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Der kleine Julen könnte durch die Retter gestorben sein

1.3.2019 11:02 Uhr

Vor knapp einen Monat wurde die Leiche des zweijährigen Julen aus einem Brunnenschacht in der Nähe von Malaga in Spanien geborgen. Laut Autopsiebericht sei er durch den Sturz in das illegal gebohrte Loch verstorben. Doch ein neues Dokument sorgt in Spanien für Aufsehen. Demnach könnte erst der Einsatz der Rettungskräfte für den Tod des Kindes verantwortlich sein.

Die Anwälte des Finca-Besitzers, auf dessen Grundstück das Unglück passierte, hätten diese These jetzt der zuständigen Richterin unterbreitet, berichtete die Zeitung "El Pais". Der Mann ist der Einzige, gegen den in dem Fall ermittelt wird.

Verfasst wurde das Schriftstück von dem Architekten Jesus Maria Flores, der bereits in der Vergangenheit den Rettungseinsatz kritisiert hatte. Damals hatte sich die Architektenkammer öffentlich von Flores' Aussagen distanziert.

Kommen die Kopfverletzungen von einem Bergungswerkzeug?

Julen war Mitte Januar in dem Ort Totalan in ein über 100 Meter tiefes, illegal gegrabenes Bohrloch gefallen. Seine Leiche wurde zwei Wochen später in 70 Metern Tiefe gefunden, nachdem Helfer in mühsamer Arbeit einen Parallelschacht gebohrt hatten. Laut dem kurz darauf veröffentlichten Autopsiebericht starb der Junge noch am Tag des Unfalls an schweren Kopfverletzungen: Demnach löste sich während des Sturzes auch Gestein, das von oben auf das Kind herabfiel und die Schädelverletzungen verursachte.

Der neue Bericht versucht hingegen zu belegen, dass Julen durch den Einsatz der Rettungskräfte mit einer Spitzhacke zu Tode gekommen sein könnte. Am Unglückstag sei zwischen 17.30 und 21.00 Uhr mit insgesamt zehn Schlägen versucht worden, Erde zu lockern, um zu Julen vorzudringen, zitierte "El Pais" aus dem Dokument. Dabei sei der Junge offenbar am Kopf getroffen worden.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung

"Das ist das Einzige, was die körperlichen Verletzungen an Kopf und Schädel des Minderjährigen verursachen konnte", hieß es. Untermauert werde diese These von der Tatsache, dass an der Spitzhacke acht Haare des Kindes, einige sogar noch mit Wurzel, entdeckt worden seien.

Gegen den Finca-Besitzer wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, den auf der Suche nach Wasser gegrabenen Schacht nicht gesichert zu haben. Der Mann hat dies stets bestritten und betont, er habe das Loch mit zwei Betonblöcken abgedeckt.

(sis/dpa)