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Deutschland: Mehr Gewalttaten gegen Frauen durch Partner und Ex-Partner

25.11.2019 9:16 Uhr

Hunderttausende Frauen werden jedes Jahr die Opfer von Gewalt durch ihre Partner, Ehemänner oder Exen. 122 Frauen wurden im vergangenen Jahr durch (Ex-)-Partner getötet, mehr als 114.000 Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrogungen oder Nötigungen.

Das zeigt eine Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) zum Thema Partnerschaftsgewalt, die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) heute (9.30 Uhr) in Berlin vorlegen will. Anlass ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Der Deutschen Presse-Agentur liegen Auszüge der BKA-Auswertung vorab vor.

Eine gefährliche Körperverletzung gegen Frauen pro Stunde

Giffey sagte der dpa, die Zahlen seien nach wie vor schockierend. "Sie zeigen, dass weiterhin viel zu viele Frauen unter Gewalt von ihrem Partner oder Ex-Partner leiden. Mehr als ein Mal pro Stunde wurde 2018 eine Frau in der Partnerschaft gefährlich körperverletzt."

Die Ministerin will am Montag auch eine bundesweite Initiative starten. Unter der Überschrift "Stärker als Gewalt" haben sich dafür Organisationen zusammengeschlossen, die Betroffenen helfen. Es geht nun vor allem darum, diese Hilfsangebote bekannter zu machen und Gewaltopfer zu ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Dafür wird unter anderem die Webseite stärker-als-gewalt.de am Montag online geschaltet.

Tötungen gesunken, häusliche Gewalt gestiegen

Den BKA-Daten zufolge ist die Zahl der Tötungsfälle im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2017 zwar um 25 gesunken. Insgesamt wurden aber mehr Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Die Zahl stieg konkret von 113.965 auf 114.393. Gezählt wurden Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Übergriffe, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Daneben gab es auch rund 26.000 Männer, die von ihren Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen bedroht, genötigt oder angegriffen wurden. Der Trend der vergangenen Jahre, mit einem Anstieg der Fallzahlen in diesem Kriminalitätsfeld, setzt sich damit fort.

Nur jedes fünfte Opfer sucht Hilfe

Unklar bleibt allerdings, inwiefern es sich um einen tatsächlichen Anstieg der Fälle handelt oder wie sehr ein geändertes Anzeigeverhalten der Betroffenen möglicherweise eine Rolle spielt. Gezählt werden können nur die Taten, die auch angezeigt werden. Weiterhin wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Nach früheren Angaben von Giffey sucht nur jedes fünfte Opfer überhaupt Hilfe. Betroffen seien tatsächlich Hunderttausende. Das Bundesfamilienministerium weist auf sogenannte Dunkelfeldstudien hin, wonach jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebe.

"Gemeinsam gegen Gewalt"

Bund, Länder und Kommunen wollen nun die Hilfsangebote für Frauen ausbauen. Ende Oktober wurde dafür das Programm "Gemeinsam gegen Gewalt" vorgelegt. Allein der Bund plant demnach in den kommenden Jahren 120 Millionen Euro für den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen in Deutschland ein. In Deutschland gibt es etwa 350 Frauenhäuser. Das sind Zufluchtsorte für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen. Es gebe da teilweise weiße Flecken, gerade in den ländlichen Gebieten. Diese Lücken müssten geschlossen werden, hatte Giffey bei der Vorlage des Programms betont.

Hier finden Opfer Hilfe

Wer Opfer häuslicher Gewalt wird, weiß oft nicht, an wen man sich wenden soll. Es gibt verschiedene Hilfe-Telefone, die bei häuslicher Gewalt Informationen zum Schutz der Opfer und zur möglichen Strafverfolgung bereitstellen sowie den Kontakt zu Unterstützungseinrichtungen wie Frauenhäusern herstellen können.

Das Hilfe Telefon des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben erreichen Sie kostenfrei, rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr und mit Möglichkeiten, sich in 17 Sprachen zu informieren unter der 08000 116 016.

Auch der Opferschutzbund Weisser Ring bietet ein anonymes Hilfstelefon an, welches täglich kostenfrei zwischen 7 - 22 Uhr unter der 116 006 erreichbar ist.

Jedem kann geholfen werden.


Zuletzt aktualisiert : 25.11.2019, 09:29:49

(be/dpa)

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