Imago/Agencia EFE

Dammbruch und Schlammlawine - Hunderte Tote in Brasilien befürchtet

26.1.2019 22:13 Uhr

Nach einem Dammbruch an einer Eisenerzmine im brasilianischen Minas Gerais wälzt sich eine riesige Schlammlawine über eine Mine und Dörfer hinweg. Hunderte werden vermisst. Und es ist nicht das erste Mal, das so etwas passiert.

Zunächst wurden neun Leichen geborgen, doch die Zahl der Opfer dürfte weiter steigen. Es sei schwer, noch Überlebende zu finden, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Minas Gerais, Romeu Zema, im Fernsehsender Globo TV. "Sehr wahrscheinlich werden wir jetzt nur noch Leichen bergen." Damit könnte es Hunderte Tote geben.

Der Schlamm hatte eine rot-braune Schneise in das satte Grün geschlagen und alles unter sich begraben. Hubschrauber kreisten über den Schlammmassen und suchten nach Überlebenden an dem Bergwerk nahe der brasilianischen Ortschaft Brumadinho.

Dramatische Szenen aus dem Katastrophengebiet

Ein Zug wird von den Massen erfasst und zerquetscht. Retter ziehen Menschen von Hubschraubern aus dem Schlamm. Ein Mann hievt seine vor Schmerzen schreiende Frau aus den Trümmern. Eine schlammverschmierte Kuh stakst zwischen Schutt, mitgerissenen Ästen und nasser Erde umher. Den Angaben der Rettungskräfte zufolge werden sowohl Arbeiter der Eisenerzmine als auch Anwohner aus der umliegenden Gegend vermisst.

Die Mine wird von dem brasilianischen Konzern Vale betrieben. Wie es genau zu dem Unfall kam, sei noch unklar, sagte Vale-Präsident Fábio Schvartsman. Das Umweltministerium kündigte eine Strafe in Höhe von 250 Millionen Rais (58 Mio Euro) gegen Vale an. Medienberichten zufolge sollten zur Sicherheit Vermögenswerte des Konzerns über eine Milliarde Rais blockiert werden.

Schlammlawine überzieht Wohngebiet

Der Unglücksort im Bundesstaat Minas Gerais liegt rund 450 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro. Die Schlammmassen hatten sich über Teile der Eisenerzmine und eines Wohngebiets gewälzt. Dabei wurden wahrscheinlich Dutzende weitere Menschen mitgerissen. Zerstört wurden auch Dächer von Häusern sowie Bagger in der Eisenerzmine.

Auf Bildern war zu sehen, wie Einsatzkräfte aus einem Helikopter versuchten, eine Frau und einen Mann zu retten. Die Hilfesuchenden waren beide komplett mit Schlamm bedeckt. Der Mann stand bis zum Oberkörper im braunen Wasser und trug die Frau in Richtung der Retter. Andere Aufnahmen zeigten Bagger in der Eisenerzmine Córrego de Feijao, bedeckt mit Schlamm, Steinbrocken und Ästen. Die Lawine schob Gütercontainer für das Eisenerz von Eisenbahngleisen.

Auf Luftaufnahmen wurde das Ausmaß des Unglücks sichtbar, die Schlammlawine hatte sich kilometerweit ihren Weg gebahnt. Die braune Schlammflut erreichte auch die Wohngegend Vila Forteco und begrub teilweise ganze Häuser unter sich.

Präsident Bolsonaro vor Ort

Präsident Jair Bolsonaro flog im Hubschrauber über das Unglücksgebiet und machte sich ein Bild von der Lage. "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um den Opfern zu helfen, die Schäden gering zu halten, die Fakten zu ermitteln, für Gerechtigkeit zu sorgen und diese Tragödien für die Brasilianer und die Umwelt kunftig zu verhindern", schrieb er auf Twitter.

Der rechtspopulistische Präsident steht im Ruf, den Unternehmen weitgehend freie Hand zu lassen und von strengen Umweltschutzbestimmungen wenig zu halten. Naturschutzverbände forderten eine strengere Kontrolle. "Brasilien muss die Regierungsbehörden stärken, die die wichtige Aufgabe haben, die wirtschaftlichen Aktivitäten mit hohem Risiko für Umwelt und Gesellschaft zu überwachen", sagte der Direktor der Naturschutzorganisation WWF in Brasilien, Mauricio Voivodic.

Zweites Unglück seit 2015

Im Jahr 2015 gab es ebenfalls in Minas Gerais ein ähnliches Unglück. Bei der "Tragödie von Mariana" kam es in einem Eisenerzbergwerk zu einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken. Damals kamen 19 Menschen ums Leben. Es gab mehrere Anklagen und Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe. Das damalige Betreiberunternehmen Samarco gehörte ebenfalls Vale sowie dem australisch-britischen Konzern BHP. Eine riesige Welle mit Schlamm und schädlichen Stoffen ergoss sich in angrenzende Ortschaften und kontaminierte den Fluss Rio Doce auf rund 650 Kilometern Länge, bis in den Atlantik floss die braunrote Brühe.

"Diese neue Katastrophe ist die traurige Konsequenz davon, dass die brasilianische Regierung und die Bergbauunternehmen nichts dazugelernt haben", sagte Nilo D’Ávila von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. "Das ist kein Unfall, sondern ein Umweltverbrechen, das bestraft werden muss."

(be/dpa)

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