dpa

Deutsche Bank verbucht ersten Gewinn seit 2014

1.2.2019 9:59 Uhr

Nach drei verlustreichen Jahren schreibt die Deutsche Bank wieder schwarze Zahlen. Mit 341 Millionen Euro fiel der Überschuss 2018 allerdings mager aus - sowohl im Vergleich zu den Rekordzahlen der US-Konkurrenz als auch gemessen an der Historie des größten deutschen Geldhauses. Der auf die Anteilseigner des Instituts entfallende Gewinn betrug 267 Millionen Euro.

"Die Rückkehr in die Gewinnzone zeigt, dass die Deutsche Bank auf dem richtigen Weg ist", bilanzierte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing - auch wenn die Bank "noch lange nicht" dort sei, wo sie hinwolle. "Nun geht es darum, den nächsten Schritt zu tun: Wir werden 2019 die Kosten weiter senken und gleichzeitig gezielt in Wachstum investieren. So werden wir unsere Profitabilität auch über das laufende Jahr hinaus substanziell steigern."

Gewinnprognose? Sewing hält sich bedeckt

Eine konkrete Gewinnprognose für 2019 nannte Sewing zunächst nicht. Allerdings gab er das Ziel aus, die um Konzernumbau und Rechtsfälle bereinigten Kosten der Bank auf 21,8 Milliarden Euro zu drücken und damit etwas stärker als bisher geplant. 2018 lagen die Kosten bei 22,8 Milliarden Euro.

Im Geschäftsjahr 2015 hatte die Deutsche Bank mit rund 6,8 Milliarden Euro den bisher höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte verbucht, 2016 summierte sich das Minus auf knapp 1,4 Milliarden Euro, 2017 standen 735 Millionen Euro Verlust in den Büchern.

Im Schlussquartal 2018 rutschte der Dax-Konzern allerdings nach drei soliden Vierteljahren wieder in die roten Zahlen. Für Oktober bis Dezember standen 409 Millionen Euro Verlust in den Büchern. Das war zwar deutlich weniger als das Minus von 2,4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor, bedeutete aber dennoch einen Rückschlag.

"Keine Hinweise auf Fehlverhalten"

Die Deutsche Bank erklärte dies mit dem allgemein herausfordernden Marktumfeld, aber auch mit "negativen Nachrichten" rund um die Geldwäsche-Razzia Ende November: Damals hatte ein Großaufgebot von Ermittlern die Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt durchsucht. Der Vorwurf: Mitarbeiter des Instituts sollen Kunden geholfen haben, Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen zu gründen und so Gelder aus Straftaten zu waschen.

Auch im Zusammenhang mit dem Geldwäsche-Skandal bei der Danske Bank wird die Deutsche Bank immer wieder genannt - zu Unrecht, wie die Frankfurter betonen. Sewing bekräftigte in einem Schreiben an die Mitarbeiter: "Selbstverständlich gehen wir allen Hinweisen nach. Fakt ist aber: Derzeit haben wir keine Hinweise auf ein Fehlverhalten unsererseits."

Stellenabbau kommt früher

Die Bank selbst sieht sich beim Aufarbeiten ihrer teils unrühmlichen Vergangenheit auf gutem Weg. Inzwischen seien 19 der 20 Rechtsfälle ganz oder teilweise beigelegt, die Anfang 2016 das größte finanzielle Risiko bargen, teilte das Institut mit. "Es sind keine neuen Angelegenheiten hinzugekommen, die hinsichtlich ihrer Größe oder ihres finanziellen Risikos diesen Fällen ähnlich wären." Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten lagen zum Ende des Jahres bei 1,2 Milliarden Euro und damit um 40 Prozent niedriger als zum Jahresende 2017 mit 2,0 Milliarden Euro.

Beim Konzernumbau, den bereits sein Vorgänger John Cryan begonnen hatte, drückt Sewing aufs Tempo. Der Stellenabbau kommt etwas schneller voran als zunächst angestrebt. Ende 2018 beschäftigte der Dax-Konzern auf Vollzeitbasis gut 91.700 Mitarbeiter, ein Jahr zuvor waren es noch etwas mehr als 97 500. Bis Ende 2019 will der Vorstand die Zahl der Vollzeitstellen auf "deutlich unter 90.000" verringern.

Auch für die Aktionäre bleibt was hängen

Für die Aktionäre soll sich der erste Jahresgewinn seit 2014 zumindest etwas auszahlen: Der Vorstand will wie ein Jahr zuvor eine Dividende von 11 Cent je Aktie ausschütten. Der Kurs der Aktie ist jedoch seit Monaten unter Druck, Ende Dezember 2018 war bei 6,68 Euro der historische Tiefststand erreicht. Auch deshalb halten sich hartnäckig Spekulationen, die Deutsche Bank und die Commerzbank könnten von der Politik zur Fusion gedrängt werden. Der Bund ist mit gut 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank.

(bl/dpa)