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Deutschland verlängert Reisewarnungen inklusive Türkei bis 30. September

9.9.2020 16:09 Uhr

Wie das Auswärtige Amt am 09. September meldet, werden die weltweiten Reisewarnungen für insgesamt 160 Länder inklusive der Türkei bis zum 30. September verlängert. Ab dem 1. Oktober aber sollen differenziertere Lösungen in Kraft treten. Die Pauschalwarnung entfällt und wird durch länderspezifische Sicherheits- und Reisehinweise ersetzt. Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), kommentierte das bereits als "zaghaften Schritt in die richtige Richtung".

Doch auch der DRV warnt vor Überschwang und Euphorie in der Reisebranche ab 1. Oktober. Richtig sei, dass die pauschale und völlig undifferenzierte Reisewarnung-Praxis entfällt. Dafür wird es jedoch die spezifischen Sicherheitshinweise geben und bei denen wisse man nicht, wie sie ausfallen. Dazu sagte Herr Fiebig: "Das ist ein zaghafter Schritt in die richtige Richtung, da die pauschale Warnung durch einzelne Reisehinweise ersetzt wird. Faktisch ändert sich für die Kunden und die Reisewirtschaft leider nur wenig. Es bleibt die Ungewissheit, wann wieder gereist werden kann und wann Unternehmer und Beschäftigte wieder etwas für ihren Lebensunterhalt verdienen können." Damit ist immer noch keine Klarheit für Hunderttausende von Reisewilligen und Millionen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Reisebranche geschaffen worden.

RKI-Richtwerte sollen laut DRV Warnungs-Grundlage darstellen

Es steht nicht zu erwarten, dass am 1. Oktober "die große Freiheit" ausbricht. Es ist davon auszugehen, dass weiterhin nahezu alle 160 Länder von der Reisewarnung betroffen sein werden. Dazu sagte Norbert Fiebig: "Wenn Reisen weiterhin so stark eingeschränkt bleiben, gefährdet die Bundesregierung massiv Arbeitsplätze in unserer exportorientierten Wirtschaft." Ziel des Auswärtigen Amtes muss es demnach laut Ansicht des DRV sein, ab dem 1. Oktober genau zu schauen. Warnungen seien auf einzelne Länder, Regionen, Gemeinden und Orte zu beziehen, wenn es das Infektionsgeschehen vor Ort es verlangt – und nur dann.

Erst bei einem Überschreiten der Richtwerte des RKI, so der DRV, solle man Risikogebiete ausweisen. "Hier müssen den Ankündigungen der Bundesregierung jetzt auch zeitnah Taten folgen. Das Auswärtige Amt muss bei den Reisewarnungen unbedingt Augenmaß behalten", sagte der DRV-Präsident Fiebig.

Urlauber-Bashing für den DRV nicht hinnehmbar

Der DRV möchte, dass eher grobmotorische Pauschalwarnungen unterbleiben und Warnungen oder Risikolandeinstufungen mit chirurgischer Genauigkeit umrissen werden. Das würde auch Operationssicherheit für die Reiseveranstalter bieten, die dann wüssten, was kann ins Angebots-Portfolio übernommen werden und was nicht. Man müsse dabei im Auge behalten, dass man nicht nur Entscheidungen für Urlauber, sondern auch für Geschäftsreisende trifft. Persönliche Geschäftstreffen, um Abschlüsse zu ratifizieren, seien laut DRV nahezu unmöglich. Nur dann, wenn Geschäftsleute wieder reisen können, könne man den wirtschaftlichen Schaden, den die Corona-Krise verursacht hat, effizient wieder einfangen – in Deutschland, wie auch in den Zielländern für den Export.

Was dem DRV-Präsidenten darüber hinaus "Bauchschmerzen bereitet", ist die Pauschal-Schalte – auch aus der Politik - zum Nachteil von Menschen, die auch in der Corona-Zeit in Urlaub gefahren sind. Die Schelte sei nicht auf Fakten basierend und nicht hinnehmbar. "Hier werden Urlauber, die einfach eine entspannte Zeit in ihrem Urlaubsland verbringen möchten, mit Reiserückkehrern gleichgesetzt, die ihre Familien und Freunde in ihren Heimatländern besucht haben. Und wie wir alle gelernt haben, ist die Ansteckungsgefahr bei Familienfeiern – egal ob in Deutschland oder im Ausland – mit am höchsten. Diese unreflektierten Aussagen verunsichern zusätzlich und erschweren den dringend notwendigen Erholungsprozess der Wirtschaft unnötig", sagte Herr Fiebig.

(ce)

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