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Die acht deutschen Bewerber

1.10.2019 19:43 Uhr

2025 wollen acht deutsche Städte Kulturhauptstadt Europas werden. Das gaben die Kulturstiftung der Länder und die Kultusministerkonferenz am Dienstag nach Ablauf der Bewerbungsfrist bekannt. Um den Titel bewerben sich Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau. Damit kommen fünf von acht Städten aus einem ostdeutschen Bundesland.

Büste von Karl Marx in Chemnitz, früher Karl-Marx-Stadt/Sachsen (Quelle: imago images/Emmanuele Contini).

«Ich bin froh, dass wir aus vielen Landstrichen Deutschlands Städte dabei haben», sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), derzeit Vorsitzender der Kulturministerkonferenz. Auch die ostdeutschen Bewerber seien sehr unterschiedlich.

Die Orangerie in Gera/Thüringen (Quelle: imago images/imagebroker).

Deutschland darf im Jahr 2025 neben Slowenien eine der beiden Kulturhauptstädte Europas stellen. Im Dezember trifft eine Jury eine Vorauswahl, im Herbst 2020 sollen dann die Titelträger feststehen. Die letzte europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988). Für dieses Jahr wurden das italienische Matera und das bulgarische Plowdiw ausgewählt.

Die Herrenhäuser Gärten in Hannover/Niedersachsen (Quelle: imago images/Rust).

Mehrere Bewerberstädte werfen die Frage auf, wie Gesellschaften zueinander finden können. Dresden beispielsweise beschäftigt sich mit der Frage nach einer «neuen Heimat». Dass Dresden um die eigene Geschichte ringe und das friedliche Zusammenleben «so zerbrechlich» erscheine, stehe für Entwicklungen, die in ganz Europa zu beobachten seien, sagte Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller aus Dresden.

Der Marktplatz von Hildesheim/Niedersachsen mit dem Knochenhaueramtshaus (Quelle: imago images/Panthermedien).

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte, gesellschaftliche Konflikte, bewusste Provokationen, Grenzüberschreitungen und offene Gewalt seien ein Thema in vielen Städten Europas. Dazu zeigte sie Bilder von Ausschreitungen in ihrer Stadt und von Protesten der Gelbwesten in Paris. Aus dem Osten bewerben sich auch Magdeburg, Gera und Zittau mit der tschechisch-polnisch-deutschen Dreiländerregion.

Stadtansicht von Magdeburg/Sachsen-Anhalt mit dem Dom als Mittelpunkt (Quelle: imago images/imagebroker).

Hannover ließ seine Bewerbung von der Britin Hannah Gibson vorstellen, die ihre Sorge vor dem Brexit ausdrückte. Nürnberg fragte nach dem eigenen Bild: Denke man bei Nürnberg an Lebkuchen und Dürer? Oder an den Reichsparteitag der Nationalsozialisten? «Vielleicht fällt Ihnen zu Nürnberg aber auch gar nichts ein», sagte der Leiter des Bewerbungsbüros, Hans-Joachim Wagner. Nürnberg will eine «neue Idee» der Stadt entwickeln.

Die Fleischerbastei mit Blumenuhr in Zittau/Sachsen (Quelle: imago images/Torsten Becker).

Auch das niedersächsische Hildesheim bewirbt sich. «Sie wissen es – und wir wissen es auch: Wir sind Provinz», sagte der Leiter des dortigen Bewerbungsbüros, Thomas Harling. Das sei aber auch gut so. Sie wollten nach Lösungen suchen in Stadt-Land-Beziehungen. Er brachte eine Zuckerrübe mit - zum Motto «Beets, Roses and the Meaning of Life».

Der Christkindlmarkt in Nürnberg/Bayern (Quelle: imago images/Michael Trammer).

Hamburgs Kultursenator Brosda wertete die Bewerbungen als Beleg für regionale Vielfalt. «Wir haben eine Tendenz manchmal in Deutschland dazu, kulturelle Fragen sehr auf die Hauptstadt zu fixieren», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Aber die Vielfalt des Landes zeigt sich gerade in den Regionen.» Kultur sei überall im Land eine relevante Dimension, «und nicht nur in den großen Metropolen, wo vermeintlich die Fragen der Welt diskutiert werden».

(an/dpa)

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