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Daniel Sturridge verlässt Trabzonspor

3.3.2020 13:11 Uhr, von Chris Ehrhardt

Bereits im Juli 2019 war Daniel Sturridge wegen eines Wettvergehens mit einer Sperre von zwei Wochen und einer Geldstrafe von knapp 85.000 Euro belegt worden. Der englische Fußballverband FA sah das Urteil als nicht angemessen an und nun wurde Sturridge zu einer Sperre von vier Monaten sowie zu einer Zahlung von rund 170.000 Euro verurteilt. Schon vor dem Urteilsspruch wurde der Vertrag des Spielers mit Trabzonspor am Montag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Sturridge selbst zeigt sich am Boden zerstört. Für Trabzonspor kommen solche News zur Unzeit, denn der Klub von der Schwarzmeerküste muss am heutigen Dienstag im Halbfinale des türkischen Pokals gegen Fenerbahce Istanbul das Hinspiel vor heimischer Kulisse bestreiten.

Doch ums was geht es ei dem Wettskandal? Alle Fußballverbände haben sehr enge Regeln, wenn es um das Wetten von Spielern oder Offiziellen geht. Gerade England – das Mutterland des Fußballs und der Wetten – geht dabei mit gutem Beispiel voran. Nun soll er aber, wie eine Kommission der FA feststellte, seinen Bruder über mögliche Wechseloptionen Insiderinformationen zugesteckt haben. Dabei ging es um den Wechsel von Sturridge vom FC Liverpool zum spanischen Klub FC Sevilla. Diese Infos gab Daniel Sturridge weiter, sein Bruder wettete darauf und damit handelt sich das um klare Insiderinfos.

Diese erneute Sperre mit weltweiter Gültigkeit, die der Verband aussprach, hat auch Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis mit dem türkischen Klub Trabzonspor. Dort hatte der Stürmer einen Vertrag bis zum Jahr 2021 gezeichnet. Dieser Vertrag wurde am Montag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. Sturridge ist damit nun vereinslos und am Boden zerstört. Er sagte auf seinen Kanälen auf den Social Media, dass er weiter ein Vorreiter sein werde, wenn es darum geht, dass Spieler keinen Maulkorb angelegt bekommen, wenn sie mit der eigenen Familie sprechen oder sich mit engsten Freunden austauschen. Momentan bestünde, wegen der straffen Wettregeln, stets die Gefahr, danach angeklagt zu werden.

Meinung – Beide Seiten kann man verstehen

Am Ende des Tages kann man sicherlich beide Seiten verstehen und Handlungen nachvollziehen. Die Verbände wollen Insidertipps unterbinden und verhindern, dass sich Personen aus dem Spielerumfeld einen Wettvorteil verschaffen. Nicht umsonst sind zum Beispiel bei Gewinnspielen stets die Mitarbeiter und Familienangehörige von Angestellten von der Teilnahme ausgeschlossen. Selbst wenn es nicht um Betrug geht, aber wer frühzeitig weiß, wohin geht Spieler A, B oder C, der kann Wetten abschließen und das möglicherweise zu extrem hohen Quoten. Das gilt es natürlich zu unterbinden – wie bei den finanzpolitischen Insidergeschäften an der Börse.

Andererseits spricht man über die psychische Belastung von Profis, von Depressionen, von Burnout. Kann der Spieler nicht mehr frei kommunizieren und muss sich verhalten "wie ein Geheimnisträger eines Nachrichtendienstes", wird dadurch unter Umständen innerer Druck aufgebaut und junge Spieler verlieren die Unbefangenheit im Umgang mit ihrem Umfeld. Hier sind UEFA und FIFA in Kooperation mit den Verbänden gefordert, realistische und praktikable Modelle zu entwickeln, die den Spielern als Menschen Rechnung tragen.

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