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Deutschland schießt Nordirland 6:1 vom Platz

19.11.2019 22:49 Uhr

Deutschland hat in Frankfurt durch ein 6:1 gegen Nordirland die Tabellenführung behaupten können. Beim Kantersieg der DFB-Elf von Joachim Löw standen zwei Spieler vom FC Bayern München im Fokus, die vor zweieinhalb Wochen in Frankfurt noch 1:5 verloren hatten: Leon Goretzka markierte zwei Tore und Serge Gnabry schnürte einen Dreierpack. Mit dem klaren Erfolg verabschiedet sich die Löw-Elf versöhnlich aus dem Jahr 2019.

Wirbelwind Serge Gnabry hat die herzerfrischend stürmende deutsche Nationalmannschaft zum perfekten Jahresabschluss geführt. Im letzten EM-Qualifikationsspiel schoss der unaufhaltsame Bayern-Stürmer drei Tore beim 6:1 (2:1) gegen Nordirland und sicherte damit quasi im Alleingang den Gruppensieg vor dem Erzrivalen Niederlande. Trotz des Sprungs in den Auslosungstopf eins drohen bei den drei Fußballfesten in München 2020 allerdings Gegner schweren Kalibers wie Frankreich oder Portugal.

Früher Rückstand der DFB-Elf

Der bärenstarke Gnabry (19.) brachte den Weltmeister von 2014 in Frankfurt/Main mit einem Traumtor zunächst zurück auf den richtigen Weg. Michael Smith (7.) hatte in einer guten deutschen Anfangsphase mit einem Super-Schuss aus dem Nichts das 0:1 erzielt. Leon Goretzka (43./73.), Gnabry (47./60.) und Julian Brandt (90.+1) erledigten für die extrem spielfreudige deutsche Mannschaft, die dank eines Patzers von Ungarn alle ihre Gruppenspiele in München austragen darf, am Dienstag den Rest. 42.855 Zuschauer waren begeistert, die La Ola rollte durchs Stadion.

Mit dem EM-Ticket in der Tasche nutzte Bundestrainer Joachim Löw den Jahresabschluss mit fünf Änderungen als Experimentierfeld. Marc-Andre ter Stegen bekam gemäß Absprache im Tor eine weitere Chance, hinten links kam Jonas Hector zu seinem ersten Einsatz seit mehr als einem Jahr und machte viel Druck. "Ich will sehen, dass wir unbedingt gewinnen wollen! 100 Prozent Konzentration und Konsequenz", forderte der Bundestrainer im RTL-Interview vor dem Anpfiff energisch. Das Duell sei geeignet, "um den Charakter zu schärfen". Auch für Emre Can und Jonathan Tah, die eine neue und anfangs unsichere Innenverteidigung bildeten, und Brandt, der im Sturm an der Seite Gnabrys spielte. Später gab Niklas Stark sein so lange ersehntes Debüt.

Scharf aber war zunächst nur Smiths traumhafter Rechtsschuss nach missglückter Kopfball-Abwehr von Toni Kroos. Der Ball schlug flach rechts ein, unhaltbar für ter Stegen. Löw baute seine Mannschaft sofort auf und schickte sie nach vorne - die Prämisse, aus defensiver Stabilität heraus offensiv kreativ zu werden, war erst einmal dahin.

Gnabry und Goretzka schossen Deutschland zurück ins Spiel

Es folgten stürmische deutsche Minuten, in denen Gnabry (11.), Ilkay Gündogan (12.), der an den Pfosten köpfte, und Brandt (15.) beinahe umgehend den Ausgleich erzielt hätten. Nordirland verbarrikadierte sich vor dem Strafraum, wirkte überfordert. Deutschland wirbelte die Abwehrreihen gehörig durcheinander - Gnabry knallte den Ball schließlich aus der Drehung in den Winkel. Fast jeder Angriff lief über den omnipräsenten Kapitän Toni Kroos.

Nach 25 Minuten löste die deutsche Mannschaft ihren eisernen Griff ein wenig und lud Nordirland zum Mitspielen ein, um dadurch selbst mehr Raum zu haben. Vier mehr als kontern aber wollten die Gäste nicht, bis zur Pause herrschte wieder der alte Belagerungszustand. Es waren gute 45 Minuten: Nur das Gegentor störte. Auch nach Gnabrys 12. und 13. Tor im 13. Länderspiel war die Gier nach Toren nicht gestillt. Für die EM-Auslosung am 30. November in Bukarest hat Löw, der das Jahr 2019 mit "zwei bis drei" bewertet, keine Vorlieben. Am Montag hatte er mit seinem Stab in der Villa Kennedy über den schier unzähligen Wenns und Abers gebrütet, dann jedoch festgestellt: "Es ist wurscht. Wir können so oder so gegen starke Mannschaften kommen."

Eines wird im Sommer 2020 definitiv neu sein - die Endrunde wird beim DFB als Übergangsturnier beim Aufbau einer neuen, starken Mannschaft gesehen. Als Favoriten, betonte Löw, sehe er Deutschland nicht. Zunächst folgen erst mal drei Monate ohne Länderspiel: für den Bundestrainer ist es "immer die schrecklichste Zeit".

(ce/afp)

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