Hürriyet

Die erste und einzige Interkulturelle Ambulanz Deutschlands

15.10.2019 11:46 Uhr

In der Nähe der hessischen Stadt Gießen befindet sich der Sitz der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung. Sie ist die Organisation, welche die erste und einzige interkulturelle Ambulanz in Deutschland ins Leben gerufen hat. Während seines Besuches sicherte der hessische Integrations- und Sozialminister Kai Klose zu, sich für eine Unterstützung aus dem Allgemeinen Medizinbudget des Landes Hessen einzusetzen. Der hessische Integrationsminister Kai Klose betonte, dass die vor vier Jahren gegründete Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung nicht nur das erste und einzige Interkulturelles Gesundheitszentrum (Interkulturelle Ambulanz) in Deutschland ist, sondern inzwischen einen festen Bestandteil des Gesundheitssystems darstellt und deshalb als besonders förderungswürdig gilt.

In der zu Beginn des Jahres gebildeten neuen Landesregierung fällt auch der Gesundheitssektor in den Verantwortungsbereich von Klose. Das Interkulturelle Gesundheitszentrum befindet sich im Hauptgebäude der Uniklinik Gießen (UKGM), wo der Minister neben Prof. Dr. Yasar Bilgin, Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung, von Führungsmitgliedern der Klinik empfangen wurde. Im Anschluss an dieses Gespräch sagte Klose zu, die angeführten Vorschläge zur Nutzung der Ambulanz als institutionelle Einrichtung des Gesundheitssystems zu überdenken. Gleichermaßen werde er auch in diesem Sinne einen Austausch mit den Krankenkassen vorantreiben.

Intensive Gespräche bei der UKGM

Minister Klose fungierte jahrelang als Vorsitzender der Grünen in Hessen und war in der vorangegangenen Regierung als Integrationsbeauftragter tätig. Daher kenne er das Engagement der Ambulanz bereits seit geraumer Zeit und erklärte, es sei falsch, die Integration mit einem Marathon zu vergleichen: "Jeder Marathon ist irgendwann einmal zu Ende - egal wie lange er dauert. Integration hingegen ist ein stetiger, fortwährender Prozess. Es ist an der Zeit, über das Modellprojekt hinaus innovative und nachhaltige Alternativen zu schaffen."

Das Programm des etwa einstündigen Besuchs beinhaltete auch einen Rundgang durch alle Räumlichkeiten der Ambulanz sowie Informationen bezüglich der vielfältigen Angebote und Möglichkeiten vor Ort. Es wurden Probleme dargestellt und die Erwartungen der Landesregierung entgegengenommen. Zuvor lernte der Minister die Ärzte und Mitarbeiter des Zentrums persönlich kennen.

Gesundheitsgipfel im kleinen Kreis

In einem kleinen Raum der Klinik kamen gemeinsam mit Prof. Dr. Yasar Bilgin, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee (Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen), Prof. Dr. Werner Seeger (Direktor der UKGM), Dr. Sylvia Heinis (UKGM Kaufmännische Geschäftsführerin am Standort Marburg), Matthias Brumhard (UKGM Klinischer Ethikbeauftragter) und der langjährig als Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst tätige Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard mit Minister Klose zu einem Gesundheitsgipfel im kleinen Kreis zusammen.

Die Gespräche fanden in Anwesenheit der Pressevertreter statt. Prof. Dr. Bilgin erläuterte, dass die 2015 gegründete Interkulturelle Ambulanz zunächst durch finanzielle Mittel der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung und des UKGM erhalten wurde. Außerdem sei zeitweise eine Projektförderung des Landes zugeflossen. Prof. Bilgin, zwei Praktikanten und vier Ärzte, die aktuell in der Ambulanz beschäftigt sind, hätten bis heute nahezu 4000 Patienten behandelt. Dabei verdeutlicht Prof. Bilgin seine Motivation: "Die medizinische Versorgung ist ein Grundrecht des Menschen. Natürlich ist unsere Arbeit ein Beitrag zur Integration, wenn wir hier Menschen mit mangelnden Deutschkenntnissen oder unterschiedlichem kulturellen Hintergrund versorgen, die in anderen Institutionen aus diesen Gründen nicht hinreichend behandelt werden konnten."

Jüngster Uni-Präsident Deutschlands

Sprachliche Barrieren könnten in der Interkulturellen Ambulanz schnell umgangen werden. Die angestellten Ärzte sprechen nicht nur Deutsch oder Türkischen, auch Mediziner mit Arabisch-, Kurdisch- oder Englischkenntnissen sind vorhanden. Sollte es dennoch Kommunikationsschwierigkeiten geben, verfüge man über ein großes Netzwerk von Dolmetschern, die schnell abrufbar seien. Ein Großteil der Patienten stellten Türkischstämmige, wobei das Zentrum in den letzten Jahren auch für viele Flüchtlinge eine Anlaufstelle in Gesundheitsfragen gewesen sei, so Prof. Bilgin.

Die Familie von Prof. Dr. Mukherjee ist seinerzeit aus Indien nach Deutschland immigriert. Als er zum Präsidenten der Justus-Liebig-Universität ernannt wurde, war er der jüngste seiner Amtskollegen in ganz Deutschland. Auch Prof. Dr. Mukherje ist davon überzeugt, mit den Leistungen der Ambulanz einen wichtigen Beitrag zur Integration zu erbringen. Ebenso sei aus Sicht der Klinikleitung die Ambulanz ein beträchtlicher Zugewinn - nicht nur für die Patienten. Die Ärzte anderer Abteilungen seien entlastet, die Qualität der medizinischen Behandlungen steige und durch Zeitverlust entstandene wirtschaftliche Schäden seien gesunken. Besonders seit tausendfacher Belegung der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und Asylsuchende in Gießen sei der Bedarf für das Engagement der Interkulturellen Ambulanz enorm gestiegen.

(Hürriyet.de)

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