etwas sinke und es schwerere Verläufe geben könne. Aber: "Ein Stück weit schützt die Impfung immer."

Generell bereite die britische Variante "am wenigsten Kopfschmerzen", meint Watzl und verweist auf entsprechende Studien. Kniffliger wird es bei der südafrikanischen Mutante: Studienergebnisse warfen jüngst Zweifel an der Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs auf. Es schützt demnach nur minimal vor leichten und moderaten Erkrankungen.

Wie leicht kann der Impfstoff an neue Varianten angepasst werden?

Noch helfen Impfstoffe also zumindest teilweise gegen aufkommende Varianten. Sollten sie künftig angepasst werden müssen, könnte das insbesondere bei den auf Boten-RNA (mRNA) basierenden Impfstoffen von Biontech, Moderna oder perspektivisch auch Curevac schnell gehen.Hinzu kommt aber noch die Zulassung. Nach Einschätzungen müsste für den kompletten Prozess bis zur Anwendung grob vier bis sechs Monate veranschlagt werden.

Wie oft muss die Impfung in Zukunft aufgefrischt werden?

Das hängt zum einen daran, wie schnell die Wirksamkeit des Impfstoffes nachlässt. Wie schnell die Wirkung der Corona-Impfstoffe abnimmt und wann eine Nachimpfung nötig wird, dazu fehlen bislang langfristige Daten. Die andere Unbekannte ist, ob neue Mutationen auch neue Impfstoffe erfordern. Solange sie jedoch in großer Zahl in Umlauf sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit von Mutationen höher. Künftig kann, je nach Erfahrungswerten, enweder jeder Herbst oder erst nach ein Paar Jahren nachgeimpft werden.

Kann der Körper mehrere Corona-Impfungen in kurzer Zeit verkraften?

Viele Menschen werden wohl erst im Sommer geimpft. Was aber, wenn im Herbst bereits eine neue Mutante eine rasche Auffrischung nötig macht? Das Immunsystem könne das verkraften. Mit den mRNA- und Vektor-Impfstoffen wird dem Körper kein abgeschwächtes Virus gespritzt, wie etwa bei einer Gelbfieber-Impfung. Sondern es wird spezifisch eine Immunreaktion gegen einen Teil des Coronavirus angeregt. Daraus entstehen Gedächtniszellen, die dann den Impfschutz geben. Die zweite Dosis sei aber in jedem Fall wichtig.

Ist es denkbar, Impfstoffe zu kombinieren?

Noch läuft es hierzulande so: Wer die erste Spritze mit Biontech-Impfstoff erhält, wird auch die zweite von Biontech erhalten. Doch theoretisch wäre es auch möglich, in einer Reihenfolge verschiedene Impfstoffe zu spritzen.

Hilft ein globales Impfprogramm gegen Mutationen?

Etliche Stimmen kritisieren die globale Impfstoff-Verteilung und mahnen, das könne auch hierzulande zum Problem werden. Das Argument: Wenn sich das Virus in einigen Weltregionen frei entfalten kann, entstehen mehr Mutationen, die irgendwann auch in Deutschland ankommen. "Die Pandemie ist nicht vorbei, wenn Deutschland geimpft ist, sondern wenn die ganze Welt geimpft ist" sagen Virologen.

Wann klappt das hierzulande mit der Herdenimmunität?

Die wirksamste Waffe auch gegen Mutationen wäre die vielbeschworene Herdenimmunität. Die könnte man vielleicht schon im Herbst erreichen. Bis dahin werde die Impfstoff-Produktion massiv hochgefahren. Bis dahin seien ein weiteres Einhalten der Abstandsregeln und andere Maßnahmen nötig.

(dpa)

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