dpa

DHB-Planungsdebakel vor der Handball-WM

26.12.2018 12:41 Uhr

Was wäre aus den Kreisen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu hören, würde die WM im eigenen Land stattfinden und die Topvereine der Bundesliga, die fast zweistellig an Nationalkickern abstellen, müssten im Kampf um Meisterschaftspunkte noch 14 Tage vor dem WM-Start gegeneinander kicken? Es würde kaum ein Stein auf dem anderen stehen. Doch im Handball gilt wohl: Kann man mal so machen. Anders lässt sich solch ein Planungsdebakel kaum beschreiben.

Man kann sich das mal vorstellen: Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beginnt in zwei Wochen die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Bundestrainer Joachim Löw wartet schon darauf, seine Spieler endlich beieinander zu haben, um mit der Vorbereitung auf das Turnier zu beginnen. Aber einen Tag vor dem Start des WM-Trainings steht in der Bundesliga noch das Topspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund an. Mit welchem Gefühl würde Löw sich diese Partie wohl anschauen? Eine Antwort auf diese Frage kann am besten Handball-Bundestrainer Christian Prokop geben.

Er werde am Donnerstag (19.00 Uhr) mit einem leicht mulmigen Gefühl vor dem Fernseher sitzen, gibt der 40-Jährige zu. Denn Prokop und seine Handballer befinden sich tatsächlich in dieser für den Fußball nur schwer vorstellbaren Situation. Am Freitag versammelt der Coach seine Nationalspieler, um sie auf das WM-Eröffnungsspiel am 10. Januar in Berlin gegen Korea vorzubereiten.

Zittern, dass alle Nationalspieler gesund bleiben

Ob alle seine Spieler gesund und munter zum Start des WM-Feinschliffs erscheinen werden, weiß er aber erst am Donnerstagabend. Denn dann steht unter anderem noch das Bundesliga-Topspiel zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen an - sieben Nationalspieler sind allein in dieser Partie im Einsatz.

"Das ist für die Vereine der ökonomisch wichtigste Spieltag. Da ist jede Halle in Deutschland ausverkauft, darauf verzichtet kein Bundesligist", erklärt der frühere Weltklasse-Spieler Stefan Kretzschmar. Die Situation ist tatsächlich nicht neu. Auch in den vergangenen Jahren wurde schon zwischen Weihnachten und Silvester gespielt.

Eine besondere Note bekommt der Spieltag in diesem Jahr, weil mit der Heim-WM aus deutscher Sicht ein enorm bedeutsames Turnier ansteht. Und weil es im direkten Duell zwischen Rekordmeister Kiel und den Löwen nicht nur ums Prestige, sondern auch um wichtige Punkte im Rennen um die Meisterschaft geht.

Beide Teams sind die ersten Verfolger des Spitzenreiters SG Flensburg-Handewitt. Für den Verlierer dürfte das Thema Meisterschale zumindest vorerst beendet sein. "Es ist beinahe schon brutal, solch einen Gegner zum Jahresabschluss zu haben", sagte Kiels Nationaltorwart Andreas Wolff.

17 von 18 Nationalspielern zwei Wochen vor WM-Start im Bundesligaeinsatz

Die Tabellensituation in der Bundesliga wird für den Bundestrainer an diesem Spieltag aber wohl eher von untergeordnetem Interesse sein. Neben dem THW und den Rhein-Neckar Löwen sind auch die anderen 16 Bundesligisten am zweiten Weihnachtsfeiertag oder am Donnerstag noch gefordert. Für Prokop bedeutet das, dass 17 Spieler seines 18-köpfigen WM-Aufgebots kurz vor dem Start der Vorbereitung noch im Einsatz sein werden.

Lediglich der im Ausland bei Paris St. Germain beschäftigte Kapitän Uwe Gensheimer genießt seit einigen Tagen eine kurze Weihnachtspause. "Die Spiele um Weihnachten sind vielleicht für die Fans super. Für uns Spieler ist das schon sehr Kräfte raubend", sagt Nationalspieler Fabian Wiede. Mit den Füchsen Berlin tritt er bereits an diesem Mittwoch gegen den HC Erlangen an. "Über die Feiertage muss man parat sein. Da würde es sicherlich bessere Lösungen gerade vor so einem großen Turnier geben."

(ce/dpa)

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