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Davos: Wirtschaftsforum ohne die USA?

18.1.2019 17:45 Uhr

Kommende Wochen treffen sich im schweizerischen Davos dutzende Staats- und Regierungschefs. Aus Deutschland wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet, aus den USA nicht einmal ein einziger Minister. Grund ist der Haushaltsstreit in den USA.

"Angesichts der 800 000 großartigen amerikanischen Arbeiter, die nicht bezahlt werden, und um sicherzustellen, dass sein Team dort helfen kann, wo es gebraucht wird, hat Präsident Trump die Reise seiner Delegation zum Weltwirtschaftsforum nach Davos, Schweiz, gestrichen", teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, am Donnerstag mit. Das WEF zeigte Verständnis.

"Mit mehr als 800 Teilnehmern aus den USA, darunter den CEOs der wichtigsten US-Unternehmen aus allen Bereichen, sind wir überzeugt, dass das Treffen eine wertvolle Plattform bieten kann, um die Herausforderungen der Globalisierung 4.0 zu diskutieren", teilte die Organisation am Freitag mit. Sie wies zugleich darauf hin, dass weiterhin mehr als 60 Staats- und Regierungschefs an dem viertägigen Treffen teilnehmen werden, das an diesem Dienstag in Davos beginnt.

"Globalisierung 4.0"

Unter dem Motto "Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution" diskutieren insgesamt mehr als 3200 Teilnehmer.

Aus Deutschland reisen Kanzlerin Angela Merkel sowie mehrere Minister, die die CDU stellt: Minister Ursula von der Leyen (Verteidigung), Peter Altmaier (Wirtschaft), Jens Spahn (Gesundheit) und Andreas Scheuer (CSU/Verkehr) an. Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird in Davos erwartet. Merkel soll am Mittwoch eine Rede halten. Sie plant nach Regierungsangaben zudem ein Gespräch zum Thema Künstliche Intelligenz, einen Austausch mit einer Gruppe ranghoher weiblicher Führungskräfte sowie ein Gespräch mit Spitzenpolitikern und Vertretern von internationalen Organisationen und internationalen Unternehmen zum Thema Afrika.

Streit in den USA eskaliert

Trump hatte bereits vor Tagen seinen Verzicht auf die geplante Reise in die Alpen verkündet. Ranghohe Regierungsvertreter wie Außenminister Mike Pompeo, Finanzminister Steven Mnuchin und Wirtschaftsminister Wilbur Ross hatten indes an ihren Reiseplänen festgehalten.

Das änderte sich aber, als am Donnerstag der innenpolitische Streit eskaliert war. Nachdem die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, Trump vorgeschlagen hatte, seine Rede zur Lage der Nation wegen des "Shutdowns" zu verschieben, strich Trump der Oppositionsführerin eine Auslandsreise, die sie unter anderem nach Brüssel und Afghanistan führen sollte. Einige Demokraten beschwerten sich und argumentierten, Trumps Delegation dürfe dann auch nicht nach Davos fliegen.

Der französische Staatschef Emmanuel Macron hatte seinen Besuch beim WEF-Treffen ebenfalls abgesagt; er bleibt wegen der Proteste der "Gelben Westen" zu Hause. Großbritanniens Premierministerin Theresa May verzichtet wegen der Brexit-Verhandlungen auf die Reise.

(an/dpa)