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Die Glockentürme der Türkei

13.5.2019 13:27 Uhr

In beinahe jeder türkischen Stadt findet sich ein Glockenturm. Sie stammen aus verschiedenen Jahrhunderten. Viele wurden gegen Ende des Osmanischen Reiches, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erbaut.

Im Jahr 1901 gab Sultan Abdul Hamid II anlässlich seines 25-jährigen Thronjubiläums den Bau von Glockentürmen überall im Land in Auftrag. Beim Gebet ist die Tageszeit von großer Wichtigkeit, und so wurde der Bau eines Glockenturmes als eine gute Tat erachtet. In jeder Stadt sollte es einen geben. Tatsächlich wurden damals 144 Glockentürme errichtet, 72 davon allerdings in Städten, die heute außerhalb der türkischen Grenzen liegen, z. B. in Jaffa und Haifa.

Türme aus dem frühen 20. Jahrhundert

Einer der aus dem osmanischen Reich stammenden Glockentürme auf türkischem Gebiet steht in Izmir auf dem Konakplatz. Der Sultan sponsorte ihn der Stadt sogar. Der noch im Jahr 1901 erbaute Turm ist das beliebteste Fotomotiv der Stadt und trägt den Spitznamen "Eiffelturm von Izmir". Seine Uhr war ein Geschenk vom deutschen Kaiser Wilhelm II. Nur einmal, während eines Erdbebens im Jahr 1974, blieb sie stehen, wurde aber zügig repariert.

Der "Eiffelturm von Izmir" (Bild: imago images / Michael Eichhammer)

Der ursprüngliche Glockenturm von Bursa wurde 1876 fertiggestellt und diente als Feuer-Wachturm. Nach seiner Zerstörung wurde er an derselben Stelle, in der Zitadelle nahe dem Gazi-Mausoleum, wiederaufgebaut. Holzstufen im Inneren führen über sechs Stockwerke bis ganz nach oben. Auf der zweiten und dritten Etage gibt es Balkone. Das ursprüngliche Uhrwerk, das die vier Ziffernblätter antreibt, wurde inzwischen durch ein elektronisches ersetzt.

Auf Geheiß des damaligen Bürgermeisters wurde der Glockenturm von Yozgat, das in Mittelanatolien liegt, im Jahr 1908 in der Stadtmitte erbaut. Der konisch geformte Turm hat sechs Etagen und einen in der Höhe rundherum führenden Balkon. Seine Spitze erinnert an eine Glocke.

Früher erbaute Glockentürme

Auch den vierstöckigen Dolmabahce Glockenturm von Istanbul ließ Sultan Abdul Hamid II errichten, allerdings schon zwischen 1890 und 1895. Er steht am Eingang des Dolmabahce Palastes, dessen osmanisch neo-barocken Baustil er spiegelt, und überblickt den Bosporus. Seine Uhr wurde von einem bekannten französischen Uhrmacherhaus hergestellt. Sein Ziffernblatt ist mit arabischen Ziffern stilisiert.

Der Glockenturm am Dolmabahce Palast (Bild: imago images / Westend61)

Im Jahr 1798 versprach Großwesir Izzet Mehmed Pascha jedem der Einwohner von Safranbolu zwei Uhren: eine für zu Hause, eine für die Arbeit. Die erwartungsfrohen Menschen überraschte er dann mit dem Bau des zwölf Meter hohen, die Stadt überschauenden Glockenturms, dessen Uhr er in London bauen ließ und höchstpersönlich überführte.

Ein weiterer sehenswerter Glockenturm ist das im zwölften Jahrhundert erbaute, sogenannte Tepsi Minarett in der Zitadelle von Erzurum. Schöne Fotomotive bieten außerdem die Glockentürme in Kayseri, Canakkale, Corum, Sungurlu und Antalya.

(jk)