imago images / Jörg Schüler

DFB ermittelt nach Rassismus-Vorwurf

5.2.2020 18:24 Uhr

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes hat nach den rassistischen Beleidigungen gegen den Berliner Jordan Torunarigha im Pokalspiel auf Schalke Ermittlungen eingeleitet.

Hertha BSC und Torunarigha wurden zu einer Stellungnahme aufgefordert, wie der DFB am Mittwoch bestätigte. Der Abwehrspieler war bei der 2:3-Niederlage der Berliner nach Verlängerung beim FC Schalke 04 von Zuschauern rassistisch beleidigt worden. "Mehrfach" sei es dazu gekommen, sagte Klinsmann nach der 2:3-Niederlage seines Teams nach Verlängerung. Man habe die Schiedsrichter auch sofort darauf hingewiesen. "Der Junge ist beleidigt worden und war aufgepusht", erläutere Klinsmann. "Da braucht man dann Fingerspitzengefühl und muss ihm nicht später in der Situation noch die zweiten Gelbe Karte geben."

Klare Empfehlungen der FIFA bei Rassismus

Schiedsrichter Harm Osmers habe erst nach der regulären Spielzeit von den Beleidigungen erfahren, sagte Peter Sippel, Leiter Training und Qualifizierung beim DFB, im Gespräch mit "sportschau.de". Herthas Sportdirektor Michael Preetz sei auf Osmers zugekommen und habe ihn auf die Beleidigungen der Fans gegen den Fußballprofi von Hertha hingewiesen. Weil es aber bereits im Laufe der zweiten Halbzeit zu dem Vorfall gekommen sei, wäre bei einer Stadiondurchsage laut Sippel "der Kontext nicht mehr herzustellen gewesen".

Eine Empfehlung des Weltverbandes FIFA sieht unter anderem vor, die Zuschauer via Durchsage aufzufordern, diskriminierende Beleidigungen zu unterlassen. Osmers habe aber in der Verlängerung keine weiteren Vorfälle wahrgenommen. In diesem Fall hätte er nach Aussage von Sippel eine Durchsage des Stadionsprechers verlangt.

Menschenverachtendes Verhalten

Bei Instagram bezeichnete Hertha-Kapitän Niklas Stark das Verhalten der Zuschauer gegenüber Torunarigha als "menschenverachtend und abstoßend! So etwas darf in der heutigen Zeit einfach nicht mehr passieren!" Man müsse der kleinen Gruppe an Menschen entschieden entgegentreten: "Lasst uns gemeinsam klare Kante gegen rassistische Handlungen und Anfeindungen zeigen!", schrieb Stark.

"Wenn ich mich da auch nur ein bisschen hineinversetze, kommt mir schon alles hoch und ihn trifft es noch viel mehr", sagte Nationalspieler Stark auf der Internetseite von Hertha BSC. "Sowas geht gar nicht, das würde zumindest auch teilweise erklären, was da noch passiert ist. Da müssen wir als Mannschaft, als Verein, eigentlich die ganze Bundesliga hinter ihm stehen! Man muss sich ganz klar davon distanzieren, das ist kein Verhalten."

Rote Karte wird ebenso geprüft

Der in Chemnitz geborene Torunarigha war in der Verlängerung (102. Minute) von Schiedsrichter Harm Osmers aus Hannover nach einem Zweikampf mit Omar Mascarell mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden. Zuvor war er auch noch unabsichtlich mit Schalkes Trainer David Wagner zusammengestoßen und hatte einen Getränkekasten zu Boden geworfen. Nachdem Wagner dem Hertha-Profi nach eigener Aussage aufhelfen wollte, sah dieser von Osmers nach Videobeweis die Rote Karte und musste den Innenraum verlassen.

"Ich habe null Erklärung für die Rote Karte", sagte Wagner in der Pressekonferenz, als er nach den Gründen für seinen Ausschluss gefragt wurde. "Der Schiedsrichter hat mir erklärt, dass ich den Spieler am Nacken gepackt habe. Aber ich wollte nur dafür sorgen, dass er die Balance wiederfindet." Auch die umstrittene Rote Karte beschäftigt den DFB. "Wir werden die Verhängung der Roten Karte überprüfen und vor allem danach überprüfen, ob es sich um eine offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters handelt", sagte Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, dem Onlineportal "Sport1". Platzverweise werden nachträglich allerdings nur bei einem ganz offensichtlichen Irrtum des Referees zurückgenommen.

Schalke 04 entschuldigt sich

Sowohl Sportvorstand Jochen Schneider als auch der Trainer verurteilten die Vorfälle und entschuldigten sich im Namen des Clubs. "Da gibt es null Toleranz", sagte Schneider: "Das ist nicht akzeptabel und ganz ehrlich, es ist auch nicht zu verstehen. Da fehlt mir jegliches Verständnis für Vollidioten dieser Art", sagte Schneider.

"Ich habe mit dem Jungen nicht selber gesprochen, er war schon im Bus. Aber ich habe für mich, beziehungsweise stellvertretend für Schalke 04 dafür gesorgt, dass er weiß, dass wir uns dafür entschuldigen möchten", berichtete Wagner: "Das geht nicht, das bauchen wir nicht, das wollen wir nicht." Wagner fügte an: "Am Ende müssten beide Mannschaften, beide Offizielle und der Schiedsrichter das mitbekommen. Und wenn wir dann sagen, wir kicken nicht weiter, dann kicken wir nicht weiter. Da hätte ich überhaupt kein Problem damit. Aber das musst du ´während´ mitbekommen und nicht ´danach´. Danach kannst du dich nur dafür entschuldigen."

Null Toleranz bei Rassismus auf Schalke

Der FC Schalke 04 hat Untersuchungen angekündigt. Der Verein nehme "die Aussagen des Spielers von Hertha BSC, Jordan Torunarigha, hinsichtlich rassistischer Aussagen und Laute gegen ihn während des Pokalspiels am Dienstagabend sehr ernst", hieß es in einer öffentlichen Stellungnahme auf der Homepage des Fußball-Bundesligisten. "Gemeinsam mit der Polizei Gelsenkirchen, dem Sicherheitsdienst und internen Quellen, wie beispielsweise der kürzlich eröffneten #stehtauf-Anlaufstelle, wird der Fall ausführlich geprüft."

"Von Seiten des Vereins gibt es null Toleranz für ein solches Verhalten. Wir werden alles dafür tun, dass wir diejenigen, die dafür verantwortlich sind, ausfindig machen und mit Konsequenzen belegen. Ein solches Verhalten verstößt nicht nur gegen Stadionordnung, Leitbild und Satzung des FC Schalke 04, sondern widerspricht auch all unseren Werten. Wir werden mit Sanktionen reagieren und die Vorfälle auch entsprechend zur Anzeige bringen", hieß es in der Mitteilung.

(ce/dpa)

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