Christoph Soeder/dpa

Deutschland: Corona-Protest mit 17.000 Menschen in Berlin

1.8.2020 17:10 Uhr

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet stetig weiter steigende Zahlen bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland. Rund 1000 Neuinfizierte kommen jeden Tag hinzu und die aktiven Fälle liegen bei knapp 8000. Trotzdem sahen sich in Berlin rund 17.000 Menschen genötigt, gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Dabei wurde auf sämtliche Schutzmaßnahmen verzichtet. Mittlerweile wurde die Veranstaltung beendet. Den Veranstaltern droht wegen Nichteinhaltung der Schutzmaßnahmen und Abstandsregelungen ein Strafverfahren.

17.000 Menschen waren in Berlin nach Polizeiangaben auf der Straße. Dabei haben sie als Corona-Maßnahmengegner vorsätzlich auf alle Schutzmaßnahmen verzichtet. Abstände wurde nicht eingehalten, Masken wurden nur äußerst selten getragen. Dafür riefen sie laut "Wir sind die zweite Welle" und noch lauter "Widerstand" oder "Freiheit". Wogegen sie "Widerstand" leisten wurde nicht mitgeteilt. Die Demonstranten skandierten zudem, dass die Pandemie des Coronavirus die eigentliche Verschwörungstheorie sei.

Initiator der Massenveranstaltung, die sich leicht zum "Superspreader-Event" entwickeln kann, war eine Initiative aus Stuttgart. Die nennt sich "Querdenken 711". Dort wird postuliert, man wolle sich für Grundrechte einsetzen. Ob damit ebenso das Grundrecht auf "körperliche Unversehrtheit" gemeint ist, lässt die Initiative aus Corona-Leugnern außen vor. Man wolle das "Ende der Pandemie" als "Tag der Freiheit" zelebrieren. Wie lange sich diese Freiheit hinziehen wird, sollte sich im Verlauf der kommenden 14 Tage zeigen – zwei Wochen beträgt die Inkubationszeit des Coronavirus.

Quelle: Christoph Soeder/dpa

17.000 Corona-Demonstranten - aber Reisewarnung für die Türkei bleibt

Wie der Innensenator von Berlin, Andreas Geisel von der CDU, mitteilte, hätten sich auch diverse Neonazi-Vereinigungen ins Fahrwasser der Veranstaltung begeben. Das jedenfalls zeigen die Flaggen in Schwarz-Weiß-Rot – bekannt als die Reichsflagge. Gegendemos waren ebenso vor Ort. Hier wurden aber nur um die 500 Menschen gezählt und es sollen Abstandsregeln eingehalten worden sein.

Attila Hildmann hätte den Berichten nach auch gerne demonstriert. Diese Veranstaltung wurde jedoch schon vorher verboten, wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung im Vorfeld. Damit sind bereits zwei Events der "Ikone" der verschwörungstheoretischen Szene verboten worden.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich die Bundesregierung in der kommenden Woche unangenehmen Fragen stellen müssen. Eine davon könnte lauten, wieso man eine Reisewarnung für die Türkei aufrecht hält, aber solche Veranstaltungen nicht unverzüglich aufgelöst werden, sobald man merkt, dass die Teilnehmerzahlen aus dem Ruder laufen. Die Polizei argumentierte übrigens mit dem Recht auf Demonstrationsfreiheit, als sie gefragt wurde, warum man nicht einschreiten würde, wenn Corona-Maßnahmen so eklatant missachtet werden.

Quelle: Christoph Soeder/dpa
(ce)

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