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Deniz Ugur: Quarantänepflicht trotz negativem Test “Absurdum”

15.9.2020 12:24 Uhr, von Chris Ehrhardt

Deniz Ugur, CEO von Bentour-Reisen, sieht die Entscheidung der deutschen Regierung, ab dem 1. Oktober trotz eines negativen Coronatestergebnisses in Quarantäne zu müssen, kritisch. Für ihn ist es eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit und ein "Absurdum" und man appelliere an die Regierung, das bilaterale Abkommen mit der Türkei weiterzuentwickeln. Im exklusiven Gespräch mit Hürriyet.de bewertet Ugur auch die aktuelle Lage und die Zukunft der Reisen in die Türkei - vor allem für die anstehenden Herbstferien.

Herr Ugur, Ihr Unternehmen Bentour Reisen führte bereits Anfangs Juli wieder Reisen in die Türkei durch. Was unterscheidet Sie hier von anderen Anbietern, wie begründen Sie Ihre Entscheidung?

Zunächst gilt hier festzustellen, dass wir die wirtschaftspolitische Entscheidung, nur Reisen in Europa von der weltweiten Reisewarnung auszunehmen, gerade hinsichtlich gesundheitspolitischer Aspekte hoch fragwürdig fanden. Als Reiseveranstalter, der eine besondere Fürsorgepflicht für seine Pauschalgäste hat, war für uns das tatsächliche Infektionsgeschehen in den Urlaubsdestinationen sowie die Maßnahmen, die die Hotels getroffen hatten, entscheidend.

"Safe Tourism"-Konzept: Starke Zusammenarbeit von Gesundheitsministerium, Touristikbranche & Flughäfen

Und das war und ist in der Türkei im Vergleich zu vielen europäischen Destinationen einfach niedriger. Auch haben wir die Lage vor Ort sehr genau inspiziert, sie bewertet und auf dieser Basis Gäste reisen lassen, die reisen wollten. Selbstverständlich haben wir Gästen, die nicht reisen wollten, auch eine Option zur kostenlosen Stornierung angeboten. Wir als Türkei Spezialist verfügen über ein umfangreiches Service-Team in der Destination, sind sehr gut vernetzt vor Ort und hatten so auch immer einen Informationsvorsprung. Daher möchte ich auch meine Kollegen von anderen Reiseveranstaltern nicht dafür kritisieren, dass Sie zunächst anders entscheiden hatten.

Deniz Ugur, CEO von Bentour

Das Safe-Tourism-Konzept, das vom türkischen Touristik-Ministerium ins Leben gerufen wurde und von vielen Hotels wirklich vorbildlich umgesetzt wurde, gilt heute als weltweites Vorbild, wie ein verantwortungsvoller Tourismus wieder durchgeführt werden kann. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort waren maßgeblich bei der Verbesserung der Prozesse - zum Beispiel beim Einführen des PCR Tests - beteiligt. Die Flughäfen, das Gesundheitsministerium und der Touristik-Sektor haben alle an einem Strang gezogen und so größtmögliche Sicherheit und Kontrolle sowohl für die Reisenden als auch für die Mitarbeiter des Sektors hergestellt.

Denken Sie, dass Ihnen als Touristik-Unternehmen gerade auch von deutscher Seite Steine in den Weg gelegt werden, damit Sie möglichst keine Gäste ins Ausland befördern?

Es kann einem bei der ein oder anderen behördlichen Entscheidung zunächst einmal so vorkommen. Doch muss man auch verstehen, dass die Politik in Ihrer Rolle als Wächter über das Wohlbefinden eines Volkes auch sehr unter Druck steht und man versucht, das Risiko, falsche Entscheidungen zu treffen, so klein wie möglich halten möchte. Grundsätzlich hatte ich schon das Gefühl, dass man sehr gut versteht, dass der Tourismus ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor auch in Deutschland ist.

Allein die deutschen Flughäfen mit Ihren unzähligen Arbeitsplätzen sowohl in der Flugindustrie als auch im Dienstleistungssektor um den Flughafen herum, werden ohne eine vernünftige und kontrollierte Reisetätigkeit in größter wirtschaftlicher Gefahr sein.

Wie steht es um Ihr Unternehmen, werden Sie die Krise überleben?

Bentour Reisen ist Gott sein Dank ein Unternehmen, das sehr starke Gesellschafter hat. (2 Hotelgruppen mit insgesamt 14 Hotel der 5-Sterne-Kategorie). Strategisch haben wir immer "Klasse statt Masse" vorgezogen und uns auch so ein Polster für schwierige Zeiten aufgebaut. Darüber hinaus haben wir uns auch für einen umfangreichen und sehr langfristigen Staatskredit qualifiziert. Dieser Überbrückungskredit gibt uns zusätzliche Stabilität und ermöglicht uns auf der Liquiditätsseite sorgenfrei zu arbeiten. Ein Sicherungsschein, der unsere Kundengelder bis Reisen im April 2022 absichert, wurde aufgrund dieser guten Bonität entsprechend von unserem Versicherer ausgestellt.

Quarantäne ist Einschränkung der Bewegungsfreiheit und unlogisch

Was ist jetzt zu tun, was er erwarten Sie im Hinblick auf die aktuelle Situation von der Politik?

Wir appellieren mit Nachdruck an die Politik, dass das bilaterale Abkommen mit der Türkei weiterentwickelt wird. Die Türkei hat sich an die Abmachungen gehalten und seit über einem Monat nur noch negativ getestete Urlauber zurück in die Heimat gesendet. Es ist ein Absurdum, dass man nun ab 1. Oktober trotz eines negativen Testergebnisses in eine Quarantäne kommen soll.

Deutschland selbst ist Risikogebiet und jeder, der sich in Deutschland von A nach B bewegt, ist im Grunde ebenfalls Reisender. Die Urlaubsrückkehrer aus der Türkei haben aber im Gegensatz zu den in Deutschland geblieben Personen einen vom RKI offiziell anerkannten Nachweis, dass Sie nicht infiziert sind. Dass Sie jetzt ausrechnet in Quarantäne kommen sollen, ist eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit, unlogisch und mit dem Argument einer möglichen Inkubationszeit nicht begründbar.

Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten, gerade auch in Bezug auf das Geschäft der Reisen in den Herbstferien?

Wir gehen davon aus, dass die PCR Tests grundsätzlich von sogenannten Schnelltests abgelöst werden. Die PCR Tests sind sehr aufwendig im Labor durchzuführen und sind trotzdem ungenau, da Sie nur ein Indiz für eine mögliche Erkrankung aufzeigen und somit mit einer massiven Fehlerquote unterwegs sind. Schnelltests hätten darüber hinaus den Vorteil, dass man diese viel häufiger einsetzen könnte und damit mehr Kontrolle und Sicherheit für die Überwachung des Infektionsgeschehen entsteht. Wir gehen davon aus, dass diese somit beim Reisen sowohl bei der Abreise als auch bei der Ankunft im Rahmen der Sicherheitskontrollen an Flughäfen eingesetzt werden.

39.000 Intensivbetten und gut ausgebildetes medizinisches Personal

Warum glauben Sie, dass Türkei Reisen gerade im Herbst und im kommenden Jahr wieder vermehrt gebucht werden?

Der wichtigste Grund ist und bleibt die hohe Produktqualität gepaart mit einem im internationalen Vergleich guten Preis. Sofort danach kommt die Gastfreundlichkeit, die im türkischen Tourismus Sektor aus kulturellen Gründen bereits zu einem sehr hohen Maße vorliegt. Bezogen auf die Ausnahmesituation, in der sich die Welt ja momentan befindet, ist es gerade die hohe bevölkerungstechnische Verflechtung zwischen der Türkei und Deutschland, die hier zu einem einzigartigen Vorteil für die Flugindustrie geworden ist. Durch den Anteil der ethnischen Gäste auf den Flügen, die auch in Krisenzeiten in Ihre zweite Heimat reisen, kann überhaupt erst ein wirtschaftlich vernünftiges Flugprogramm aufgebaut und durchgeflogen werden. Somit gibt es genug Frequenzen und Flugstrecken, damit überhaupt erst Urlaub im Ausland am Mittelmeer angeboten werden kann.

Das Engagement der SunExpress, einer 50prozentigen Tochter der Lufthansa und Turkish Airlines, ist hier besonders zu erwähnen. Sie war die erste Fluggesellschaft, die bereits Anfangs Juni wieder in die Feriendestinationen geflogen ist. In anderen touristischen Segmenten, wie beispielsweise Kreuzfahrten, Fernreisen oder auch im Segment Business Travel, gehen wir derzeit von einer späteren Erholung von der Krise aus.

Darüber hinaus ist es künftig auch sehr wichtig, wie gut ein Gesundheitssystem in einem Urlaubsland entwickelt ist. Hier hat die Regierung in der Türkei in den letzten 20 Jahren sehr, sehr gute Arbeit geleistet. Auch die staatlichen Krankenhäuser sind sehr gut mit neuesten medizinischen Geräten ausgestattet, es gibt 39.000 Intensivbetten und gut ausgebildetes medizinisches Personal.

Bentour ab 1. Oktober mit flexibler Tarifoption

Gibt es neue Produkte, die Sie hinsichtlich des Herbstgeschäftes und für Reiseinteressierte während der Herbstferien ebenfalls erwähnen möchten?

Wie bereits vor einiger Zeit angekündigt, geht Bentour Reisen ab 1. Oktober mit seiner flexiblen Tarif-Option an den Start. Für einen kleinen Aufpreis bieten wir unseren Kunden damit die Möglichkeit, die Reise bis 14 Tage vor Abreise zu besonders günstigen Bedingungen zu stornieren. Die Höhe des Aufpreises der FlexSorglos-Option richtet sich dabei nach dem Gesamtreisepreis und ist gestaffelt - von 100,- Euro für Buchungen mit einem Gesamtreisepreis von bis zu 1999,- Euro und reicht bis maximal 340,- Euro für Buchungen, deren Gesamtpreis über 9000,-. Euro liegt. Der Vorteil für den Kunden liegt klar auf der Hand: Bei Buchungen mit FlexSorglos fallen bei einem Storno bis 14 Tage vor Abreise nur die Kosten der FlexSorglos-Option an. Der gesamte restliche Reisepreis wird in kompletter Höhe zurückerstattet. Dadurch spart der Kunden Stornokosten nach AGB in Höhe von bis zu 50% des Reisepreises. Für Reisebüros ein gutes Verkaufsargument in unsicheren Zeiten.

Hohe Stornokosten verhindern Reisebuchungen! Insbesondere in Zeiten von Corona wünschen sich Kunden mehr Flexibilität, um auf das aktuelle Geschehen reagieren zu können. Mit FlexSorglos bieten wir nun die optimale Möglichkeit dazu. Hier liegt der Vorteil auf beiden Seiten: Bei den Reisebüros, die sich Zeit und Nerven sparen und bei den Kunden, die wissen, sie können schnell auf Veränderungen beim Infektionsgeschehen reagieren. Gerade für die Reisen im Herbst ein wichtiger Faktor, sorglos seine Reise zu buchen. Sicherheit für den Kunden darf nicht auf dem Rücken der Reisebüros ausgetragen werden. Daher ist es für uns selbstverständlich, dass wir im Falle eines Stornos einer Reise mit FlexSorglos die Einnahmen mit dem Reisebüro fair 50:50 teilen. Die FlexSorglos kann ab 1. Oktober – passend für die Reisen in den Herbstferien - zu jeder Bentour-Pauschalreise (nicht möglich für dynamisch paketierte Reisen mit tagesaktuellen Flügen) oder Nur-Hotel-Buchung dazugebucht werden.

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