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Der größte Moment in der Geschichte der USA

5.7.2019 19:57 Uhr, von Andreas Neubrand

"Make America great again!" war einer der Slogans, mit denen Donald Trump seinen erfolgreichen Wahlkampf führte und der ihn schließlich als 45. Präsidenten der USA ins Weiße Haus führte. Doch am 4. Juli vor 216 Jahren trat Thomas Jefferson vor das amerikanische Volk und gab den Kauf von ganz Louisiana bekannt. Dies war der Moment, als Amerika wirklich groß wurde.

"Wenn es einen Feind der USA gibt, dann ist es New Orleans", schrieb der dritte Präsident Thomas Jefferson an seinen Botschafter in Paris, Robert Livingstone: "Wenn es einen Ort gibt, der rechtmäßig den USA gehört, dann ist es New Orleans."

Zu diesem Zeitpunkt stand New Orleans unter der Krone Spaniens. Eigentlich. Denn in dem (geheimen) Dritten Vertrag von Ildefonso aus dem Jahre 1800 tauschte Spanien New Orleans gegen das zu Frankreich gehörende Königreich Etrurien im Norden Italiens. Doch egal, wem die Stadt gehörte, er konnte den Amerikanern die Nutzung des Hafens verweigern, so die Furcht von Jefferson. Damit wäre die junge Nation vom Handel mit dem Rest des amerikanischen Kontinentes und Europa abgeschnitten – das ökonomische Todesurteil. "

Unkalkulierbere Risiken

Die Schwierigkeiten und Risiken sind ... unkalkulierbar", warnte der amerikanische Vize-Konsul in New Orleans, Williams E. Hurlings, in einer Depesche den Außenminister James Madison. Kein Wunder also, dass die Öffnung des Hafens in New Orleans für Amerikaner und für Thomas Jefferson oberste Priorität hatte. "Er hatte eine Vision von Amerika als Imperium der Freiheit", so der Historiker Douglas Brinkley in seinem Buch "The Mississippi and the Making of a Nation: From the Louisiana Purchase to Today".

Selbst der Einsatz von Waffen war kein Tabu. Unter anderem plädierte der Senator von Pennsylvania dafür, sich New Orleans mittels Soldaten zu holen. Auch der Kongress und die Presse setzen Jefferson enorm unter Druck. Dieser fürchtete, dass ein "Hitzkopf aus der Opposition" das Land in einen Krieg führen würde.

In der Zwischenzeit setzte Livingstone weniger auf das Militär und mehr auf Diplomatie. Doch als er seinen französischen Amtskollegen Charles Maurice de Talleyrand darauf ansprach, erklärt dieser, dass es keinen Vertrag zwischen Frankreich und Spanien gibt. Nun begann sich die Lage zu verschärfen. 1802 machten in Paris Gerüchte die Runde, dass Frankreich bis zu 7.000 Soldaten von Santo Domingo (heute besser bekannt als Haiti) nach New Orleans verlegen wolle. Doch der Ausbruch einer Revolution und einer Gelbfieber-Epidemie verhinderten dies in letzter Sekunde. Nun wollte Frankreich Soldaten über den Atlantik schicken, doch ein erstaunlich kalter Winter, der die Küste zufrieren ließ, verhinderte dies – wiederum in letzter Sekunde.

Für Jefferson wurde die Lage immer dramatischer und er schickte den Diplomaten James Monroe zur Unterstützung nach Paris. Doch als dieser am 12. April 1803 eintraf, hatte sich das Blatt – ohne sein Wissen – bereits um 180 Grad gewendet. Auf Santo Domingo hatte die französische Armee eine blutige Niederlage hinnehmen müssen und sahen sich gezwungen, die Insel aufzugeben. Für Napoleon ein Schlag ins Gesicht. Er sah Santo Domingo als wichtigste Kolonie in Amerika. Dort wurde Kaffee, Zucker, Baumwolle und Kakao für den französischen Markt produziert. Das Louisiana-Territorium (inkl. New Orleans) sah er dabei nur als Kornkammer, die seinen Kornspeicher (Santo Domingo) versorgen sollte. Doch ohne Santo Domingo verlor auch das gesamte Louisiana-Gebiet seinen Wert für ihn. Sein Plan: Das gesamte Territorium an die USA zu verkaufen.

Napoleons Gründe

Doch Napoleon wäre nicht Napoleon, wenn er nicht noch mehr Gründe für den Verkauf gehabt hätte und beide hatten einen Namen: Großbritannien. Zum einen stellte er sich vor, dass die gestärkte USA ein Gegengewicht zu Großbritannien bilden könnten und zum anderen rüstete er sich für einen Krieg mit Großbritannien und brauchte dafür vor allem eines: Geld. Viel Geld.

Also kam es zu Verhandlungen zwischen Napoleon und seinem Finanzminister Francois Barbe-Marbois auf der einen und Monroe und Livingstone auf der anderen Seite. Beide Seiten verhandelten hartnäckig, doch am Ende verkaufte Napoleon die gesamten Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent für 15 Millionen Dollar an die USA. Einziges Problem: Die beiden Diplomaten waren nur berechtigt, maximal 10 Millionen Dollar zu zahlen (und das eigentlich auch nur für New Orleans).

Jeffersons Skepsis

Der Kauf war in den USA anfangs höchst umstritten, selbst Thomas Jefferson war nicht wirklich glücklich. Er war ein Präsident, der wollte, dass Politiker weniger und nicht mehr Macht erhalten. Nun hatte sich sein Land unter seiner Regierung nahezu verdoppelt. Und dann war da noch der Preis: 15 Millionen Dollar. So schrieb der Boston Columbian Centinal: "Wir haben Geld gegeben, von dem wir sehr wenig haben und das für Land, von dem wir sehr viel haben." Trotz aller Bedenken wurde der Vertrag am 4. Juli dem amerikanischen Volk offiziell vorgestellt und am 20. Oktober 1803 vom US-Senat ratifiziert.

Der größte Landkauf der Geschichte der Menschheit: Das Louisiana Territory (Quelle: imago images/DesignPics).

Ok. Es war der größte Landkauf der Weltgeschichte. Doch warum ist er bis heute so bedeutend? Der Kauf der gleichen Landmasse in – sagen wir – Sibirien, würde kaum einer bemerken. Doch anders als Sibirien ist das Klima im Louisiana-Territorium mild. Der südlichste Punkt ist New Orleans und im Norden grenzt es an die Grenze zu Kanada. Die Fläche fasst ungefähr die Fläche von 14 US-Bundesstaaten. Insgesamt eine Fläche von 2,14 Millionen Quadratkilometer.

Der Kauf war aus mehreren Gründen bedeutend für die USA: Die 13 Kolonien konnten nun die Appalachen überwinden und vom Mississippi aus Nordamerika erkunden und besiedeln. Sie konnten so bis zum Pazifik vordringen. Damit war gesichert, dass die USA von keiner (europäischen) Macht angegriffen werden konnten. Außerdem ist das Große Mississippi-Becken das größte zusammenhängende navigierbare Flusssystem der Welt. Größer als alle schiffbaren Flüsse der Welt zusammengenommen. Es ist bis zu 30 Male günstiger, Güter über das Wasser als über das Land zu transportieren. Dies bedeutete, dass die USA von nahezu ihrem Beginn an, günstiger Handel treiben konnte. Kombiniert man das mit dem dazugehörigen Farmland (die größte zusammenhängende Fläche der Welt), sieht man schnell, warum die USA zum Reichtum verdammt waren.

Es war dieser Reichtum, der erstens Migranten aus aller Herren Länder anzog, die halfen das riesige Land zu beackern. Es kamen aber auch genug Menschen für andere Jobs (und das Militär). Das Geld, dass man für den Transport sparte, konnte man in Forschung und Entwicklung stecken - was wiederum den Unternehmergeist stärkt und für Firmen einen Wettbewerbsvorteil schaffte. Außerdem konnten die USA mit sprudelnden Steuereinnahmen die größte Marine der Menschheitsgeschichte aufbauen. Damit kontrollieren sie damals (schnell wie keine Nation vor ihnen) die sieben Weltmeere und heute die komplette Globalisierung.

Kurz, um es mit dem Analysten George Friedman zu sagen: "Die Amerikaner sind so bedeutend, nicht weil sie sind wer sie sind. Sondern weil sie sind, wo sie sind."

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