Pixabay / GuidesGlobal

Der Einfluss der Lira-Entwicklung auf das tägliche Leben

18.3.2020 14:28 Uhr

Wer Anfang März 2018 vor einem Urlaub in der Türkei Euro in Lira umtauschen wollte, hatte dafür eine ordentliche Grundlage zur Verfügung. Rund 6,10 Lira waren für einen Euro zu bekommen, wenn Umtauschgebühren einmal ignoriert werden. Schon damals handelte es sich dabei um einen recht hohen Betrag, doch mittlerweile ist dieser noch einmal deutlich angestiegen. Über 6,80 Lira gibt es mittlerweile für einen einzigen Euro. Warum sich die Lira so entwickelte und welche Folgen dies auf den Alltag der Menschen in Deutschland und der Türkei besitzt, erklären wir hier.

Negative Entwicklung setzt sich weiter fort

Schon innerhalb eines Jahres ergab sich zuletzt eine Entwicklung, die für die Türkei nicht allzu gut aussieht. Die Lira verlor im Vergleich zum Euro massiv an Boden. Innerhalb der letzten 12 Monate verlor die türkische Währung rund 11 Prozent an Wert. Am 4. März 2020 sind 6,83 Lira einen Euro wert. Genau 365 Tage zuvor waren es noch 6,09 Lira. Noch extremer wird es, wenn wir weiter in die Vergangenheit zurückblicken. Lediglich Ende August 2018 war die Lira noch weniger wert, als es aktuell der Fall ist (7,60). Vor fünf Jahren erhielten Urlauber in den Tauschstuben auf den Flughäfen noch 2,77 Lira für ihren Euro. Im Vergleich zu damals beträgt der Wertverlust also rund 60 Prozent. Nachteile besitzen vor allem all jene, die aus früheren Urlauben Lira mitgebracht haben, um sie in der Zukunft erneut zu nutzen, da sie längst deutlich weniger wert sind.

Auf der anderen Seite befinden sich die Investoren, die nicht mehr an der Währung interessiert sind. Sie springen aktuell in Scharen ab und investieren insbesondere im Forex Trading in Euro, US-Dollar oder Yen. Durch das Handeln von Währungspaaren können Händler dabei entweder auf steigende oder fallende Kurse setzen. Selbst kurzfristig lohnt sich aktuell die Spekulation auf die Lira nicht. Durch den Coronavirus herrscht die Angst rund um die Währung vor. Eine Rolle spielt dabei vor allem die Nähe zu Ländern mit vielen Infektionen wie dem Iran. Außerdem sorgen die aktuellen politischen Spannungen mit der Europäischen Union in der Flüchtlingsproblematik ebenfalls für schlechte Nachrichten, die Investoren nicht gerade anlocken.

Welche Folgen hat die Kursentwicklung für Importer?

Bildquelle: Pexels

Eine Folge des fallenden Lira-Wertes ist, dass die Anzahl der Importe in die Türkei sinkt. Das liegt an der gleichzeitig geringeren Kaufkraft der Bürger und Unternehmen im Land. Sie sind nicht mehr in der Lage, die vergleichsweise teuren Produkte zu kaufen, die aus dem Ausland in die Türkei gelangen müssten. Vor allem die Exporteure profitieren jedoch von dieser wirtschaftlichen Situation. Deutlich mehr Unternehmen und Einzelpersonen im Ausland sind an den Produkten der Türkei interessiert, da sie sich für einen merklich geringeren Preis im Angebot befinden, vor allem dann, wenn es sich um Euro-Käufer handelt. Diese Export-Strategie stammt wiederum von der Regierung selbst, da die ohnehin wachsende Wirtschaft weiter angekurbelt werden soll. Insbesondere die Zahlen im vierten Quartal 2019 überzeugten mit einer sechs prozentigen Steigerung des Bruttoinlandsproduktes. Auch der stark gesenkte Leitzins der Türkei hatte einen entscheidenden Einfluss auf die wirtschaftlich positive Entwicklung.

Es ist fraglich, welche weitere Entwicklung die Lira in den kommenden Monaten nehmen wird. Grundsätzlich ist der Vergleich mit dem Euro nicht angemessen, da viel zu große Unterschiede bestehen. Experten setzen deshalb eher auf das Währungspaar Lira/Rubel, in dem die Lira in letzter Zeit viel besser abschneidet als vermutet. Die fallenden Ölpreise resultieren hier nämlich in einem sinkenden Rubelkurs. Auf der Gegenseite stehen allerdings die Spannungen mit der Europäischen Union, die in den kommenden Wochen aller Voraussicht nach nicht abreißen werden. Dies könnte zusammen mit einer größeren Ausbreitung des Coronavirus wiederum für einen weiterhin fallenden Lirakurs sprechen. Sowohl für Türken als auch für Besucher des Landes ergeben sich somit spannende Monate.

(Hürriyet.de)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.