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Deutsch-türkische Juristin diskriminiert? – Bundesgeschäftsführerin Dr. Percin klagt gegen Feuerwehrverband

12.8.2020 17:04 Uhr

Beim Deutschen Feuerwehrverband (DFV) hängt wohlmöglich mehr als nur der Haussegen schief. Das zumindest berichtet die Bundesgeschäftsführerin Dr. Müjgan Percin, die als studierte Juristin den Verband vor dem Arbeitsgericht verklagt. Vorwurf: Diskriminierung und Belästigung. Dabei richtet sich die Klage nicht gegen Feuerwehrleute, sondern gegen Funktionäre aus dem DFV selbst, die hohe Posten bekleiden.

Wie es der Klage zu entnehmen ist, sollen Funktionäre die Bundesgeschäftsführerin aufgrund ihres Geschlechts als Frau, aber auch aufgrund ihrer türkischen Wurzeln diskriminiert haben. Zudem steht der Vorwurf im Raum, der Klägerin sexuell belästigende Nachrichten geschickt zu haben. So wird einem Funktionär der Vorwurf gemacht, er habe hinterfragt, warum eine Türkin den Posten der Bundesgeschäftsführerin bekleide. Zudem habe man ihr nahegebracht, sie würde nicht "in den DFV passen". Ein weiterer Funktionär habe ihr eine Nachricht geschickt, in welcher er ihr einen Kuss zur Nacht anbot, den er aber angeblich lieber "selbst geben würde".

Feuerwehrverband weist Vorwürfe von sich

Der Verband selbst weist alle Vorwürfe der Bundesgeschäftsführerin Dr. Müjgan Percin kategorisch zurück. Man würde hier keinen Tatbestand der sexuellen Belästigung oder der Diskriminierung verorten. In der Klage selbst hat der Rechtsbeistand von Frau Dr. Müjgan Percin den DFV unmissverständlich aufgefordert, unverzüglich einen Kodex hinsichtlich des Verhaltens zu erstellen. Die Gegenseite stellt die Frage, ob die Klage überhaupt rechtmäßig sei.

2016 wurde Juristin Dr. Müjgan Percin von Feuerwehrpräsident Hartmut Ziebs als erste Frau zur Geschäftsführerin bestellt. Ziel war es, damit auf den Missstand aufmerksam zu machen, dass es in Deutschland nur knapp 130.000 Frauen bei der Feuerwehr gibt – was knapp zehn Prozent der Belegschaft entspricht. Ende 2019 wurde Hartmut Ziebs aus dem Amt gekegelt und die Berufung von Dr. Müjgan Percin sei, unter anderem, mit dafür verantwortlich, dass ihm seine Stellvertreter das Vertrauen entzogen haben. Es drängt sich demnach tatsächlich der Verdacht auf, dass einige Dinge im Dachverband in Berlin schieflaufen. Darum fordern Landesverbände auch eine vollumfängliche Aufklärung.

(ce)

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