imago / Science Photo

Der sogenannte Gastarbeiter-Ulcus

23.11.2018 9:33 Uhr, von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Gastbeitrag von Doz. Dr. Yaşar Bilgin

Heute möchten wir Sie gerne über ein Thema informieren, dass sehr wichtig für türkeistämmige Personen in Deutschland ist, da viele darunter leiden, ohne zu wissen, welche Ursachen ihre Beschwerden haben. Es geht um die Erkrankung mit einem bestimmten Keim.

Es ist bekannt, dass früher bei türkeistämmigen Patienten, die nach Deutschland gekommen waren, häufig aufgrund von Magenbeschwerden eine ''Gastarbeiter-Ulcus“ festgestellt wurde. Dies ist ein medizinischer Fachbegriff, der eingeführt wurde, da viele Zugewanderte aus der Türkei an Magenbeschwerden litten, ohne dass eine organische Erkrankung festgestellt werden konnte. Man nahm an, dass die Magenbeschwerden dadurch verursacht wurden, dass der Patient sich in Deutschland fremd fühlte und unter psychischen Stress litt.

Medizinnobelpreis für die Keimentdecker

1983 entdeckten zwei Wissenschaftler in der Magenschleimhaut ein Bakterium mit dem Namen Helicobacter pylori. Hierfür erhielten sie im Jahr 2005 den Medizinnobelpreis. Weitere medizinisch-wissenschaftliche Arbeiten ergaben im Jahr 1989, dass dieser Keim bei Menschen Zwölffingerdarm- und Magenentzündungen verursachen und auch Magenschleimhautentzündungen auslösen kann. Spätere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass dieser Keim auch Magenkarzinome und das Malt-Lymphom auslösen kann. Das Malt-Lymphom ist eine Erkrankung des Lymphgewebes mit Wucherung in die Magenschleimhaut und anschließender Krebsentstehung im Magengewebe.

Der für das Auge nicht sichtbare Keim, Helicobacter pylori ist einer der häufigsten Ursachen für Magenbeschwerden.

Unterschiedliche Keimbesiedlung

In Deutschland liegt die Häufigkeit der Besiedlung bei Deutschen bei ca. 50 %. Bei türkeistämmigen Patienten, die wir selbst an dem Universitätsklinikum Gießen untersucht haben, lag die Besiedlung bei 80 %. Dies bedeutet nicht, dass bei allen Patienten hierdurch Magengeschwüre entstehen, aber 10 bis 20 % entwickeln einen Ulcus und später auch bei einigen Patienten ein Magenkarzinom oder ein Malt-Lymphom. Da bei vielen Patienten die Besiedlung mit Helicobacter pylori anfänglich keine Beschwerden macht, sollte durch einen Atemtest nachgewiesen werden, ob eine Keimbesiedlung des Magens vorliegt.

Übertragungswege unklar

Zurzeit ist noch nicht klar nachgewiesen, wie es zu einer Besiedlung mit dem Keim beim Menschen kommt. Man geht von einer oralen oder fäkalen Infektion aus, die unabhängig vom sozioökologischen Status ist. Da der Keim häufiger bei türkeistämmigen und arabischstämmigen Patienten als bei Deutschen zu finden ist, geht man davon aus, dass eine Infektion von der Mutter auf das Kind stattfindet.

Kombinierte Therapie

Die Therapie bei einem positiven Befund auf Helicobacter pylori ist klar definiert. Da es sich um ein Bakterium handelt, wird es mit einem Antibiotikum in Kombination mit einem Magenschutzmedikament behandelt. Bei einigen Patienten beobachten wir, dass der Keim resistent gegen das Antibiotikum ist. Hier wird nach einer Magenbiopsie im Labor gezielt das Antibiotikum bestimmt, dass gegen den Keim wirkt.

Nachweis durch Atemtest

Durch einen einfachen Atemtest kann man also nachweisen, ob man an einer Infektion mit Helicobacter pylori leidet. Meine Empfehlung ist daher, von seinem Hautarzt einen Atemtest durchführen zu lassen. Durch einen einfachen Test und einer medikamentösen Therapie kann man einen häufigen Krankheitsverursacher für verschiedene Magenerkrankungen eliminieren. Selbstverständlich ist Helicobacter pylori nur eine Ursache für die Entstehung eines Magenkarzinoms und Malt-Lymphom, aber sie ist die häufigste.

Andere Ursachen für die Entstehung von Magenerkrankungen sind Alkohol, Rauchen, Stress oder andere psychische Störungen, die man immer mitberücksichtigen muss.

Doz. Dr. Yaşar Bilgin
Türkisch - Deutsche Gesundheitsstiftung

(AC)