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Deutschland: Ferienende naht - Das große Schul-Chaos droht

28.7.2020 11:01 Uhr

In einigen der 16 Bundesländer in Deutschland steht das Ende der Sommerferien vor der Tür. Es ist geplant, dass alle Schulen mit normalem Regelbetrieb und Präsenzunterricht das neue Schuljahr beginnen. Doch es steht wohl das maximale Chaos an. Weder Bundeselternrat noch Lehrerrat glauben daran, dass dies so einfach möglich sein wird. Die Elternschaft rechnet fest damit, dass es zeitnah zu erneuten Schulschließungen kommen wird – und auf die sei man nicht gut vorbereitet.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerrates, sieht chaotische Verhältnisse auf Deutschland zukommen. Seine Befürchtung ist, dass die bestehende Lehrerschaft nicht ausreicht, um den Regelbetrieb an Schulen mit den Regeln der sozialen Distanzierung durchzuführen. Zudem habe man bis zu einem Viertel Lehrerinnen und Lehrer, die zur Risikogruppe beim Coronavirus zählen. Darum ist er sicher, dass Unterricht in erheblichem Maße ausfallen kann und wird. Auch die Hygieneregeln seien kaum umsetzbar, wie sich die Kultusministerien die Handhabung vorstellen. In seinen Augen droht nach Ende der "großen Ferien" das "große Chaos".

So planen die 16 Bundesländer den Schulstart

In gleicher Weise meldet der Bundeselternrat seine Bedenken an. Auch hier geht man nicht davon aus, dass es ein reguläres Schuljahr werden kann und man vermutet, dass es schnell zu Schulschließungen kommen wird. Stark bemängelt wird aus der Elternschaft, dass niemand einen "Plan B" zu haben scheint. Die Länder werden darum aufgefordert, präventiv zu operieren und Planungen vorzulegen. Alles andere müsse man als "höchst fahrlässig" ansehen. Planungen, die aus Kultusministerien durchgestochen wurden, sehe man kritisch gegenüber. Viel würde auf dem "Prinzip der Hoffnung" basieren. Man würde darauf hoffen, dass schon alles nicht so schlimm würde und am Ende gut ausgeht. Doch wie stellen sich die einzelnen Bundesländer für das Ferienende auf und was ist in Sachen Unterricht geplant?

Baden-Württemberg:

Hier hat man noch Zeit, echte Pläne zu entwickeln, denn der Betrieb in den Schulen startet erst am 14. September. In BaWü sind Lerngruppen im Zentrum der Überlegungen und es soll kostenfreie Test für Lehrer geben. Warum das Schülerinnen und Schüler nicht inkludiert – ein Rätsel.

Bayern:

In Bayern startet die Schule auch erst in mehr als einem Monat wieder – am 8. September. Landeschef Söder würde zwar gerne Regelunterricht sehen, ist aber nicht sicher, ob das umsetzbar sein wird. Hier hat man den Ansatz eines Plan B – Schülerinnen und Schüler, bei denen es Defizite beim Lernen gibt, sollen besonders gefördert werden.

Berlin:

In der Bundeshauptstadt steht die Aufnahme des Schulbetriebes für den 10. August als Regelunterricht an. Hier hat man den Freizügigkeits-Joker gezogen. Einmal Schule mit alles – Klassenfahrten, Präsenzunterricht und selbst Musikunterricht (wenn es geht, dann bitte im Freien) sind möglich. Tests können durchgeführt werden – von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Brandenburg:

Wie Berlin wird es auch in Brandenburg am 10. August wieder losgehen. In Brandenburg lässt man sich noch Zeit und will erst in der Woche vor dem Schulstart das Regelwerk und Umsetzungsoptionen bekanntgeben. Freigiebig ist man hier bei den Tests – zumindest für Beschäftigte der Schulen. Sechs Tests binnen drei Monaten sind kostenfrei gestellt. Tests für Schülerinnen und Schüler, die möglicherweise aus Risikogebieten heimkehren – Fehlanzeige.

Bremen:

Auch Bremen hat noch etwas Zeit und beginnt erst in rund einem Monat am 27. August mit der Schule. Dort legt das Kultusministerium die Verantwortung in die Hände der Schulen selbst. Da soll festgelegt werden, ist die Maskenpflicht eine Notwendigkeit. Maßgabe ist, dass Lerngruppen gebildet werden. Wie das personell gehen soll bleibt offen. Zudem gilt in den Schulen der Mindestabstand.

Hamburg:

In Hamburg klopft die Aufnahme des Schulbetriebes an die Tür. Am 6. August geht es los. Was wird geschehen und was sind die Vorgaben? Das weiß man noch nicht und eine Vorstellung erfolgt wohl in der kommenden Woche. Durchgesickert ist, dass man sich hier als Bedienstete bis zum Herbst kostenfrei testen lassen kann – Schülerinnen und Schüler als mögliche Superspreader finden keine Berücksichtigung bei den Tests.

Hessen:

Rund drei Wochen dauert es noch, bis in Hessen am 17. August der Schulbetrieb wieder hochgefahren wird. Hier wird es schwammiger als schwammig – zumindest im Moment. Tests sind für Bedienstete in der letzten Woche der großen Ferien möglich – sofern Bedarf besteht. Was das heißt? Man weiß es nicht. Maskenpflicht ist Schulsache und Unterrichtsteile – Musik und Sport – sind an Auflagen gebunden.

Mecklenburg-Vorpommern:

In MeckPom geht es am 3. August wieder los und das unter "Volllast". Ganz normaler Regelbetrieb, keine Maskenpflicht, aber Pausen mit Zeitversatz. Selbst Gruppenaktivitäten mit bis zu 400 Schülerinnen und Schüler möglich. Auch hier können sich Lehrerinnen und Lehrer kostenfrei auf das Virus testen lassen.

Niedersachsen:

Auch die Niedersachsen haben Zeit gewonnen, denn die Ferien enden am 27. August. Ziel ist es, sofort in den vollen Präsenzunterricht im Regelbetrieb zu gehen. Lerngruppen sind vorgesehen und wenn man die Klasse verlässt, greift die Maskenpflicht. Wie es umsetzbar sein wird, dass Lehrer im Homeoffice arbeiten, was gestattet ist, muss sich zeigen.

Nordrhein-Westfalen:

NRW will als bevölkerungsstärkstes Bundesland am 12. August in den Präsenzunterricht gehen und es ist geplant, Regelbetrieb aufzunehmen. Um mögliche Ausweichszenarien zu fahren, haben die Schulen das Budget, befristetet Lehrkräfte anzustellen. Weitere Informationen gibt es vom Kultusministerium erst kurz vor Schulstart.

Rheinland-Pfalz:

Wie in Hessen hat RLP noch bis zum 17. August Zeit, an Plänen zu feilen. Stand jetzt ist aber die Aufnahme vom Regelbetrieb an den Schulen. Maskenpflicht gilt außerhalb der Klassenräume. Hier sind, anders als in Berlin, Klassenfahrt vom Tisch und werden nicht genehmigt.

Saarland:

Das Saarland steht nicht vor zeitnahen Problemen, denn die Schule startet erst wieder am 31. August. Maskenpflicht soll es nicht geben und Schülerinnen und Schüler sollen in Lerngruppen arbeiten. Lehrkräfte haben die Option auf Tests und das kurz vor Schulbeginn.

Sachsen:

Auch in Sachsen beginnt die Schule erst am 31. August. Ziel ist es, sofort in den vollen Präsenzunterricht zu gehen. Nur dann, wenn nichts mehr geht, sollen Schließungen eine Option darstellen. Desinfektionsmöglichkeiten werden geschaffen. Wer infiziert ist oder kränkelt, bleibt daheim.

Sachsen-Anhalt:

In Sachsen-Anhalt soll die Schule am 27. August starten und das unter Volllast. Was das Bundesland plant, wird erst noch erarbeitet und ist nicht bekannt, weil man noch einen Monat Zeit hat und situativ reagieren will.

Schleswig-Holstein:

Ganz im Norden wird die Schule am 10. August starten und das als Regelbetrieb. Als eines der wenigen Bundesländer hat man hier ein System für den Fernunterricht bei Schulschließungen implementiert, das einheitlich geregelt ist. Hier soll in Lerngruppen gearbeitet werden.

Thüringen:

Thüringen startet am 31. August nach jetzigem Stand mit Präsenzunterricht im Regelbetrieb. Wieder können sich nur Bedienstete testen lassen und es gilt Maskenpflicht beim Verlassen der Klassenräumlichkeiten – wenn der Mindestabstand nicht umsetzbar ist. Klassenfahrten sollen erlaubt werden.

Wie man sieht, fehlt es nicht an gutem Willen – aber an einer einheitlichen Regelung.

(ce)

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