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Denizli: Türkische Liga verliert an Markenwert

17.7.2019 12:01 Uhr, von Chris Ehrhardt

Mustafa Denizli – 70 Jahr und kein bisschen leise. Im türkischen Fußball hat Denizli als Coach das gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Meister mit den Big Three in Istanbul – Galatasaray, Besiktas, Fenerbahce – und mit der türkischen Nationalelf marschierte er vor fast 20 Jahren ins Viertelfinale. Jetzt, bevor der Coach zu Tractor Sazi geht und in der Persian Gulf Pro League spielt, hat er über den türkischen Fußball einen rausgehauen – und nahezu jeder bekam sein Fett weg.

Gerade die türkischen Medien werden von Denizli sehr kritisch und als schädlich für die Liga angesehen. Jeden Tag, so Denizli, werden neue Transfers gemeldet, die aber durch die Bank völlig unrealistisch seien. Die finanziellen Möglichkeiten und das Financial Fairplay der UEFA würden derartige Transfers jedoch nicht zulassen. Das sorgt in den Augen des Erfolgstrainers dafür, dass am Ende der Markenwert der Süper Lig fällt. Ein Team, das auch der europäischen Bühne mitspielen kann, sieht Denizli derzeit nicht. Schuld daran trage auch die Ausländerregel, die wieder einmal reformiert und umgestrickt werden soll.

Ausländerregel unnütz und sinnlos

Denizli sieht die Ausländerquote als unnötig, sinnlos und überflüssig an. Wichtig und längst überfällig sei es, dass die Jugendarbeit stimmig würde. Dann könnten junge türkische Spieler, die bei den Top-Teams mit erstklassigen Spielern aus dem Ausland bestückt sind, auch etwas lernen. Mustafa Denizli beklagt, dass man in der Türkei dazu neige, sich mit unnötigen Dingen zu befassen, statt an den Kern der Sache zu gehen. Und den Kern verortet er in der Ausbildungsarbeit guter Spieler und der Übernahme von modernen Trainingsmethoden. Wäre das umsetzbar, bräuchte man auch keine sinnlose Ausländerreglung.

Für die neue Saison der Süper Lig prognostiziert der Erfolgscoach ein enges Rennen. Fenerbahce Istanbul habe sich wieder besser aufgestellt und sollte nicht in die Nöte der vergangenen Saison kommen, als man gegen den Abstieg spielte. Generell sei das Leistungsgefälle im türkischen Fußball-Oberhaus nicht mehr so groß, wie es noch vor Jahren war. Zudem habe die letzte Saison – nicht nur in der Türkei – bewiesen, dass nicht der Klub das Rennen macht, der stark in die Liga startet. Meister wird der, der sich am Ende behauptet, wenn es auf die Zielgerade geht. Da habe Basaksehir einfach die Erfahrung als Team gefehlt. Wobei diese These auch gewagt ist, denn der Klub war mit international erfahrenen Spielern bestückt. Hier lag es wohl eher daran, dass den durch die Bank betagteren Spielern am Ende der langen Saison "die Puste" ausging.

Vereinserfolge auf europäischer Ebene unrealistisch

Und doch sah Denizli auch positive Ansätze und die bezogen sich auf die Nationalmannschaft der Türkei. Hier verortet der Trainer-Fuchs eine "gute Generation" an Spielern im Kader. Der Mix mit Spielern aus der heimischen Liga und ausländischen Kickern sei sehr gut. Hier sieht der Coach das Potenzial, die gesteckten Ziele – Teilnahme an der EM – zu erreichen. Insgesamt sei der Weg der Nationalelf zu möglichen Erfolgen kürzer und falle auch leichter aus. Eher düster ist jedoch seine Prognose auf Vereinsebene. Da habe man schlicht den Anschluss verpasst und könne nicht im Chor der Großen in Europa mitsingen. Erfolge in der Europa League oder gar der Champions League hält der Erfolgstrainer für absolut unrealistisch.

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