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Die Kunst des türkischen Marmorierens

11.3.2020 17:11 Uhr

Lebhafte Farben tanzen miteinander wie auf Wasser und verschmelzen zu bunten Mustern. Versuchen Sie sich als Ebru-Künstler, wenn Sie in Istanbul sind.

Die Kunst des Marmorierens bzw. des Malens auf Wasser, Ebru, entstand im 13. Jahrhundert in Zentralasien und gelangte nach einer Weile nach Anatolien. Immer neue Techniken etablierten sich im Laufe der Jahrhunderte, entwickelt von den verschiedensten Kulturen wie den Seldschuken und den Osmanen. Im Jahr 2014 hat die UNESCO diese türkische Marmorier-Kunst besonders gewürdigt und in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

In Istanbul gibt es verschiedene Anbieter, bei denen man Workshops besuchen und die Kunst des Ebru in einer kleinen Gruppe nach Anleitung eines talentierten Künstlers erlernen kann. Wer mehrere Tage in der Stadt hat und sich gern künstlerisch betätigt, sollte einen solchen Workshop besuchen. Die dort verbrachten Stunden sind nicht nur eine Abwechslung zum sonstigen Programm. Die fertigen Werke sind auch schöne Souvenirs.

So geht Ebru

Benötigt wird ein rechteckiger, flacher Behälter. In einer Schüssel wird Wasser mit Tragantgummi zu einer gallertartigen Masse, genannt Schlichte oder auch "kitre", vermixt, einen halben Tag stehen gelassen und dann in den Behälter gegossen. Das Tragantgummi ermöglicht die Verteilung der Pigmente auf der Oberfläche und die Haftung auf dem Papier.

Fotoquelle: imago images /ZUMA Press

Nun kann losgelegt werden. Auf die Schlichte werden säure- und kasanfreie Farben getropft, wozu ein spezieller Pinsel aus Rosenholz und Pferdehaar verwendet wird. Ein Bestandteil der Farbe ist Ochsengalle, welche verhindert, dass sich die Farben in der Flüssigkeit vermischen. Sie behalten also ihren exakten, individuellen Farbton. Mit verschiedenen Werkzeugen, beispielsweise unterschiedlich starken Nadeln und Kämmen werden die Farben in Form gebracht und in Ornamente, Blüten oder Mustern verzogen.

Ist alles so, wie es dem Künstler gefällt, wird ein Papierbogen vorsichtig in die Flüssigkeit gebracht, auf die Farben gelegt und so lange aufgedrückt, bis er die Farbe angenommen hat. Dies dauert ca. 20 Sekunden. Der Papierbogen wird dann aus der Schlichte geholt, getrocknet und geglättet.

Entspannung trotz Konzentration

Die Ebru-Malerei wird von den meisten als sehr entspannend wahrgenommen. Da sie dieses Potenzial hat, wird sie als kunst- und ergotherapeutische Maßnahme sogar in Krankenhäusern und neurologischen Zentren eingesetzt. Auch das Fein- und Grobmotorik-Training kann mit dieser türkischen Kunst sehr gut trainiert werden. Die Künstler sind nämlich gefordert, ihren Rhythmus zu finden und die Farben in Balance zu bringen.

(jk)

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