Symbolbild: imago/Sebastian Backhaus

Deutscher Dschihadist bestreitet Folter- und Mordvorwürfe

21.2.2019 20:20 Uhr

Der deutsche Dschihadist Martin Lemke bestreitet während seiner Zeit beim IS Morde begangen oder Menschen gefoltert zu haben. Er will konvertierten Deutschen "die Augen öffnen".

"Es gibt keinen Beweis, dass ich irgendjemanden getötet habe, ich habe niemanden bekämpft", sagte Lemke dem ZDF-Magazin "Frontal 21" in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview.

Der 28-Jährige aus Sachsen-Anhalt gab jedoch zu, für den IS-Geheimdienst gearbeitet zu haben, seine Rolle würde jedoch hochgespielt. "Meine Abteilung war das Technische Büro, nichts anderes", bekräftigte Lemke Aussagen zweier seiner Ehefrauen.

Die beiden hatten der Nachrichtenagentur AFP gesagt, ihr Mann habe sich nicht an Kämpfen beteiligt. "Frontal 21" sagte Lemke nun, er habe nur ein einziges Mal einen deutschen Gefangenen verhört, aber nicht gefoltert.

"Kein gefährlicher Mensch"

Lemke hatte sich Medienberichten zufolge der IS-Miliz 2014 unter dem Kampfnamen Abu Jassir al-Almani angeschlossen. Er wird verdächtigt, gefoltert und womöglich gemordet zu haben.

Im Januar war Lemke im Osten Syriens von Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) festgenommen worden. Das Auswärtige Amt hatte erklärt, es habe keine eigenen Erkenntnisse über die Aktivitäten Lemkes.

Im Interview sagte Lemke nun, er sei "kein gefährlicher Mensch". Sein Ziel sei es, "Deutschland zu helfen". Er wolle zum Islam konvertierten Deutschen "die Augen öffnen, dass sie nicht denselben Fehler begehen wie wir, verblendet zu diesem IS zu gehen".

Dschihadisten aus Deutschland

Aus Deutschland sind nach Angaben des Innenministeriums seit 2013 "gut 1050 Personen" in die Kriegsgebiete in Syrien und dem Irak aufgebrochen, um sich dort Dschihadisten-Milizen anzuschließen. Rund ein Drittel von ihnen ist bereits nach Deutschland zurückkehrt.

Rund 200 Dschihad-Reisende sind vermutlich ums Leben gekommen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte an, vor der Rückkehr deutscher IS-Kämpfer "jeden Einzelfall" prüfen zu wollen.

(gi/afp)